"Filterblase" ist Schweizer Wort des Jahres 2016. Meint: In sozialen Medien wird man einseitig informiert, weil der Algorithmus einem vor allem Artikel und Meinungen serviert, die zur eigenen Meinung passen.
Ich vermute, auch theologisch gibt es eine Art "Filterbubble". Ich lese Bücher, Artikel und Blogs, höre Podcasts vor allem von Menschen, die ähnliche Ansichten haben wie ich. Nur schafft mir kein Algorithmus diese Blase, sondern ich habe sie mir selber gebaut: vor allem über meine Twitter-Bekanntschaften, denen ich folge, weil sie für mich interessante Meinungen und Artikel posten.
Von Berufes wegen habe ich in meiner Twitter-Timeline auch katholisch-konservative Medien und ich folge der EDU. Ansonsten ist meine Filterbubble aber ziemlich homogen: Theologinnen und Theologen, die wie ich ursprünglich einen evangelikalen Hintergrund haben, der ihnen jedoch zu eng wurde. Oder aus dem sie rausgeflogen sind, weil sie homo- oder transsexuell sind. Frauen, die sich mit feministischer Theologie beschäftigen.
Podcaster, die ihrerseits eine Gruppe von ähnlich gesinnten zeitgenössischen TheologInnen unter sich herumreichen: Peter Rollins, Sarah Bessey, N.T. Wright, Rachel Held Evans oder Greg Boyd. Karl Barth taucht bei ihnen häufig auf und neuerdings auch Dorothee Sölle. Darf ich vorstellen: meine "Theologen-Filterbubble".
Im Grundkurs Dogmatik an der Uni bekommen wir einen ganz groben Überblick über theologische Positionen der Vergangenheit. Wir hören sowohl, wofür Martin Luther stand, als auch Anselm von Canterbury. Doch was ist danach? Wenn mir niemand mehr Positionen von rechts nach links vorstellt, sondern ich selber dafür verantwortlich bin? Werde ich mich dann noch damit befassen wollen, warum jemand die Taufe heilsnotwendig findet, Argumente hören wollen, warum man Gott in anderen Religionen auf keinen Fall begegnen kann, oder Calvins Thesen zur Prädestination lesen?
Werde ich als Theologin später ohnehin mit anderen Ansichten innerhalb der christlichen Theologie konfrontiert werden? Oder muss ich meine Filterbubble sprengen?
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Donnerstag, 15. Dezember 2016
Dienstag, 13. September 2016
Wir "spirituell Obdachlosen"
Seit ich etwa 20 war, führe ich ein spirituelles Nomadenleben.
Meiner Zeit am Gymnasium folgten Jahre, in denen ich mich nicht als gläubig bezeichnet hätte. Ich hatte die Nase voll von einer Kirche, die vor allem Normen und Regeln verkörperte, und von einem Gott, den ich nicht hörte, geschweige denn verstand. Mitte zwanzig gab ich ihm nochmal eine Chance - aber ohne den ganzen Ballast von Gemeindealltag, christlichen Lebenshilfe- und Andachtsbüchern und vor allem ohne den Druck, mir das Label "Christin" anzukleben.
Langsam fand ich wieder zu einem Glaubensleben. Es ist nicht mehr das gleiche wie zuvor - zum Glück: Ich habe die Freiheit, auf dem Weg zu sein und herauszufinden, was der Glaube für mich bedeutet. Ich sehe ihn als Prozess und nicht als Dogma. Ich teile mein Leben mit Menschen, mit denen ich diskutiere. Mit manchen bete ich auch. Manchmal besuche ich in die Kirche vor Ort, der ich sogar als Mitglied beigetreten bin. Aber meine "Kirche" ist ein Netzwerk von Menschen, die sich an völlig unterschiedlichen Orten befinden.
Viele aus meinem Freundeskreis haben eine ähnliche Geschichte. Ihr habt Enttäuschungen erlebt in Kirchen, habt Zweifel an Gott und Mühe mit vielen von den Leuten, die sich in der Öffentlichkeit als Christen positionieren. Und trotzdem ist da etwas, was euch nicht loslässt an dieser Sache mit Gott. Im englischsprachigen Raum nennt man uns "De-Churched", "Entkirchlicht"; oder "spiritual homeless", "geistlich Obdachlose". Menschen mit einem "Post-traumatic Church Syndrome" (Reba Riley) trifft es auch ganz gut.
Die Feuerstellen, die uns "spirituell Obdachlosen" wärmen, und die Gassenküchen, in denen wir uns treffen und Nahrung bekommen, befinden sich vor allem im Internet. Es sind in den letzten zwei Jahren einige Podcasts für Leute wie uns entstanden ("The Liturgists", "Red Letter Christians", "The Deconstructionists", "Homebrewed Christianity"). Dass ihre Hörerzahlen in kürzester Zeit explodiert sind und die Macher völlig überrumpelt wurden von der Resonanz, zeigt, wie gross diese Minderheit der "De-Churched" ist. Auch etablierte Kirchen begreifen es langsam: Sie machen sich auf den Weg aus den Kirchengebäuden heraus, um Menschen dort zu begegnen, wo sie sind (Fresh Expressions of Church). Ohne den Willen, sie zurück in die Kirchengebäude zu bringen.
Es sind einzelne Beispiele für eine "grass roots"-Bewegung, die langsam in Gang kommt. Raus aus den Kirchen, aus den etablierten Traditionen, in Richtung einer neuen Reformation. Ich glaube, das ist die Zukunft der Kirche. Und wenn man bedenkt, dass auch der Gründer dieser ganzen Christentums-Sache ein Obdachloser war, der ein Nomadenleben führte, ist das wohl der richtige Weg.
Meiner Zeit am Gymnasium folgten Jahre, in denen ich mich nicht als gläubig bezeichnet hätte. Ich hatte die Nase voll von einer Kirche, die vor allem Normen und Regeln verkörperte, und von einem Gott, den ich nicht hörte, geschweige denn verstand. Mitte zwanzig gab ich ihm nochmal eine Chance - aber ohne den ganzen Ballast von Gemeindealltag, christlichen Lebenshilfe- und Andachtsbüchern und vor allem ohne den Druck, mir das Label "Christin" anzukleben.
Langsam fand ich wieder zu einem Glaubensleben. Es ist nicht mehr das gleiche wie zuvor - zum Glück: Ich habe die Freiheit, auf dem Weg zu sein und herauszufinden, was der Glaube für mich bedeutet. Ich sehe ihn als Prozess und nicht als Dogma. Ich teile mein Leben mit Menschen, mit denen ich diskutiere. Mit manchen bete ich auch. Manchmal besuche ich in die Kirche vor Ort, der ich sogar als Mitglied beigetreten bin. Aber meine "Kirche" ist ein Netzwerk von Menschen, die sich an völlig unterschiedlichen Orten befinden.
Viele aus meinem Freundeskreis haben eine ähnliche Geschichte. Ihr habt Enttäuschungen erlebt in Kirchen, habt Zweifel an Gott und Mühe mit vielen von den Leuten, die sich in der Öffentlichkeit als Christen positionieren. Und trotzdem ist da etwas, was euch nicht loslässt an dieser Sache mit Gott. Im englischsprachigen Raum nennt man uns "De-Churched", "Entkirchlicht"; oder "spiritual homeless", "geistlich Obdachlose". Menschen mit einem "Post-traumatic Church Syndrome" (Reba Riley) trifft es auch ganz gut.
Die Feuerstellen, die uns "spirituell Obdachlosen" wärmen, und die Gassenküchen, in denen wir uns treffen und Nahrung bekommen, befinden sich vor allem im Internet. Es sind in den letzten zwei Jahren einige Podcasts für Leute wie uns entstanden ("The Liturgists", "Red Letter Christians", "The Deconstructionists", "Homebrewed Christianity"). Dass ihre Hörerzahlen in kürzester Zeit explodiert sind und die Macher völlig überrumpelt wurden von der Resonanz, zeigt, wie gross diese Minderheit der "De-Churched" ist. Auch etablierte Kirchen begreifen es langsam: Sie machen sich auf den Weg aus den Kirchengebäuden heraus, um Menschen dort zu begegnen, wo sie sind (Fresh Expressions of Church). Ohne den Willen, sie zurück in die Kirchengebäude zu bringen.
Es sind einzelne Beispiele für eine "grass roots"-Bewegung, die langsam in Gang kommt. Raus aus den Kirchen, aus den etablierten Traditionen, in Richtung einer neuen Reformation. Ich glaube, das ist die Zukunft der Kirche. Und wenn man bedenkt, dass auch der Gründer dieser ganzen Christentums-Sache ein Obdachloser war, der ein Nomadenleben führte, ist das wohl der richtige Weg.
Donnerstag, 17. März 2016
"Let Bad Religion Die", oder wie Gungor Kunst voller Theologie machen #offtopic
Ich habe vor, wieder mehr off-topic zu bloggen. Nicht direkt über Frauen in der Kirche, sondern mehr über Leben und Glauben aus meiner Perspektive. Kurz, lose, random, nicht wirklich redigiert. #wasmitTheologie.
Zu christlicher Musik könnte man wunderbare Bullshit-Bingos machen. Oder so Songbücher wie die horizontal dreigeteilten Kinderbücher, wo Kopf, Rumpf und Beine verschiedener Tiere zusammen ein Fantasiewesen ergeben. "Holy", "Halleluja", drei Akkorde drunter, ein ätherisches Klangbett und voilà, fertig ist der 08/15-Worshipsong. Gotteslob in Ehren, aber Seele ist da ganz selten drin.
Und dann gibt es diese eine christliche Band, die ihren Songs Titel gibt wie "Magic" oder "Let Bad Religion Die": Gungor. Ihre Werke haben Sprengkraft, sind pure Theologie, in Kunst gepackt. Der Song "Beautiful Things" ist mittlerweile auch hier bekannt, er ist aber harmlos, verglichen mit anderen ihrer Titel. Ein Song von Gungor beginnt mit der Zeile "God is not a man", und der Chorus eines anderen lautet "If it's us or them, it's us for them". In "Light" verarbeiten sie ganz ehrlich die Erfahrung, ein Kind mit Down-Syndrom bekommen zu haben.
Gungor sind furchtlos. Sie machen mit ihrem Künstlerkollektiv "The Liturgists" ehrliche, tiefgründige, mutige Kunst. Theologiekunst, angewandte Theologie, welche mich tief berührt, zum Nachdenken bringt und mich spirituell prägt.
Zum Beispiel ihre modernen Liturgien, wie "Garden" für Karfreitag/Ostern: Spoken Word von den Theologen Rachel Held Evans und Rob Bell, eine zwanzigminütige, angeleitete Meditation ("Centering Prayer") vom exzentrischen Theologen/Wissenschaftsfreak "Science Mike" McHague. Songs von Gungor mit Texten wie "Oh my God, where are you?". Vor solchen Fragen haben sie keine Angst. "The Liturgists" machen Podcasts zu Themen wie "Pro-life, pro choice", "Sin" oder "Safe Church". (Und ja, auch zu "Genesis and Evolution" oder "LGBTQ".) Manchmal - oft! - werden Fragen gestellt, diskutiert, aber nicht abschliessend beantwortet. Es entsteht Raum fürs Denken, fürs Fühlen, für den Heiligen Geist.
Auch an ihren Events, bei denen ich wünschte, ich könnte dabeisein... "Lost & Found": "An interactive storytelling experience about the tension between science and religion, and why so many people leave faith behind." Oder "Belong": "Belong is a safe place to have honest discussions about doubts, hopes, fears, and faith. A place where no question is off limits, but you can find a burgeoning community of people who will welcome you with all your strangeness."
Ich bin mir völlig bewusst, wie schwärmerisch das alles klingt. Aber Gungor geben mir so viel Hoffnung! Sie schaffen Heimat für Menschen, die von der herkömmlichen Institution Kirche enttäuscht sind. Die mehr wollen, echtes wollen, nicht Rezeptglauben mit Manipulationsfaktor. Selber denken, aber auch selber fühlen. Zweifeln und fragen, aber auch wachsen und finden. "Seek and you shall find!"
Gungor haben soeben ihr neues Album "One Wild Life: Spirit" veröffentlicht, der zweite Teil einer Album-Trilogie. Es ist eine geballte Ladung Inspiration mit grossartiger Musik. Und hier kann man reinhören: In der neusten Folge ihres "The Liturgists"-Podcasts sprechen sie über das Album und die einzelnen Songs werden ansgespielt.
Sidenote: Gungor laufen auch im Programm von Radio Life Channel. Wir sind nämlich dort auch keine Fans von 08/15-Worship und Rezeptglauben.
Zu christlicher Musik könnte man wunderbare Bullshit-Bingos machen. Oder so Songbücher wie die horizontal dreigeteilten Kinderbücher, wo Kopf, Rumpf und Beine verschiedener Tiere zusammen ein Fantasiewesen ergeben. "Holy", "Halleluja", drei Akkorde drunter, ein ätherisches Klangbett und voilà, fertig ist der 08/15-Worshipsong. Gotteslob in Ehren, aber Seele ist da ganz selten drin.
Und dann gibt es diese eine christliche Band, die ihren Songs Titel gibt wie "Magic" oder "Let Bad Religion Die": Gungor. Ihre Werke haben Sprengkraft, sind pure Theologie, in Kunst gepackt. Der Song "Beautiful Things" ist mittlerweile auch hier bekannt, er ist aber harmlos, verglichen mit anderen ihrer Titel. Ein Song von Gungor beginnt mit der Zeile "God is not a man", und der Chorus eines anderen lautet "If it's us or them, it's us for them". In "Light" verarbeiten sie ganz ehrlich die Erfahrung, ein Kind mit Down-Syndrom bekommen zu haben.
Gungor sind furchtlos. Sie machen mit ihrem Künstlerkollektiv "The Liturgists" ehrliche, tiefgründige, mutige Kunst. Theologiekunst, angewandte Theologie, welche mich tief berührt, zum Nachdenken bringt und mich spirituell prägt.
Zum Beispiel ihre modernen Liturgien, wie "Garden" für Karfreitag/Ostern: Spoken Word von den Theologen Rachel Held Evans und Rob Bell, eine zwanzigminütige, angeleitete Meditation ("Centering Prayer") vom exzentrischen Theologen/Wissenschaftsfreak "Science Mike" McHague. Songs von Gungor mit Texten wie "Oh my God, where are you?". Vor solchen Fragen haben sie keine Angst. "The Liturgists" machen Podcasts zu Themen wie "Pro-life, pro choice", "Sin" oder "Safe Church". (Und ja, auch zu "Genesis and Evolution" oder "LGBTQ".) Manchmal - oft! - werden Fragen gestellt, diskutiert, aber nicht abschliessend beantwortet. Es entsteht Raum fürs Denken, fürs Fühlen, für den Heiligen Geist.
Auch an ihren Events, bei denen ich wünschte, ich könnte dabeisein... "Lost & Found": "An interactive storytelling experience about the tension between science and religion, and why so many people leave faith behind." Oder "Belong": "Belong is a safe place to have honest discussions about doubts, hopes, fears, and faith. A place where no question is off limits, but you can find a burgeoning community of people who will welcome you with all your strangeness."
Ich bin mir völlig bewusst, wie schwärmerisch das alles klingt. Aber Gungor geben mir so viel Hoffnung! Sie schaffen Heimat für Menschen, die von der herkömmlichen Institution Kirche enttäuscht sind. Die mehr wollen, echtes wollen, nicht Rezeptglauben mit Manipulationsfaktor. Selber denken, aber auch selber fühlen. Zweifeln und fragen, aber auch wachsen und finden. "Seek and you shall find!"
Gungor haben soeben ihr neues Album "One Wild Life: Spirit" veröffentlicht, der zweite Teil einer Album-Trilogie. Es ist eine geballte Ladung Inspiration mit grossartiger Musik. Und hier kann man reinhören: In der neusten Folge ihres "The Liturgists"-Podcasts sprechen sie über das Album und die einzelnen Songs werden ansgespielt.
Sidenote: Gungor laufen auch im Programm von Radio Life Channel. Wir sind nämlich dort auch keine Fans von 08/15-Worship und Rezeptglauben.
Donnerstag, 11. Februar 2016
Liebe Willow Creek, so geht das nicht.
Seit gestern läuft #LK16, der Leitungskongress des Kirchennetzwerks Willow Creek. Knapp 10'000 Leitungspersonen aus Frei- und Landeskirchen holen sich Inspiration, wie sie ihre Gemeinden beleben können. Natürlich hatte ich die Referentenliste mit dem "Quoten-Fokus" durchgescrollt, kaum war sie draussen. Sieben Männer, drei Frauen stehen auf der Bühne der TUI-Arena Hannover. Kein berauschender Frauenanteil, aber immerhin nicht null Rednerinnen.
Da der Hashtag #LK16 gestern auf meiner Twitter-Timeline ziemlich präsent war, drängte es sich auf, auch aus der Ferne eine Frage einzuwerfen:
Eine Antwort von Willow Creek liess nicht lange auf sich warten:
Alles okay. Bis ein anderer Twitter-User mich darauf aufmerksam machte, dass ich bezüglich Team-Zusammensetzung am falschen Ort geschaut hatte.
Liebe Willow Creek. So geht das nicht. Es mag ja einfach dumm gelaufen sein, dass die erste Frau am Kongress erst am frühen Abend auf der Bühne stand. Ungeschickt, dass das englische, geschlechtsneutrale Wort "Leader" in der Regel mit der männlichen Form "Leiter", statt mit dem neutralen "Leitende", übersetzt wird. Hier ausgerechnet in einem Zitat von Christine Caine: Sie hat das Netzwerk "Propel Women" gegründet für Frauen in leitenden Positionen.
#LK16 @ChristineCaine pic.twitter.com/nMHYYHnUGr
Kann passieren. Aber ihr könnt nicht Kongresse darüber veranstalten, wie man zeitgemäss christliche Gemeinschaft (be)lebt, und im obersten Gremium eures Netzwerks einen Frauenanteil von praktisch Null haben. Schliesslich heisst es in eurem Vision Statement: "Jede Gemeinde soll ihr von Gott gegebenes Potenzial zur vollen Entfaltung bringen." Und nicht bloss 50 Prozent - oder 17, wie im Vorstand von Willow Creek DE!
(Ja, ich weiss, dass ihr bestimmt gerne mehr Frauen in eurem Vorstand hättet. Dass ihr sicher einige gefragt habt und die meisten abgesagt haben. Aber von nichts kommt nichts. Wenn man Frauen nicht an der Basis fördert, gibt es auch keine, die man für Leitungs- und Vorstandsfunktionen anfragen kann. Wer, wenn nicht ihr, könnte da in den evangelikalen Kirchen Grundlagenarbeit leisten? Lasst mich noch kurz aus eurem Mission Statement zitieren: "Durch Kongresse, Netzwerk, Ressourcen und Training unterstützt und fördert Willow Creek Deutschland/Schweiz haupt- und ehrenamtlich leitende Mitarbeiter (...)." Sofern das "Mitarbeiter" nicht tatsächlich wörtlich gemeint ist, sondern auch Frauen einschliesst, läuft bei euch etwas gewaltig schief.)
Update (13.2.): Hier die Stellungnahme von Anke Wiedekind, Vorstandsmitglied von Willow Creek DE.
Liebe Evelyne,
danke für Dein Engagement für mehr Frauen in Lehr- und Leitungsfunktionen in der Kirche. Mir liegt das auch sehr am Herzen – als Frau, als Pfarrerin, als Willow-Vorstandsmitglied (und ich habe darüber auch in einer Promotion wissenschaftlich gearbeitet). Ich habe in der Kirche schon viel erlebt diesbezüglich, kann aber sagen, dass ich Willow Creek als einen Trendsetter im Positiven erlebe. Wir fördern auf den Kongressen gezielt potenzielle Führungskräfte, sowohl weibliche als auch männliche. So leisten wir einen Beitrag dafür, dass unter den Leitenden von morgen mehr Frauen sind als heute. Bezogen auf alle Mitarbeitende beim Leitungskongress 2016 sind 43,91 Prozent Frauen. Der Vorstand ist sehr engagiert in der Frage, mehr Frauen in den Vorstand zu bekommen, genauso mehr Rednerinnen auf die Bühne. Dies ist ein konstantes Thema in den Sitzungen. Dass es nicht immer gelingt, liegt an vielen Faktoren. Zum Beispiel ist es gar nicht so leicht, Rednerinnen zu finden, die meisten sind komplett ausgebucht - ein weiterer Beweis für die Berechtigung Deiner Kritik, keine Frage.
Willow Creek Deutschland ist ein Netzwerk und setzt als solches Akzente für einen höheren Frauenanteil. Unser Ziel ist es, junge Leiterinnen und Leiter gleichermaßen zu fördern, um langfristig ausgeglichene Verhältnisse auf allen Ebenen zu schaffen. Natürlich freuen wir uns, wenn wir in einen Austausch kommen können, wie wir weitere Akzente setzen können.
Deine Kritik richtete sich auch auf die Verwendung von teilweise maskulinen Begriffen, mit denen wir natürlich auch Frauen meinten. Da können wir nur sagen: „Danke“. Das ist noch nicht gelungen. Das werden wir beim nächsten Mal besser machen.
Viele Grüße
Anke Wiedekind
Da der Hashtag #LK16 gestern auf meiner Twitter-Timeline ziemlich präsent war, drängte es sich auf, auch aus der Ferne eine Frage einzuwerfen:
Im Programm hatte ich nichts dazu gefunden, obwohl für mich die Frauenfrage an einem solch grossen, schillernden Kongress eigentlich ein zwingender Programmpunkt gewesen wäre. (Bei solchen Sätzen tippe ich mir jeweils an den Kopf und wundere mich, dass ich 2016 noch sowas schreibe.)Ist der geringe Frauenanteil in der Leiterschaft von evangelikalen Kirchen/Lösungsansätze dafür eigtl ein Thema am #LK16? @willowcreek_de— Evelyne Baumberger (@evelyne_lynn) 11. Februar 2016
Eine Antwort von Willow Creek liess nicht lange auf sich warten:
Ich überflog kurz die "Team"-Section auf ihrer Website. Eigentlich war ich ja am Arbeiten. Deswegen bemerkte ich zwar, dass die Chefs alles Männer sind und die Frauen vor allem Sekretärinnen, aber dachte, immerhin hat es welche. Lassen wir mal gut sein. Mein Vorschlag, das Geschlechter-Ungleichgewicht beim nächsten Kongress zu thematisieren, brachte von Willow Creek ein "Danke, super Idee"..@evelyne_lynn nicht unmittelbar in den Beiträgen, aber ganz sicher in vielen Gesprächen und in der konkreten Umsetzung in unseren Teams.— Willow Creek (@willowcreek_de) 11. Februar 2016
Alles okay. Bis ein anderer Twitter-User mich darauf aufmerksam machte, dass ich bezüglich Team-Zusammensetzung am falschen Ort geschaut hatte.
@evelyne_lynn @willowcreek_de Erschreckend ist die Männer/Frauen Ratio im Vorstand D: 12 M/2 F und CH: 9M/0F https://t.co/PpGId6Nyab— bjoernwagner (@bjoernwagner) 11. Februar 2016
Liebe Willow Creek. So geht das nicht. Es mag ja einfach dumm gelaufen sein, dass die erste Frau am Kongress erst am frühen Abend auf der Bühne stand. Ungeschickt, dass das englische, geschlechtsneutrale Wort "Leader" in der Regel mit der männlichen Form "Leiter", statt mit dem neutralen "Leitende", übersetzt wird. Hier ausgerechnet in einem Zitat von Christine Caine: Sie hat das Netzwerk "Propel Women" gegründet für Frauen in leitenden Positionen.
#LK16 @ChristineCaine pic.twitter.com/nMHYYHnUGr
— Willow Creek (@willowcreek_de) 11. Februar 2016
Kann passieren. Aber ihr könnt nicht Kongresse darüber veranstalten, wie man zeitgemäss christliche Gemeinschaft (be)lebt, und im obersten Gremium eures Netzwerks einen Frauenanteil von praktisch Null haben. Schliesslich heisst es in eurem Vision Statement: "Jede Gemeinde soll ihr von Gott gegebenes Potenzial zur vollen Entfaltung bringen." Und nicht bloss 50 Prozent - oder 17, wie im Vorstand von Willow Creek DE!
(Ja, ich weiss, dass ihr bestimmt gerne mehr Frauen in eurem Vorstand hättet. Dass ihr sicher einige gefragt habt und die meisten abgesagt haben. Aber von nichts kommt nichts. Wenn man Frauen nicht an der Basis fördert, gibt es auch keine, die man für Leitungs- und Vorstandsfunktionen anfragen kann. Wer, wenn nicht ihr, könnte da in den evangelikalen Kirchen Grundlagenarbeit leisten? Lasst mich noch kurz aus eurem Mission Statement zitieren: "Durch Kongresse, Netzwerk, Ressourcen und Training unterstützt und fördert Willow Creek Deutschland/Schweiz haupt- und ehrenamtlich leitende Mitarbeiter (...)." Sofern das "Mitarbeiter" nicht tatsächlich wörtlich gemeint ist, sondern auch Frauen einschliesst, läuft bei euch etwas gewaltig schief.)
Update (13.2.): Hier die Stellungnahme von Anke Wiedekind, Vorstandsmitglied von Willow Creek DE.
Liebe Evelyne,
danke für Dein Engagement für mehr Frauen in Lehr- und Leitungsfunktionen in der Kirche. Mir liegt das auch sehr am Herzen – als Frau, als Pfarrerin, als Willow-Vorstandsmitglied (und ich habe darüber auch in einer Promotion wissenschaftlich gearbeitet). Ich habe in der Kirche schon viel erlebt diesbezüglich, kann aber sagen, dass ich Willow Creek als einen Trendsetter im Positiven erlebe. Wir fördern auf den Kongressen gezielt potenzielle Führungskräfte, sowohl weibliche als auch männliche. So leisten wir einen Beitrag dafür, dass unter den Leitenden von morgen mehr Frauen sind als heute. Bezogen auf alle Mitarbeitende beim Leitungskongress 2016 sind 43,91 Prozent Frauen. Der Vorstand ist sehr engagiert in der Frage, mehr Frauen in den Vorstand zu bekommen, genauso mehr Rednerinnen auf die Bühne. Dies ist ein konstantes Thema in den Sitzungen. Dass es nicht immer gelingt, liegt an vielen Faktoren. Zum Beispiel ist es gar nicht so leicht, Rednerinnen zu finden, die meisten sind komplett ausgebucht - ein weiterer Beweis für die Berechtigung Deiner Kritik, keine Frage.
Willow Creek Deutschland ist ein Netzwerk und setzt als solches Akzente für einen höheren Frauenanteil. Unser Ziel ist es, junge Leiterinnen und Leiter gleichermaßen zu fördern, um langfristig ausgeglichene Verhältnisse auf allen Ebenen zu schaffen. Natürlich freuen wir uns, wenn wir in einen Austausch kommen können, wie wir weitere Akzente setzen können.
Deine Kritik richtete sich auch auf die Verwendung von teilweise maskulinen Begriffen, mit denen wir natürlich auch Frauen meinten. Da können wir nur sagen: „Danke“. Das ist noch nicht gelungen. Das werden wir beim nächsten Mal besser machen.
Viele Grüße
Anke Wiedekind
Dienstag, 14. April 2015
Lohnt es sich, für Veränderung zu kämpfen?
"Starke Frauen in der Kirche", heisst mein Blog. Doch momentan besuche ich selber gar nicht regelmässig eine Kirche.
Dies ist wahrscheinlich auch der Grund, warum ich länger keinen Blog-Eintrag veröffentlicht habe. Ich stelle mir die Fragen: Wenn so vieles meiner Ansicht nach falsch läuft in der Welt der Kirchen, warum überhaupt kämpfen? Wenn ich nicht an die Zukunft von Kirchen glaube, wie ich sie heute kenne, warum investieren? Dabei ist die ungleiche Machtverteilung von Männern und Frauen nur ein Aspekt. Dass ich überhaupt darauf komme, von "Macht" zu sprechen anstatt von Förderung und Potenzial, zeigt einen anderen Punkt auf, der mir an der Kirche missfällt. Dann die Frage nach Finanzen, nach Strukturen, die Ressourcen verschlingen, die man direkter für gute Zwecke einsetzen könnte. Strukturen im Allgemeinen - braucht es tatsächlich so viele Angebote, wie sie die Kirchen anbieten? Sie füllen die Agenda und gehören zum Werben um neue Besucherinnen und Besucher. Und das geschieht vielleicht nur unter dem Vorwand, sie mit dem liebenden Gott bekannt zu machen. Und manchmal auch vor allem, um Mitglieder zu gewinnen, um Erfolge feiern zu können, das Ego der Gemeinde zu streicheln.
Dies sind alles negative Beispiele, die gewiss so geschehen. Aber die mir oft auch den Blick auf die positive Seite von Kirche verdecken. Dass einsame Menschen Freunde finden, und Suchende Gott kennen lernen können. Dass Menschen durch die regelmässigen Impulse an sich und an der Gemeinschaft arbeiten. Dass sie immer wieder motiviert werden, sich für andere einzusetzen. Die sozialen, diakonischen Arbeiten der Kirchen etwa für Ausländer und alte, alleinstehende Menschen nicht zu vergessen.
Ich bin hin- und hergerissen zwischen diesen positiven, auch biblischen Seiten der Kirchen, und den Problemen, die ich beobachtet habe. Wahrscheinlich befinde ich mich "between churches". Ich suche, wie so viele meiner Freunde, geistliche Impulse in Podcasts und "Gemeinde" in den alltäglichen Freundschaften. Doch obwohl ich überzeugt bin, dass dies kein falscher Weg ist, fehlt mir etwas.
Ich wünsche mir eine Kirche, die gesund ist. Wo die Frage sich erübrigt, ob Frauen irgend etwas auch "dürfen". Aber auch die anderen Fragen. Und ich frage mich, ob es diese Kirche überhaupt gibt.
Im Gespräch mit Freunden kürzlich fiel der Vergleich mit einer Beziehung: Den perfekten Partner gibt es nicht. Wir sind Menschen, wir machen nicht nur Fehler, wir sind auch einfach grundsätzlich verschieden, und das macht das Zusammenleben schwierig. Trotzdem wollen wir Beziehungen. Wollen wir Gemeinschaft. Aber: Eine Beziehung baut auf einem grundsätzlichen "Ja" zueinander auf. Und wahrscheinlich braucht es das auch, um sich in einer Kirche als Mitglied einzubringen. Hat man kein grundsätzliches "Ja", stimmt zu vieles schon von Anfang an nicht, dann überwiegt schlussendlich der Krampf über den Gewinn von Gemeinschaft.
Diese Kirche habe ich noch nicht gefunden. Bis dahin suche ich mir Impulse aus anderen Quellen. Suche Gemeinschaft mit Menschen ausserhalb der Kirche. Mit starken Frauen und weniger starken Frauen, und mit ebensolchen Männern. Genau so, wie es eigentlich auch in der Kirche sein sollte.
Dies ist wahrscheinlich auch der Grund, warum ich länger keinen Blog-Eintrag veröffentlicht habe. Ich stelle mir die Fragen: Wenn so vieles meiner Ansicht nach falsch läuft in der Welt der Kirchen, warum überhaupt kämpfen? Wenn ich nicht an die Zukunft von Kirchen glaube, wie ich sie heute kenne, warum investieren? Dabei ist die ungleiche Machtverteilung von Männern und Frauen nur ein Aspekt. Dass ich überhaupt darauf komme, von "Macht" zu sprechen anstatt von Förderung und Potenzial, zeigt einen anderen Punkt auf, der mir an der Kirche missfällt. Dann die Frage nach Finanzen, nach Strukturen, die Ressourcen verschlingen, die man direkter für gute Zwecke einsetzen könnte. Strukturen im Allgemeinen - braucht es tatsächlich so viele Angebote, wie sie die Kirchen anbieten? Sie füllen die Agenda und gehören zum Werben um neue Besucherinnen und Besucher. Und das geschieht vielleicht nur unter dem Vorwand, sie mit dem liebenden Gott bekannt zu machen. Und manchmal auch vor allem, um Mitglieder zu gewinnen, um Erfolge feiern zu können, das Ego der Gemeinde zu streicheln.
Dies sind alles negative Beispiele, die gewiss so geschehen. Aber die mir oft auch den Blick auf die positive Seite von Kirche verdecken. Dass einsame Menschen Freunde finden, und Suchende Gott kennen lernen können. Dass Menschen durch die regelmässigen Impulse an sich und an der Gemeinschaft arbeiten. Dass sie immer wieder motiviert werden, sich für andere einzusetzen. Die sozialen, diakonischen Arbeiten der Kirchen etwa für Ausländer und alte, alleinstehende Menschen nicht zu vergessen.
Ich bin hin- und hergerissen zwischen diesen positiven, auch biblischen Seiten der Kirchen, und den Problemen, die ich beobachtet habe. Wahrscheinlich befinde ich mich "between churches". Ich suche, wie so viele meiner Freunde, geistliche Impulse in Podcasts und "Gemeinde" in den alltäglichen Freundschaften. Doch obwohl ich überzeugt bin, dass dies kein falscher Weg ist, fehlt mir etwas.
Ich wünsche mir eine Kirche, die gesund ist. Wo die Frage sich erübrigt, ob Frauen irgend etwas auch "dürfen". Aber auch die anderen Fragen. Und ich frage mich, ob es diese Kirche überhaupt gibt.
Im Gespräch mit Freunden kürzlich fiel der Vergleich mit einer Beziehung: Den perfekten Partner gibt es nicht. Wir sind Menschen, wir machen nicht nur Fehler, wir sind auch einfach grundsätzlich verschieden, und das macht das Zusammenleben schwierig. Trotzdem wollen wir Beziehungen. Wollen wir Gemeinschaft. Aber: Eine Beziehung baut auf einem grundsätzlichen "Ja" zueinander auf. Und wahrscheinlich braucht es das auch, um sich in einer Kirche als Mitglied einzubringen. Hat man kein grundsätzliches "Ja", stimmt zu vieles schon von Anfang an nicht, dann überwiegt schlussendlich der Krampf über den Gewinn von Gemeinschaft.
Diese Kirche habe ich noch nicht gefunden. Bis dahin suche ich mir Impulse aus anderen Quellen. Suche Gemeinschaft mit Menschen ausserhalb der Kirche. Mit starken Frauen und weniger starken Frauen, und mit ebensolchen Männern. Genau so, wie es eigentlich auch in der Kirche sein sollte.
Dienstag, 17. Februar 2015
Aktuelle Web-Artikel Februar
God Conversations for Women (neue Blog-Serie von Tania Harris)
"Each month there’ll be a post to reflect on and discuss as we consider what it means to be a godly christian woman. Our heart is to uncover God’s original vision when he cast both men and women in his image and commissioned them to steward the planet together (Genesis 1:26-27). It’s an exciting journey. Won’t you join us?"
"'Feminismus, fuck yeah!': Volles Haus bei 'Mittendrin'" (Naomi Gregoris und Livio Marc Stöckli, Tages-Woche, 12.2.2015)
«Warum brauchen wir Feminismus?», fragte Anne Wizorek gestern Abend in den vollen Rossstall der Kaserne Basel. Um die 100 Leute waren gekommen, um sich die Meinung der deutschen Feministin und Erfinderin des Hashtags #aufschrei anzuhören.
"Each month there’ll be a post to reflect on and discuss as we consider what it means to be a godly christian woman. Our heart is to uncover God’s original vision when he cast both men and women in his image and commissioned them to steward the planet together (Genesis 1:26-27). It’s an exciting journey. Won’t you join us?"
This Is How Many Words Are Spoken By Women In The Bible (Antonia Blumberg, Huffington Post, 4.2.2015)
"There are 93 women who speak in the Bible, 49 of whom are named. These women speak a total of 14,056 words collectively -- roughly 1.1 percent of the total words in the holy book."
«Warum brauchen wir Feminismus?», fragte Anne Wizorek gestern Abend in den vollen Rossstall der Kaserne Basel. Um die 100 Leute waren gekommen, um sich die Meinung der deutschen Feministin und Erfinderin des Hashtags #aufschrei anzuhören.
Montag, 22. Dezember 2014
Das boxende Schneewittchen: Aktuelle Artikel zum Thema
"Ach du Schreck, so viele Schneewittchen" (Anna Papathanasiou, "Christ & Welt" 53/2014)
"Schneewittchenfieber ist keine Bewegung. Vielmehr beobachte ich, dass die Frauen kapitulieren. Sie sehen keinen
Sinn darin, die Strapazen der sogenannten Doppelbelastung auf sich zu
nehmen, und bleiben lieber ganz zu Hause. Dort machen sie ihre Sache
dann perfekt."
Monika Rühl: "Das Potenzial bei den Frauen ist begrenzt" (Interview "Nordwestschweiz", 17.12.2014, Thomas Schlittler und Gieri Cavelty)
"Einen fundamentalen Wechsel wird es nicht geben – auch darum, weil das
Potenzial bei den Frauen begrenzt ist. Ich will keine Zwangsmassnahmen
für Frauen, die ihre Kinder selber betreuen möchten."
"Notable Women On This Thing Called Feminism" (Jill Di Donato, "Huffington Post", 21.11.2014)
"We need a feminism that isn't afraid to love. We need to be careful of
how we consume culture. We need to push back when we feel caged in as
women. (...) To me, these are feminism's goals. The following women
explain it better than I, and in greater detail. Even if you think this
message is familiar, read it again. Read what these women say, because
even though there are no new stories, some bear repeating."
"Boxende Theologie-Studentin kämpft für Frauen im Priesteramt" (Hans Fahrländer, "Schweiz am Sonntag", 23.11.2014)
"Nach einem Tiefschlag aufstehen und weitermachen: Die Theologiestudentin
Jacqueline Straub aus dem aargauischen Muri kämpft für die
Frauenordination. In 10 bis 15 Jahren will die heute 24-Jährige
Priesterin sein."
Dienstag, 18. November 2014
Krieg und Frieden
Zwei weise Männer haben mich mit ihren Worten in der letzten Woche getroffen - und verunsichert. Zwei Gelehrte, Theologen - und Friedensstifter.
Der eine ist Greg Boyd, amerikanischer Theologe. Ihn durfte ich dieses Jahr in einer Summer School live erleben und von ihm lernen. Und - natürlich - ein kurzes Interview mit ihm führen für Radio Life Channel. Als ich dieses heute wieder gehört und für einen Beitrag geschnitten habe, hat es mich berührt. Thema des Beitrags ist die tiefe Spaltung der Kirchen in den USA über Themen wie LGBT, Empfängnisverhütung, Sozialwesen, Frauenrechte, Aussenpolitik... Ich habe Greg gefragt, ob es wohl möglich sei, über diese Kluft noch eine Brücke zu bauen. Er sagte: "Ja, wenn wir uns statt auf Politik wieder auf die Dinge konzentrieren, welche Jesus uns aufgetragen hat: Menschen zu lieben, wie er sie liebte, und uns für sie aufzuopfern, wie er das getan hat."
Der zweite Theologe war Peter Henning, der bei ERF Medien letzte Woche einen Vortrag hielt. Auch hier ging es um eine Kirchenspaltung: Um die Reformation, die nun bald 500 Jahre her ist. Peter Henning zeigte uns in groben Zügen die Vorgänge auf, die zur Reformation führten und dazu, dass die Diskussionsvorschläge von Martin Luther einschlugen wie eine Bombe. Und: Er stellte einige Thesen auf, was die Reformation für uns als Medienunternehmen - abgesehen von Themen für Beiträge - bedeuten könnte. Einer der Punkte war, dass er uns riet, uns nicht an Schlammschlachten zu beteiligen. Konstruktive Beiträge dazu zu leisten, dass sich die Kirche eint, statt nur mit dem journalistischen Finger auf Missstände zu zeigen.
Frieden stiften, praktisch im Alltag helfen, das berührte mich. Ich dachte darüber nach, wie das bei mir aussieht - im täglichen Leben, wo es sicher für jede und jeden Herausforderungen gibt mit Menschen, die Hilfe nötig hätten. Aber auch mit diesem Blog. Ich hinterfrage mein Anliegen immer wieder selber. Was will ich mit "Feminism - OMG!"? Ungerechtigkeit aufzeigen? Alternativen, Argumente sammeln? Ist mein Herzblut zum Thema "Frauen in der Kirche" aufrichtig, setze ich damit Zeit und Energie für eine gute, wichtige Sache ein? Irgendwie komme ich für mich immer wieder auf ein Ja zu all diesen Fragen.
Aber da ist noch das Kämpfen. Kämpfen statt Frieden stiften. Argumente liefern, die Fronten genauso gut noch tiefer trennen, als vereinen können.
Ich bin immer noch am Nachdenken darüber. Heute gingen mir zwei Gedanken durch den Kopf: Auch Jesus war nicht ein Friedensstifter im harmonischen Sinne. Er besass einen starken Kampfgeist, in manchen Situationen Wut, die sich manchmal handfest äusserte, oft aber vor allem in scharfen Dialogen mit der damaligen gelehrten Elite, den Pharisäern.
Zweitens erinnerte ich mich an eine Bibelstelle aus dem Buch des Predigers.
"Alles hat seine bestimmte Stunde, und jedes Vorhaben unter dem Himmel hat seine Zeit: Geborenwerden hat seine Zeit, und Sterben hat seine Zeit; (...) Steine schleudern hat seine Zeit, und Steine sammeln hat seine Zeit; Umarmen hat seine Zeit, und sich der Umarmung enthalten hat auch seine Zeit; (...) Zerreißen hat seine Zeit, und Flicken hat seine Zeit; Schweigen hat seine Zeit, und Reden hat seine Zeit; Lieben hat seine Zeit, und Hassen hat seine Zeit; Krieg hat seine Zeit, und Frieden hat seine Zeit." (Prediger 3, 1-8, Quelle: www.bibleserver.com)
Ich will weder Krieg, noch Töten oder Hassen, was alles in dieser Bibelstelle vorkommt. Es wäre heikel, diese Stelle jetzt auseinanderzunehmen. Aber nur die Idee: Vielleicht ist für mich die Zeit jetzt da, gegen die Hindernisse anzuschreiben, die Frauen oft in den Weg gestellt werden, wenn sie ihre Berufung (Epheser 4,11) ausleben möchten. Warum dieses Feuer so in mir glüht, dazu habe ich eine vage Vermutung. Wohin das aber führt? Keine Ahnung. Ich hoffe aber, dass "Feminism - OMG!" zum Frieden beiträgt, zu Gerechtigkeit. Damit Frauen und Männer Schulter an Schulter genau das tun können, wovon Greg Boyd sprach, als er im Interview vom Auftrag von Jesus erzählt, anstatt sich gegenseitig ein Bein zu stellen.
Der eine ist Greg Boyd, amerikanischer Theologe. Ihn durfte ich dieses Jahr in einer Summer School live erleben und von ihm lernen. Und - natürlich - ein kurzes Interview mit ihm führen für Radio Life Channel. Als ich dieses heute wieder gehört und für einen Beitrag geschnitten habe, hat es mich berührt. Thema des Beitrags ist die tiefe Spaltung der Kirchen in den USA über Themen wie LGBT, Empfängnisverhütung, Sozialwesen, Frauenrechte, Aussenpolitik... Ich habe Greg gefragt, ob es wohl möglich sei, über diese Kluft noch eine Brücke zu bauen. Er sagte: "Ja, wenn wir uns statt auf Politik wieder auf die Dinge konzentrieren, welche Jesus uns aufgetragen hat: Menschen zu lieben, wie er sie liebte, und uns für sie aufzuopfern, wie er das getan hat."
Der zweite Theologe war Peter Henning, der bei ERF Medien letzte Woche einen Vortrag hielt. Auch hier ging es um eine Kirchenspaltung: Um die Reformation, die nun bald 500 Jahre her ist. Peter Henning zeigte uns in groben Zügen die Vorgänge auf, die zur Reformation führten und dazu, dass die Diskussionsvorschläge von Martin Luther einschlugen wie eine Bombe. Und: Er stellte einige Thesen auf, was die Reformation für uns als Medienunternehmen - abgesehen von Themen für Beiträge - bedeuten könnte. Einer der Punkte war, dass er uns riet, uns nicht an Schlammschlachten zu beteiligen. Konstruktive Beiträge dazu zu leisten, dass sich die Kirche eint, statt nur mit dem journalistischen Finger auf Missstände zu zeigen.
Frieden stiften, praktisch im Alltag helfen, das berührte mich. Ich dachte darüber nach, wie das bei mir aussieht - im täglichen Leben, wo es sicher für jede und jeden Herausforderungen gibt mit Menschen, die Hilfe nötig hätten. Aber auch mit diesem Blog. Ich hinterfrage mein Anliegen immer wieder selber. Was will ich mit "Feminism - OMG!"? Ungerechtigkeit aufzeigen? Alternativen, Argumente sammeln? Ist mein Herzblut zum Thema "Frauen in der Kirche" aufrichtig, setze ich damit Zeit und Energie für eine gute, wichtige Sache ein? Irgendwie komme ich für mich immer wieder auf ein Ja zu all diesen Fragen.
Aber da ist noch das Kämpfen. Kämpfen statt Frieden stiften. Argumente liefern, die Fronten genauso gut noch tiefer trennen, als vereinen können.
Ich bin immer noch am Nachdenken darüber. Heute gingen mir zwei Gedanken durch den Kopf: Auch Jesus war nicht ein Friedensstifter im harmonischen Sinne. Er besass einen starken Kampfgeist, in manchen Situationen Wut, die sich manchmal handfest äusserte, oft aber vor allem in scharfen Dialogen mit der damaligen gelehrten Elite, den Pharisäern.
Zweitens erinnerte ich mich an eine Bibelstelle aus dem Buch des Predigers.
"Alles hat seine bestimmte Stunde, und jedes Vorhaben unter dem Himmel hat seine Zeit: Geborenwerden hat seine Zeit, und Sterben hat seine Zeit; (...) Steine schleudern hat seine Zeit, und Steine sammeln hat seine Zeit; Umarmen hat seine Zeit, und sich der Umarmung enthalten hat auch seine Zeit; (...) Zerreißen hat seine Zeit, und Flicken hat seine Zeit; Schweigen hat seine Zeit, und Reden hat seine Zeit; Lieben hat seine Zeit, und Hassen hat seine Zeit; Krieg hat seine Zeit, und Frieden hat seine Zeit." (Prediger 3, 1-8, Quelle: www.bibleserver.com)
Ich will weder Krieg, noch Töten oder Hassen, was alles in dieser Bibelstelle vorkommt. Es wäre heikel, diese Stelle jetzt auseinanderzunehmen. Aber nur die Idee: Vielleicht ist für mich die Zeit jetzt da, gegen die Hindernisse anzuschreiben, die Frauen oft in den Weg gestellt werden, wenn sie ihre Berufung (Epheser 4,11) ausleben möchten. Warum dieses Feuer so in mir glüht, dazu habe ich eine vage Vermutung. Wohin das aber führt? Keine Ahnung. Ich hoffe aber, dass "Feminism - OMG!" zum Frieden beiträgt, zu Gerechtigkeit. Damit Frauen und Männer Schulter an Schulter genau das tun können, wovon Greg Boyd sprach, als er im Interview vom Auftrag von Jesus erzählt, anstatt sich gegenseitig ein Bein zu stellen.
Sonntag, 9. November 2014
Ich will raus aus der Schublade!
Schönes
Wochenende gehabt? Danke, ja, ich auch! Obwohl: Ich bin wieder mal in einer
Schublade gelandet. Ja, passiert mir hin und wieder. Diesmal war es ausgerechnet
eine von denen, die mir am unbequemsten sind: die Schublade „evangelikal“.
Wieder einmal ist ein langer Artikel in einer Sonntagszeitung erschienen, der
„die Freikirchen“ in ein schlechtes Licht und in die Nähe von Sekten rückt.
Grösster Kritikpunkt: konservative Werthaltungen. Zwar besagt die zitierte
Studie des Religionssoziologen Jörg Stolz bereits, dass es drei grobe
Richtungen innerhalb der Freikirchen gibt (charismatisch, klassisch,
konservativ). In die Schublade „evangelikal“ werden dann doch alle geworfen.
Also, weil Freikirchenbesuche zu meinem Glauben gehören, auch ich.
Ich mag die
Schublade nicht, weil sie für mich zu klein ist. Die Definition von
„evangelikal“ lautet „am Evangelium orientiert“, also kurz gesagt, „bibeltreu“.
Dass laut der Freikirchen-Studie nur die Hälfte der Mitglieder für eine
wortwörtliche Auslegung der Bibel plädieren, zeigt bereits, dass dieser Begriff
nicht pauschal verwendet werden dürfte.
Denn es
gibt sie, die Liberalen in den Freikirchen. Und obwohl die konservativ
Denkenden überwiegen, wird die Situation verzerrt, indem Medien genau
diejenigen Probleme zitieren, welche auch innerhalb der Kirchenmauern heiss
diskutiert werden. Kreationismus, ausserehelicher Sex und Homosexualität sind
die drei Diskussionen, auf welche man als Besucherin einer Freikirche am
meisten angesprochen wird – aber auch genau die Dinge, in welchen sich Gläubige
untereinander am wenigsten einig sind. Innerhalb der Freikirchen findet vielerorts
ein Diskurs statt über Punkte, in denen die traditionelle Auslegung der Bibel
mit der heutigen Lebenswelt am stärksten auseinanderklafft. In evangelikalen
Verbänden wird gerungen, wie das Wesen des christlichen Glaubens heute
interpretiert werden soll, ohne es zu verleugnen.
Ich wünsche
mir, dass diese Diskussion transparenter geführt wird. Dass kirchliche
Leitungspersonen zugeben können, dass sie oft überfordert sind mit ihrer
Aufgabe, das Christentum in der heutigen Zeit zu vertreten. Einer Zeit, wo manche
der jahrtausende alten Worte der Bibel irritieren – und zwar nicht positiv. Dass
Freikirchen es wagen würden, traditionelle Interpretationen zumindest zur
Diskussion zu stellen, wäre dringend nötig. Denn wenn sie gegen aussen mit
fixen Wertehaltungen auftreten, obwohl hinter den Kulissen die Diskussion
brodelt, schadet dies nicht nur dem Image. Es verärgert auch diejenigen in den
eigenen Reihen, die an der Diskrepanz zwischen Dogma und Lebenswelt verzweifeln.
Oder die mit guten Argumenten eine andere Meinung als die Kirche haben, aber in
der Öffentlichkeit nicht gehört werden.
Gäbe es
mehr Transparenz, würden die Besucherinnen und Besucher der Freikirchen
vielleicht weniger oft pauschal als konservativ, weltfremd und intolerant
abgestempelt. (Oder, dies ist mir persönlich manchmal nicht klar, als leichte
Beute, die man vor den bösen Predigern beschützen müsste...) „Freikirchlerinnen“
und „Freikirchler“ sind ganz normale Menschen. Die meisten durchaus intelligent
genug, für sich selber zu denken und ihre Meinung aus verschiedenen Quellen und
Inspirationen zu bilden. Ich wünschte mir, dass die Öffentlichkeit das mehr anerkennt - aber auch die Leitungsgremien der Freikirchen, damit Diskurse
geöffnet werden.
(Im angelsächsischen Raum
ist dies bereits geschehen: Shane Claybourne und Brian McLaren plädieren für grundlegend
andere Kirchenformen – beide auf unterschiedliche Weise. Die Sängerin Vicky
Beeching hat extra einen Master in Theologie gemacht, um festzustellen, dass
sich Homosexualität und Glaube nicht ausschliessen. Und der Pastor Rob Bell spaltet
mit seinen kontroversen Ansichten zu verschiedenen Themen die amerikanischen
Kirchen. So werden andere Ansichten als die traditionellen Überlieferungen
zumindest zur Diskussion gestellt. Für Menschen, die im Glauben einfache Antworten suchen, macht es dies nicht einfacher. Aber selber denken rules!)
Sonntag, 2. November 2014
Tania Harris: Leben in Kommunikation mit Gott
Heute habe
ich eines meiner Vorbilder getroffen: die Australierin Tania Harris.
| Quelle: godconversations.com |
Tania
spürte Anfang 20 den grossen Wunsch, Gottes Stimme deutlich zu hören und
herauszufinden, wie er zu Menschen redet. Auf ihrer persönlichen Reise hat sie
dazu so viele Erfahrungen gemacht und so viel gelernt, dass sie vor einigen
Jahren die Arbeit „God Conversations“ gründete. Ihr Ziel ist es, Menschen zu
sagen, dass Gott heute noch spricht, und ihnen zu helfen, Gottes Stimme zu
hören und zu verstehen.
In ihrem
Podcast habe ich in den letzten zwei Jahren viel gelernt. Da ich oft und
lebhaft träume und mich oft auch gut an meine Träume erinnere, hat mich auch
ihr Hörbuch „Awaken your dreams“ sehr angesprochen. Manchmal gibt es Träume,
die anders sind, bei denen man merkt, dass darin etwas Hilfreiches für das
eigene Leben verborgen liegt. Tania hat eine Art „Werkzeug“ entwickelt, mit
denen man solche Träume ohne jeden Hokuspokus interpretieren kann. Im Moment
geht sie in ihrem Podcast auf das letzte Buch der Bibel ein: die Offenbarung.
Und da Johannes diese Vision als eine Art Traum hatte, geht sie die Offenbarung
mit genau dem gleichen „Werkzeug“ an wie in „Awaken your dreams“. Eine
theologische Vorgehensweise, die mich sehr fasziniert und in ihrer
Unerschrockenheit angesichts dieses mysteriösen und umstrittenen Buches
überzeugt.
Tania hat
in ihrem Leben gelernt, auf Gott zu hören und im Vertrauen Schritte zu gehen,
die zuerst absurd erscheinen. Aufgewachsen ist sie in einer sehr konservativen
christlichen Gemeinschaft und war schockiert, als etwas später ihre neue
Gemeinde eine Frau als Pastorin anstellte. Damit wurde sie auf ihre eigene
Berufung als Pastorin vorbereitet. Heute ist neben den „God Conversations“ auch
die Ermutigung von Frauen in leitenden Positionen bzw. auf dem Weg dorthin ein
wichtiges Thema für sie. Tanias Geschichte, die sie in einer Folge ihres Podcasts erzählt hat, war für mich einer der Anstösse, „Feminism OMG“ zu
starten.
Mit ihrem Mut, ihrer Autorität, Intelligenz, ihrer Femininität und positiven Ausstrahlung ist sie für mich ein grosses Vorbild. Ein Vorbild, die eigene Berufung herauszufinden und ihr entlang der persönlichen Freundschaft mit Gott nachzugehen. Es war schön, Tania Harris heute im Rahmen einer Predigt in der GVC Uster persönlich zu treffen und mit ihr auszutauschen!
Mittwoch, 29. Oktober 2014
Neues Online-Magazin "Propel"
Die australische Pastorin, Aktivistin ("A-21"-Kampagne gegen Frauenhandel) und international gefragte Rednerin Christine Caine hat ein neues Eisen im Feuer: Das Online-Magazin "Propel - Women Who Lead".
"Propel" ist ein englischsprachiges Online-Magazin, das sich an Frauen in Leitungspositionen richtet - an Powerfrauen wie Christine Caine selber. Titel passt: "to propel" heisst antreiben, motivieren. Das Magazin startet offiziell 2015, aber die Null-Ausgabe steht jetzt schon zum Download zur Verfügung.
Für mich ist es eine tolle Mischung aus "Quitting is not an option" und "listen to God and to your heart" - die Haltung, die ich von Christine auch aus ihren Podcasts kenne. So viel authentischer und praktischer als die Philosophien der "Wohlstandsevangelisten", bei denen der Erfolg automatisch kommen soll, wenn man mit Gott lebt. Wozu auch harte Arbeit, Know-How, aber auch: Spass an der Arbeit? Sie verkörpert für mich eine Frau, die eine Berufung hat, diese kennt, und sich mit ihrer ganzen Leidenschaft dafür einsetzt. Das kommt auch im Magazin vor: Die Kernbegriffe "Passion", "Purpose" und "Potential" werden angetippt, aus der Sicht christlicher Unternehmerinnen und Kaderfrauen und mit biblischer Komponente.
Ich lese Magazine zwar immer lieber offline als am Bildschirm und bin nicht begeistert vom Format über ISSUU. Abgesehen davon ist "Propel" aber interessant: ein attraktiv aufgemachtes Magazin mit eher kurzen Artikeln, Erfahrungsberichten von Unternehmerinnen anstatt zu vielen konkreten "So wird's gemacht!"-Tipps. Dann gibt's Kurzinterviews zum Thema Leiterschaft. Dazu ein Artikel mit statistischen Fakten zu den verschiedenen Lebensbereichen von Frauen (Studie für das Buch "Wonder Women", hab ich aber noch nicht gelesen).
Besonders angesprochen hat mich "Three Things I Would Tell My 20-Year-Old Self" von Carolyn Haggard. Zwar bin ich nicht mehr 20, aber da meine Karriereplanung natürlich noch nicht abgeschlossen ist, war der Artikel interessant. Vor allem zwei Punkte:
1. Es gibt einen grossen Unterschied dazwischen, einen Titel zu besitzen, und Einfluss zu haben. Eigne dir lieber gezielt nützliche Kompetenzen an, anstatt den Fokus auf einen bestimmten Titel zu legen. Ich persönlich denke, beides schliesst sich nicht aus, aber es schadet nicht, sich die Chancen von Weiterbildungen und der Aneignung von Kompetenzen bewusst zu machen, die zu der angestrebten Position führen sollen.
2. Unterschied zwischen einem Lebenslauf (resume) und einem guten Ruf (reputation). Carolyn Haggard unterstreicht die Wichtigkeit, täglich professionell, engagiert, respektvoll zu arbeiten - zusammengefasst: die Wichtigkeit einer guten Arbeitsmoral. Für mich liegt der Wert da einerseits in der Authentizität und Vorbildfunktion einer Führungsperson. Andererseits glaube ich aber auch stark an Disziplin und Professionalität - auch als Teammitglied, um die anderen nicht hängen zu lassen.
Beide Punkte gelten nicht spezifisch für Frauen. Wie auch viele der anderen Artikel in "Propel" nicht. Aber die Denkmuster von Frauen, eine gewisse Emotionalität, werden in dem Magazin auf konstruktive Weise aufgenommen, um Chancen und Strategien aufzuzeigen.
Ähnlich übrigens wie das Magazin "Ladies Drive" (Unterschied: dieses ist säkular, und auch offline erhältlich).
"Propel" ist ein englischsprachiges Online-Magazin, das sich an Frauen in Leitungspositionen richtet - an Powerfrauen wie Christine Caine selber. Titel passt: "to propel" heisst antreiben, motivieren. Das Magazin startet offiziell 2015, aber die Null-Ausgabe steht jetzt schon zum Download zur Verfügung.
Für mich ist es eine tolle Mischung aus "Quitting is not an option" und "listen to God and to your heart" - die Haltung, die ich von Christine auch aus ihren Podcasts kenne. So viel authentischer und praktischer als die Philosophien der "Wohlstandsevangelisten", bei denen der Erfolg automatisch kommen soll, wenn man mit Gott lebt. Wozu auch harte Arbeit, Know-How, aber auch: Spass an der Arbeit? Sie verkörpert für mich eine Frau, die eine Berufung hat, diese kennt, und sich mit ihrer ganzen Leidenschaft dafür einsetzt. Das kommt auch im Magazin vor: Die Kernbegriffe "Passion", "Purpose" und "Potential" werden angetippt, aus der Sicht christlicher Unternehmerinnen und Kaderfrauen und mit biblischer Komponente.
Ich lese Magazine zwar immer lieber offline als am Bildschirm und bin nicht begeistert vom Format über ISSUU. Abgesehen davon ist "Propel" aber interessant: ein attraktiv aufgemachtes Magazin mit eher kurzen Artikeln, Erfahrungsberichten von Unternehmerinnen anstatt zu vielen konkreten "So wird's gemacht!"-Tipps. Dann gibt's Kurzinterviews zum Thema Leiterschaft. Dazu ein Artikel mit statistischen Fakten zu den verschiedenen Lebensbereichen von Frauen (Studie für das Buch "Wonder Women", hab ich aber noch nicht gelesen).
Besonders angesprochen hat mich "Three Things I Would Tell My 20-Year-Old Self" von Carolyn Haggard. Zwar bin ich nicht mehr 20, aber da meine Karriereplanung natürlich noch nicht abgeschlossen ist, war der Artikel interessant. Vor allem zwei Punkte:
1. Es gibt einen grossen Unterschied dazwischen, einen Titel zu besitzen, und Einfluss zu haben. Eigne dir lieber gezielt nützliche Kompetenzen an, anstatt den Fokus auf einen bestimmten Titel zu legen. Ich persönlich denke, beides schliesst sich nicht aus, aber es schadet nicht, sich die Chancen von Weiterbildungen und der Aneignung von Kompetenzen bewusst zu machen, die zu der angestrebten Position führen sollen.
2. Unterschied zwischen einem Lebenslauf (resume) und einem guten Ruf (reputation). Carolyn Haggard unterstreicht die Wichtigkeit, täglich professionell, engagiert, respektvoll zu arbeiten - zusammengefasst: die Wichtigkeit einer guten Arbeitsmoral. Für mich liegt der Wert da einerseits in der Authentizität und Vorbildfunktion einer Führungsperson. Andererseits glaube ich aber auch stark an Disziplin und Professionalität - auch als Teammitglied, um die anderen nicht hängen zu lassen.
Beide Punkte gelten nicht spezifisch für Frauen. Wie auch viele der anderen Artikel in "Propel" nicht. Aber die Denkmuster von Frauen, eine gewisse Emotionalität, werden in dem Magazin auf konstruktive Weise aufgenommen, um Chancen und Strategien aufzuzeigen.
Ähnlich übrigens wie das Magazin "Ladies Drive" (Unterschied: dieses ist säkular, und auch offline erhältlich).
Dienstag, 9. September 2014
Die Kirche hat ein Männerproblem
"Die Kirche ist verweiblicht" - diese These höre ich immer wieder mal. Weil Spiritualität, Gesang, Bibellesen, in-sich-gehen und überhaupt an etwas glauben, das man nicht direkt sieht, Frauen leichter fällt als Männern. Und: Weil Kirche, so wie sie ist, für Männer nicht attraktiv ist.
Reflexartig denke ich bei der These der verweiblichten Kirche: "Wer hat denn das Sagen?!" Männer prägen die Kirche viel stärker als Frauen. Doch es ist verzwickter.
David Murrow hat darüber ein Buch geschrieben: "Why Men Hate Going to Church". Das Buch selber habe ich noch nicht gelesen, aber einen längeren Artikel von Murrow auf CBN.
"When men need spiritual sustenance, they go to the wilderness, the workplace, the garage, or the corner bar. They watch their heroes in the stadium or on the racetrack. They plunge into a novel or sneak off to a movie. Church is one of the last places men look for God." David Murrow
Die Kirche hat nicht nur ein Frauenproblem, sie hat auch ein Männerproblem. Schön, dass es Events gibt wie die ICF Men's World letztes Wochenende, die Männer (wahrscheinlich, ich war ja nicht dort) auf männliche Art und Weise ansprechen. Leider fiel aber die Berichterstattung unglücklich aus: "Die Hoffnung der Kirche sind die Männer", so der Titel des Artikels auf livenet.ch. "Na, dann können wir Frauen ja die Kirche sein lassen...", der Kommentar meiner Mitarbeiterin.
Auch wenn der Redner dies wohl wortwörtlich so gesagt hat - so simpel ist auch das sicher nicht. Im Artikel wird angetönt, was er gemeint hat: Männer haben viel mehr Einfluss darauf, ob ihre Familien zur Kirche gehen oder nicht. Wenn eine verheiratete Frau frisch damit beginnt, sich in einer Kirche zu engagieren, ist die Wahrscheinlichkeit verschwindend klein, dass ihr Mann plötzlich mitkommt. Umgekehrt ist die Wahrscheinlichkeit hingegen relativ gross. Logisch, dass Kirchen also mehr daran liegen sollte, Männer besser zu erreichen.
Interessanterweise sagt David Murrow, dass die Frauen dort wieder eine zentrale Rolle spielen:
"I truly believe women must play a key role if men are to return. Because women dominate in attendance, leadership, and volunteerism, they hold great sway in the local church (even if they don’t realize it)."
Und dann kommt der Haken:
"Women must humble themselves, pray, and allow the men of the church to lead the body toward an adventure. (...) Women, will you allow yourselves to be swept into this adventure, or will you stick with the safe, predictable, tried, and true? Will you allow men to take risks, dream big, and push the envelope within your local church? God made men for adventure, achievement, and challenge, and if they can’t find those things in church, they’re going to find them somewhere else. But if you allow your church to embark on a great adventure, the men will return. Slowly but surely, they will return."
Männer, die selbstbewusst, stark, liebevoll, schräg, echt, auf ihre Art und Weise Kirche mitgestalten? Ja, gerne! Aber nicht auf Kosten der Chancengleichheit.
Tyler Vinyard an der ICF Men's World stiess ins gleiche Horn wie Murrow:
"Tyler Vinyard sprach von 'Godly leaders', also göttlichen Leitern, die in der Familie, in der Kirche und in der Geschäftswelt den Unterschied machen könnten. Unter einem 'Godly leader' versteht er:
Meiner Meinung nach bräuchte eine lebendige, attraktive Kirche weder Frauen, die sich bescheiden zurückziehen, um den Männern und ihren Abenteuern Platz zu machen; noch Frauen, die Männer aus dem Weg ellbögeln, um sich trotzig ihren Raum zu schaffen. Gegenseitiger Respekt, gleiche Rechte, die eigene Berufung auszuleben - ungeachtet des Geschlechts. Frauen, die Männer Männer sein lassen und ihre Andersartigkeit annehmen, und Männer, welche sich durch weise Theologinnen und selbstbewusste Pastorinnen nicht bedroht fühlen.
Reflexartig denke ich bei der These der verweiblichten Kirche: "Wer hat denn das Sagen?!" Männer prägen die Kirche viel stärker als Frauen. Doch es ist verzwickter.
David Murrow hat darüber ein Buch geschrieben: "Why Men Hate Going to Church". Das Buch selber habe ich noch nicht gelesen, aber einen längeren Artikel von Murrow auf CBN.
"When men need spiritual sustenance, they go to the wilderness, the workplace, the garage, or the corner bar. They watch their heroes in the stadium or on the racetrack. They plunge into a novel or sneak off to a movie. Church is one of the last places men look for God." David Murrow
Die Kirche hat nicht nur ein Frauenproblem, sie hat auch ein Männerproblem. Schön, dass es Events gibt wie die ICF Men's World letztes Wochenende, die Männer (wahrscheinlich, ich war ja nicht dort) auf männliche Art und Weise ansprechen. Leider fiel aber die Berichterstattung unglücklich aus: "Die Hoffnung der Kirche sind die Männer", so der Titel des Artikels auf livenet.ch. "Na, dann können wir Frauen ja die Kirche sein lassen...", der Kommentar meiner Mitarbeiterin.
Auch wenn der Redner dies wohl wortwörtlich so gesagt hat - so simpel ist auch das sicher nicht. Im Artikel wird angetönt, was er gemeint hat: Männer haben viel mehr Einfluss darauf, ob ihre Familien zur Kirche gehen oder nicht. Wenn eine verheiratete Frau frisch damit beginnt, sich in einer Kirche zu engagieren, ist die Wahrscheinlichkeit verschwindend klein, dass ihr Mann plötzlich mitkommt. Umgekehrt ist die Wahrscheinlichkeit hingegen relativ gross. Logisch, dass Kirchen also mehr daran liegen sollte, Männer besser zu erreichen.
Interessanterweise sagt David Murrow, dass die Frauen dort wieder eine zentrale Rolle spielen:
"I truly believe women must play a key role if men are to return. Because women dominate in attendance, leadership, and volunteerism, they hold great sway in the local church (even if they don’t realize it)."
Und dann kommt der Haken:
"Women must humble themselves, pray, and allow the men of the church to lead the body toward an adventure. (...) Women, will you allow yourselves to be swept into this adventure, or will you stick with the safe, predictable, tried, and true? Will you allow men to take risks, dream big, and push the envelope within your local church? God made men for adventure, achievement, and challenge, and if they can’t find those things in church, they’re going to find them somewhere else. But if you allow your church to embark on a great adventure, the men will return. Slowly but surely, they will return."
Männer, die selbstbewusst, stark, liebevoll, schräg, echt, auf ihre Art und Weise Kirche mitgestalten? Ja, gerne! Aber nicht auf Kosten der Chancengleichheit.
Tyler Vinyard an der ICF Men's World stiess ins gleiche Horn wie Murrow:
"Tyler Vinyard sprach von 'Godly leaders', also göttlichen Leitern, die in der Familie, in der Kirche und in der Geschäftswelt den Unterschied machen könnten. Unter einem 'Godly leader' versteht er:
- Leiter, die von göttlichen Prinzipien und Werten geleitet werden.
- Leiter, die zu ihrer eigenen Verletzlichkeit stehen und dadurch glaubwürdig sind.
- Leiter, die im Vertrauen auf den Herrn ruhen können und Gott erlauben, für sie und mit ihnen zu kämpfen.
- Leiter, die erkennen, dass das Gute in ihrem Leben von oben kommt." (Quelle: livenet.ch)
Meiner Meinung nach bräuchte eine lebendige, attraktive Kirche weder Frauen, die sich bescheiden zurückziehen, um den Männern und ihren Abenteuern Platz zu machen; noch Frauen, die Männer aus dem Weg ellbögeln, um sich trotzig ihren Raum zu schaffen. Gegenseitiger Respekt, gleiche Rechte, die eigene Berufung auszuleben - ungeachtet des Geschlechts. Frauen, die Männer Männer sein lassen und ihre Andersartigkeit annehmen, und Männer, welche sich durch weise Theologinnen und selbstbewusste Pastorinnen nicht bedroht fühlen.
| Ja, gerne! www.beardedgospelmen.net |
Mittwoch, 20. August 2014
Gottes weibliche Seiten
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| Bild via http://inspire-magazine-online.blogspot.ch |
Ich glaube, Gott steht über Kategorien wie "schwarz" und "weiss", "Frau" und "Mann". Zwar nennt ihn Jesus "Vater", und wenn ich so darüber nachdenke, tue auch ich das beim Beten. Im hebräischen Urtext der Bibel wird Gott grammatikalisch als männlich definiert (Infos habe ich mangels eigener Hebräischkenntnisse von hier).
So, wie aber jede/r von uns sogenannt "weibliche" als auch "männliche" Charakterzüge in sich vereint, denke ich, dass Gott nicht nur Eigenschaften besitzt, die traditionell als "männlich" gelten. Beispiel: "Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet." (Jesaja 66,13). Der starke Gott fühlt mit seinen Menschen und tröstet sie zärtlich - was für eine schöne Vorstellung.
Andere weiblich konnotierte Eigenschaften, von denen ich überzeugt bin, dass Gott sie besitzt: Er freut sich an schönen Dingen in der Natur. Er kommuniziert seine Gefühle und Gedanken - in der Bibel manchmal ziemlich wortreich. (Beides kommt in den beiden Reden Gottes am Ende des Buches Hiob zum Ausdruck.) Er ist gerne Gastgeber und lädt Leute zu sich nach Hause, in den Himmel, ein.
Dazu der Kurzfilm "She" von NOOMA, den ich mir gestern im Gratis-Rental geschnappt habe. Die Aktion ist leider vorbei - anzuschauen gibt's den Film aber für knapp einen US-Dollar auf www.flannel.org.
Donnerstag, 7. August 2014
Vom "Berg" herab
Aus aktuellem Anlass - ich bin dieser Tage am Theologischen Seminar St. Chrischona - ein Radiobeitrag von vor einem Jahr. Je nach Ausbildungsort sind bis die Hälfte der Theologiestudierenden Frauen. Es interessierte mich, wo all diese Frauen nach dem Studium landen - auf den Kanzeln der Schweizer (Frei-)Kirchen nämlich kaum.
Beitrag: "Die Hürde vom Studium in den Beruf ist für Frauen immer noch hoch" (Radio Life Channel, 17. September 2013)
In St. Chrischona bin ich an einer summer school mit dem amerikanischen Theologen Greg Boyd. Er hat vor kurzem zusammen mit einer jungen Pastorin zu 1. Timotheus 2, 11-15 gepredigt - in einer Serie mit dem Titel "Twisted Scripture", "verdrehte Bibel". Hier zum Ansehen.
Beitrag: "Die Hürde vom Studium in den Beruf ist für Frauen immer noch hoch" (Radio Life Channel, 17. September 2013)
In St. Chrischona bin ich an einer summer school mit dem amerikanischen Theologen Greg Boyd. Er hat vor kurzem zusammen mit einer jungen Pastorin zu 1. Timotheus 2, 11-15 gepredigt - in einer Serie mit dem Titel "Twisted Scripture", "verdrehte Bibel". Hier zum Ansehen.
Donnerstag, 31. Juli 2014
"Lean In" (1)
Momentan höre ich mir als Audiobook "Lean In. Women, Work and the Will to Lead" von Sheryl Sandberg an. Darin fordert die Facebook-Managerin Frauen auf, in der Geschäftswelt für gleiche Rechte wie ihre Kollegen zu kämpfen. Sie erzählt aus ihrer eigenen Karriere und gibt Tipps für Frauen, die beruflich Erfolg haben wollen.
Meine These ist, dass die Situation für Frauen in freikirchlichen Leitungsgremien ähnlich schwierig ist wie in den obersten Etagen der Konzerne.
Fakt ist: Frauen sind massiv in der Unterzahl. Die Gründe dafür sind verschieden. Einerseits streben Frauen – genau wie in der Geschäftswelt – weniger häufig Leitungspositionen an. Sie werden aber auch viel weniger in eine entsprechende Richtung gefördert. Teilweise liegt das Problem auch bei Vorstandsgremien und Kirchgemeinden, die Frauen bei der Besetzung von leitenden Funktionen nicht berücksichtigen. Weil es relativ wenig berufstätige Frauen im freikirchlichen Berufsumfeld gibt, fehlen auch Netzwerke, um sich gegenseitig zu unterstützen. (Existierende Netzwerke siehe Links)
In den ersten Kapiteln von "Lean In" schreibt Sheryl Sandberg über den "Leadership ambition gap": Männer suchen aktiv Leitungspositionen, Frauen warten darauf, dass sie ihnen angeboten werden.
Wenn ein Job als "verantwortungsvoll" und "herausfordernd" beschrieben wird, bewerben sich Frauen weniger: Wir zweifeln viel eher an unseren Fähigkeiten. Wir bewerben uns nur für eine Stelle, wenn wir alle Punkte des Anforderungsprofils erfüllen, während Männer sich auch bewerben, wenn ihnen theoretisch einige Voraussetzungen fehlen (siehe aktuelle Studie hier und etwas ältere Umfrage hier). Und wenn Frauen einen Karriereschritt tun, beschleicht viele unweigerlich das Gefühl, dass jemand merken könnte, dass es eine Schuhgrösse zu gross ist für sie. ("Feeling like a fraud", schreibt Sheryl Sandberg, "Sich als Betrügerin fühlen".) Männer gehen sorgloser an eine neue Stelle heran, weil sie wissen, dass sie darin hereinwachsen werden.
Sheryl Sandberg erzählt, wie sie in den verschiedenen Stellen, die sie bisher innehatte, immer dazugelernt hat, auch wenn sie die Anforderungen objektiv gesehen bei Stellenantritt noch nicht erfüllte. Die Jobs hatte sie trotzdem bekommen, weil sie bei ihrer Bewerbung mit anderen Fähigkeiten überzeugte. Und vor allem mit der Haltung: "Das kann (und will) ich lernen" - offenbar die Haltung, die Männer viel selbstverständlicher innehaben als Frauen.
Ein Schlüsselsatz aus "Lean In": Möglichkeiten werden einem selten angeboten - man muss sie ergreifen. Ich denke, ganz allgemein stimmt dies für vieles im Leben. Man kommt nirgendwo hin, wenn man vorsichtig in einer Warteposition verharrt.
Andererseits glaube ich auch, dass Gott einem manchmal Türen öffnet. Ich habe dies ganz oft erlebt. Zum Beispiel bei meiner jetzigen Stelle: Über ein christliches Netzwerk flog mein Kurz-CV meinem Chef genau zu dem Zeitpunkt in die Inbox, als er eine Redaktionsstelle ausschreiben wollte. Er rief mich an und ich mailte ihm meine Bewerbungsunterlagen, bevor ich am nächsten Tag für knapp zwei Monate nach Südostasien flog. Später sprachen wir noch einmal über Skype, beide Seiten hatten den Eindruck, dass es passte, und als ich wieder zurück in der Schweiz war, besuchte ich zum ersten Mal mein zukünftiges Büro und unterschrieb den Arbeitsvertrag.
Ein Jahr später schaue ich zurück mit der Gewissheit, dass ich genau an dem Ort bin, an den ich im Moment hingehöre. Die Arbeit macht mir Spass, und ich bin darin hineingewachsen. Ich arbeite als Radiojournalistin, obwohl ich die unterschiedlichen Arbeitsweisen im Vergleich zum Print-Journalismus erst lernen musste. Das Themenfeld "Kirche und Gesellschaft" ist ein ganz anderes als was ich studiert hatte, "Kunst und Kultur". Auch von der ganzen Technik hatte ich natürlich keine Ahnung - aber ich wusste, dass ich eine gute Auffassungsgabe habe und traute mir zu, all das Neue zu lernen.
Gott öffnet Türen - durchgehen muss man aber selber! Und ich glaube, wir Frauen dürfen uns da oft mehr zutrauen.
Wenn ein Job als "verantwortungsvoll" und "herausfordernd" beschrieben wird, bewerben sich Frauen weniger: Wir zweifeln viel eher an unseren Fähigkeiten. Wir bewerben uns nur für eine Stelle, wenn wir alle Punkte des Anforderungsprofils erfüllen, während Männer sich auch bewerben, wenn ihnen theoretisch einige Voraussetzungen fehlen (siehe aktuelle Studie hier und etwas ältere Umfrage hier). Und wenn Frauen einen Karriereschritt tun, beschleicht viele unweigerlich das Gefühl, dass jemand merken könnte, dass es eine Schuhgrösse zu gross ist für sie. ("Feeling like a fraud", schreibt Sheryl Sandberg, "Sich als Betrügerin fühlen".) Männer gehen sorgloser an eine neue Stelle heran, weil sie wissen, dass sie darin hereinwachsen werden.
Sheryl Sandberg erzählt, wie sie in den verschiedenen Stellen, die sie bisher innehatte, immer dazugelernt hat, auch wenn sie die Anforderungen objektiv gesehen bei Stellenantritt noch nicht erfüllte. Die Jobs hatte sie trotzdem bekommen, weil sie bei ihrer Bewerbung mit anderen Fähigkeiten überzeugte. Und vor allem mit der Haltung: "Das kann (und will) ich lernen" - offenbar die Haltung, die Männer viel selbstverständlicher innehaben als Frauen.
Ein Schlüsselsatz aus "Lean In": Möglichkeiten werden einem selten angeboten - man muss sie ergreifen. Ich denke, ganz allgemein stimmt dies für vieles im Leben. Man kommt nirgendwo hin, wenn man vorsichtig in einer Warteposition verharrt.
Andererseits glaube ich auch, dass Gott einem manchmal Türen öffnet. Ich habe dies ganz oft erlebt. Zum Beispiel bei meiner jetzigen Stelle: Über ein christliches Netzwerk flog mein Kurz-CV meinem Chef genau zu dem Zeitpunkt in die Inbox, als er eine Redaktionsstelle ausschreiben wollte. Er rief mich an und ich mailte ihm meine Bewerbungsunterlagen, bevor ich am nächsten Tag für knapp zwei Monate nach Südostasien flog. Später sprachen wir noch einmal über Skype, beide Seiten hatten den Eindruck, dass es passte, und als ich wieder zurück in der Schweiz war, besuchte ich zum ersten Mal mein zukünftiges Büro und unterschrieb den Arbeitsvertrag.
Ein Jahr später schaue ich zurück mit der Gewissheit, dass ich genau an dem Ort bin, an den ich im Moment hingehöre. Die Arbeit macht mir Spass, und ich bin darin hineingewachsen. Ich arbeite als Radiojournalistin, obwohl ich die unterschiedlichen Arbeitsweisen im Vergleich zum Print-Journalismus erst lernen musste. Das Themenfeld "Kirche und Gesellschaft" ist ein ganz anderes als was ich studiert hatte, "Kunst und Kultur". Auch von der ganzen Technik hatte ich natürlich keine Ahnung - aber ich wusste, dass ich eine gute Auffassungsgabe habe und traute mir zu, all das Neue zu lernen.
Gott öffnet Türen - durchgehen muss man aber selber! Und ich glaube, wir Frauen dürfen uns da oft mehr zutrauen.
Montag, 28. Juli 2014
"Kompetenzen haben kein Geschlecht"
| Quelle: http://www.antonianumroma.org/ |
Die Franziskanerin Mary Melone, erste Rektorin an einer Päpstlichen Universität, im Interview mit Radio Vatikan (26. Juli) auf den Hinweis, dass Papst Franziskus kürzlich bekannt habe, dass er leide, wenn er in der Kirche sehe, dass der Dienst der Frau "in Richtung einer Rolle der Fronarbeit" abgleite. Quelle: Katholische Presseagentur Kipa
Weitere interessante Statements zur Rolle der Frau in der katholischen Kirche im ausführlicheren Artikel bei Radio Vatikan.
Freitag, 18. Juli 2014
Bischöfinnen in der Church of England
In der anglikanischen Kirche ist historisch bedingt einiges etwas lockerer geregelt als in der katholischen Kirche, von der sie sich 1529 abspaltete. So gibt es als Priester Männer und Frauen. Ein weiterer Unterschied zur katholischen Kirche: Sie dürfen erst noch verheiratet sein. Bisher gab es aber im europäischen Raum (bei der Mutterkirche, der "Church of England") für Frauen eine Grenze, die sie nicht überschreiten konnten: Bischöfe durften nur Männer werden. Diese Woche wurde dies nun geändert, und wahrscheinlich wird Anfang 2014 die erste Bischöfin der Church of England gewählt.
Darüber habe ich einen Kurzbeitrag gemacht. Bei einem der Interviews während der Recherche erzählte mir meine Gesprächspartnerin ein spannendes Detail aus ihrer Biografie. Ihre Familie besuchte die anglikanische Kirche, doch als junge Frau wechselte sie zu einer evangelikalen Freikirche. Als sie die Berufung zur Pastorin verspürte, durfte sie dieser in ihrer Kirche nicht nachgehen: Frauen durften dort keine leitenden Positionen einnehmen. Deshalb verliess sie diese Freikirche wieder - und wechselte zurück in die anglikanische Kirche.
--> Kurzbeitrag auf Radio Life Channel:
"Die anglikanische Kirche lässt neu Bischöfinnen zu"
Darüber habe ich einen Kurzbeitrag gemacht. Bei einem der Interviews während der Recherche erzählte mir meine Gesprächspartnerin ein spannendes Detail aus ihrer Biografie. Ihre Familie besuchte die anglikanische Kirche, doch als junge Frau wechselte sie zu einer evangelikalen Freikirche. Als sie die Berufung zur Pastorin verspürte, durfte sie dieser in ihrer Kirche nicht nachgehen: Frauen durften dort keine leitenden Positionen einnehmen. Deshalb verliess sie diese Freikirche wieder - und wechselte zurück in die anglikanische Kirche.
--> Kurzbeitrag auf Radio Life Channel:
"Die anglikanische Kirche lässt neu Bischöfinnen zu"
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