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Montag, 13. Juni 2016

"What would you do if you weren't afraid?"

Und natürlich dann immer die Frage: "Wie wirst du dir das Studium denn finanzieren?" Well - ja, gute Frage. So viel verdient man als Journalistin ja auch nicht, als dass ich mir jetzt ein lockeres Studentenleben machen könnte. Mit meinem Ersparten komme ich wohl zwei, drei Semester über die Runden. Um ehrlich zu sein, die Geldfrage bringt mich schon manchmal um den Schlaf.

Dann dreht es in meinem Kopf, ich sehe vor meinem inneren Auge die Zahl auf dem monatlichen Kontoauszug drastisch kleiner werden und frage mich, ob es wirklich eine gute Entscheidung war, meinen Job zu kündigen. Die Sicherheit aufzugeben. Warum kann es nicht simpel sein, ich völlig glücklich und erfüllt mit meiner Arbeit und keinerlei Ansprüche, mich mehr weiterzubilden als alle zwei Jahre ein Journalistenkürsli am MAZ. Warum reicht mir dieses theologische Basics-CAS nicht, das ich jetzt noch zu Ende führe? Warum muss es unbedingt mehr sein? Dann bin ich so halb wütend, ja, irgendwie auf Gott, weil er mich so gestrickt hat. Ich fühle mich ausgeliefert, denn es wäre einiges einfacher, wenn da nicht dieses Brennen wäre. Die Lust, mehr zu lernen und mehr zu wissen. Und gleichzeitig bin ich genau deswegen auch zutiefst überzeugt, dass es die richtige Entscheidung ist.

Eine Strategie für diese Momente: Kurz bevor ich meine Kündigung eingereicht habe, habe ich ein kleines, leeres Buch zum "Mutbuch" gemacht. Dort schreibe ich all die starken, positiven Gedanken hinein, ermutigende Gespräche, Tweets, Zitate. Ein Bibelvers, eine Begegnung, ein Gedicht. Dinge, an denen ich mich festhalten will, wenn die Sorgen Überhand nehmen oder das Konto ins Minus kippt.

Das Zitat stammt aus dem Buch
"Lean in" von Sheryl Sandberg.

"What would you do if you weren't afraid?"

"18.4.: Angemeldet an der Uni. Die Entscheidung steht fest."

"6 Jahre Studium - aber noch 30 Jahre Arbeitsleben." Und bei dieser Seite hoffe ich beim Durchblättern ganz, ganz leise, dass mich dann nicht fünf Jahre nach dem Master wieder so eine verrückte Idee packt und mich um den Schlaf bringt.

Sonntag, 5. Juni 2016

Jetzt oder nie

Eigentlich ist es völlig unvernünftig. Anfang Dreissig schmiedet man für gewöhnlich andere Pläne, als nochmals ein volles Studium in Angriff zu nehmen. Aber vielleicht ist gerade deshalb der richtige Zeitpunkt: Jetzt oder nie. 

In einem sehr hellen Moment in einer ziemlich dunklen Bar sagte ich bereits vor drei Jahren zu einer Freundin, dass ich irgendwann noch Theologie studieren werde. Und in der Zwischenzeit hat sich herauskristallisiert: Ich kann nicht anders. Das Teilzeit-Nachdiplom-Basis-AT-NT-Fernstudium, das ich vor einem Jahr angefangen habe, hat die Lust auf Wissen, Thesen und Debatten nicht gestillt. Sondern es hat mir vollends den Ärmel reingenommen. Bei Interviews mit TheologInnen wurde aus "Spannend, was die alles wissen" langsam, aber sicher: "Wow, da will ich mitreden können!". Und wenn ich mir vorstellte, am Montag, 19. September ganz normal meiner Arbeit nachzugehen, während an den Universitäten das Semester beginnen würde - ohne mich! -, stellte sich etwas in mir auf die Hinterbeine. Ich will nicht irgendwann zurückblicken und feststellen müssen, dass ich es nicht wenigstens versucht habe.

Also kratze ich meinen gesamten Mut (und mein Erspartes...) zusammen. Ab Herbst werde ich Hebräisch und Griechisch lernen und Vorlesungen mit Titeln wie "Grundkurs Dogmatik" und "Antikes Christentum I" besuchen. Ich werde herausfinden, ob die Theologische Fakultät der Uni Zürich auch modernere Hilfsmittel als Hellraumprojektoren führt, und versuchen, noch ein bisschen mehr nützliches über "Evernote" herauszufinden. 

Ich habe mir vorgenommen, hier wieder etwas regelmässiger zu bloggen. Feel free to comment (auch auf Twitter!). Tipps von gestandenen Studierenden und Inputs von angefressenen TheologInnen sind herzlich willkommen. 

Mittwoch, 22. Juli 2015

Ist Kinderkriegen eine Falle?

Ich besitze eine Unmenge von Büchern. Bei den letzten beiden Umzügen sind jeweils etwa drei Dutzend rausgeflogen, in die Bücherbrocki. Viele sind geblieben. Und neben "Grimms Märchen" aus meiner Kindheit und einigen Romanen, an denen Erinnerungen hängen, ist eines meiner liebsten Bücher "Wahnsinns Frauen".

Es sind Biografien von kreativen, hochbegabten Frauen, die von ihrem Umfeld als "wahnsinnig" eingestuft wurden. Vermutlich waren einige unter ihnen tatsächlich psychisch labil veranlagt. Andere wurden es, weil sie von ihrer Familie, ihrem Mann oder von der Gesellschaft unterdrückt wurden. Nachdem ich die vielen Biografien zum ersten Mal gelesen habe, habe ich mir eines versprochen: Ich werde mich niemals von einem Mann einsperren lassen. Weder gedanklich, emotional, noch physisch.

Das Buch hat mich sensibilisiert, auch wenn die beschrieben Frauenschicksale (in Band 1 der Reihe "Wahnsinns Frauen") in der Vergangenheit schon einiges zurück liegen.

Vielleicht hat mich das Buch aber auch etwas traumatisiert. Das seelische Leiden der beschriebenen Frauen, das bei manchen zur Geisteskrankheit führte und bei einigen sogar bis hin zur Flucht in den Suizid, hat mich berührt. Und ich fühlte mich ihnen beim Lesen verwandt: Auch wenn ich mir nicht anmasse, auch nur annähernd so kreativ oder querdenkend zu sein wie sie, gehört eine gewisse intellektuelle Seite zu mir.

Ich habe im Gegensatz von vielen der "WahnsinnsFrauen" das Privileg, dass ich mein Leben frei gestalten kann. Ich bestimme selber, wovon ich mich vereinnahmen, "einsperren" lasse, und wie ich gewissen Dingen auch entgehen kann. Nun bin ich in einem Alter, in dem sich langsam die Frage stellt: Kinder, ja oder nein?
Und mit der Kinderfrage fühlt es sich an, als schwebe ein Damoklesschwert über meinem Kopf.  

Einerseits bin ich überzeugt und höre dies auch immer wieder von Eltern, dass es die ganze Mühe wert ist, Kinder grosszuziehen. Dass sie einen Dinge lehren und das Leben auf eine Weise bereichern, die unvergleichlich ist. Andererseits lese ich praktisch jede Woche Artikel wie diesen, diesen oder diesen, in denen mir vor Augen gehalten wird, wie schwierig und stressig und eigentlich unmöglich es ist, Eltern zu sein und gleichzeitig glücklich. Ich sehe die Eltern in meinem Umfeld, die mit Terminen, Gegenständen und Wünschen jonglieren. Die keine Zeit mehr dafür haben, ein Magazin zu lesen, die Rätsel in der Sonntagsausgabe der Zeitung zu lösen, zu bloggen, Filme anzuschauen. Bei einigen sehe ich, dass es klappen kann - aber nur mit einer minutiösen Organisation und der Hilfe von engagierten Grosseltern.

Ich fürchte mich vor dem „Eingesperrtsein“.
Frage mich, ob dieser Gedanke egoistisch ist. Ich denke an die "Wahnsinns Frauen" und an die "starken Frauen in der Kirche", meine Vorbilder, von denen viele keine Kinder haben. Ich habe Angst, nicht belastbar genug zu sein für das Mutter-sein. Nicht relaxed genug, um mir Freiheiten herauszunehmen, zum Beispiel Zeit zum Lesen. Und dass ich es mir mit der Entscheidung für Kinder verunmöglichen würde, beruflich Freude und Erfüllung zu behalten.

Denn ich möchte mich mein Leben lang weiterbilden. Nicht nur praktisch, emotional, im Leben mit einer Familie. Sondern auch intellektuell; mir Wissen aneignen, eine Meinung bilden und im Beruf auch Meinungen zu debattieren. Deswegen fürchte ich mich davor, in eine Falle zu tappen. Feststellen zu müssen, dass Eltern-sein vor allem belastend ist und nicht erfüllend. Dass es mit der Rollenteilung nicht so klappt, wie man es geplant hat. Und nicht zuletzt auch, dass mein Engagement für die Freiheit und Stärke der christlichen Frauen zerbröselt und ich mich selber enttäusche.

Aber was wird am Ende zählen? Welche Kompromisse sind akzeptabel? Und wo sperre ich mich selber ein? Ich frage mich, wie andere Frauen dies tun, die ähnlich funktionieren wie ich: Die Rolle als Mutter integrieren in die Persönlichkeit, ins Leben, ohne die wichtigsten anderen Teile zu verlieren. Momentan kann ich die Entscheidung noch vor mir her schieben. Aber irgendwann wird sie konkret - und dann will ich sie mit Überzeugung treffen können. 

Der Blogpost wäre eigentlich hier zu Ende. Bevor ich ihn veröffentlicht habe, stiess ich auf dem Blog "More than pretty" auf den Text "Berufung leben mit Kindern?" (Teil 1 und Teil 2). Was für eine Erleichterung: Ich bin nicht die einzige Frau, die sich diese Sorgen macht! Und Doris Lindsay erzählt hier aus eigener Erfahrung, wie sie ihren Weg auch mit Kindern konsequent weiter gehen konnte.

Montag, 22. Juni 2015

Geschlechtergerecht am Radio

Beim Radio gilt: "In der Kürze liegt die Würze". Inhalte verständlich, ohne unnötige Schlenker, in einer alltagsnahen Sprache kommunizieren. Ich nehme das oft genauso als Herausforderung an, wie früher als Print-Journalistin das Ausformulieren präziser, schöner Sätze. 

Ich mag die Arbeit mit der Sprache, weil es Resultate gibt: Inhalte kommen nur an, wenn ich mir dabei Mühe gebe. Ich stelle mir Menschen vor beim Kochen, im Feierabendverkehr, morgens im Badezimmer, die Radio Life Channel hören. Nebenbei, und manchmal bleibt etwas hängen oder unbewusst hört man doch zu. Da gibt es Regeln wie: Redundanz - Wiederholungen sind gut. Oder: Ein Satz pro Zeile. Bei Schriftgrösse 14, wohlgemerkt, weil ich danach die News live ablesen muss.

Eine Herausforderung ist da die geschlechtergerechte Sprache. Erst kürzlich hörte ich einen Kurzbeitrag meines Kollegen gegen, wo es um die Veränderungen im Pfarrberuf ging. Es kam ausschliesslich "der Pfarrer" vor, was bei einem Pfarrerinnen-Anteil von einem Drittel in der evangelisch-reformierten Kirche schlicht falsch ist. Als wir darüber sprachen, kam wieder einmal rüber: "Pfarrer und Pfarrerinnen" klingt doof, umständlich, lang. "Aber es ist wichtig!", sagte ich, und wies auf die Bilder im Kopf hin, die das Rollenverständnis prägen. "Pfarrperson" ist auch unschön - deswegen ist meine liebste Variante, dass ich am Anfang von "Pfarrerin und Pfarrer" rede und dann abwechsle zwischen den Geschlechtern. 

*

Soeben habe ich darüber einen interessanten Blogeintrag entdeckt, der aus der Warte einer Pfarrerin geschrieben ist. Hier geht's zu Pastor Sandy.

Mittwoch, 25. Februar 2015

Frauen, Business und das Glück

Mit den Gratis-Zeitschriften am Flughafen ist es so eine Sache. Es hat nie genau die, die ich mag. Die "Cosmopolitan" ist mir zu sexlastig, "Shape" habe ich nach 5 Minuten durch, die Luxusmagazine und Wirtschaftszeitschriften interessieren mich nicht besonders. Die "Tageswoche" mag ich! Und dann gibt es noch eine andere Ausnahme, die ich vor einigen Jahren entdeckt habe: Ein Magazin im Zeitungsformat, in schwarz-weiss und rosa (!): "Girl's Drive"

http://girlsdrive.ch

"Girl's Drive" ist die kleine Schwester von "Ladies Drive", einem ungewöhnlichen Frauenmagazin: Business, Frauen und Autos. Beide Zeitschriften geben Frauen bzw. Studentinnen Tipps, wie sie ihre Karriere so verfolgen können, dass sie Erfolg und Befriedigung bringt. Wie Mentoring helfen kann, wo man sich durchsetzen muss und wo nicht, wie man zu einem Praktikum im Ausland kommt und wie man sich dort verhält. Es gibt Interviews mit Unternehmerinnen und Politikerinnen darüber, was ihnen wichtig ist, wie sie ihre Karriere geplant haben, was ihre Ziele sind und was ihnen hilft, diese zu verfolgen.

Auch schon habe ich Artikel in "Girl's Drive" gelesen und mir gedacht: Dieser Zug ist für mich abgefahren. Da werden 22-Jährige porträtiert, die karrieremässig schon mehr erreicht haben als ich mit 31. Die auf der Überholspur leben, das richtige studieren, ihre Freizeit strategisch richtig einsetzen, sich in die richtigen Netzwerke einknüpfen. Manchmal deprimiert mich das, auch wenn ich eigentlich glücklich bin, dort, wo ich bin, und weiss, wo ich noch hin möchte. In der aktuellen, ganz frischen Ausgabe gibt es jedoch genau dazu einen Artikel des VWL-Professors und Glücksforschers Mathias Binswanger: Er schreibt darüber, wie man mit dem ganz natürlichen Drang, sich mit anderen zu vergleichen, umgehen kann. 

Meine These ist ja, dass die Perspektiven für Frauen in der Kirche ähnlich eingeschränkt sind und der Weg in eine Leitungsposition ähnlich schwierig wie für Frauen in der Wirtschaft. Deswegen lohnt es sich, in "Girl's Drive" und "Ladies Drive" zu stöbern, auch wenn die Werte und Lebenshaltungen manchmal anders sind als diejenigen, die Gott gibt. Jesus predigte, dass man genau so viel wert ist, wenn man in den Augen der Menschen ein Verlierer ist, wie wenn man eine Top-Karriere hinlegt. Trotzdem: Wer die Lust spürt, Ziele zu verfolgen, den Willen, die eigene Berufung zu leben, stetig dazu zu lernen und an sich zu arbeiten, könnte die beiden Frauenmagazine mögen. 

Tipp: Anstatt die online zur Verfügung stehenden Artikel auf der Website von "Girl's Drive" zu lesen, sich für die PDF-Ausgabe registrieren. Ist viel gehaltvoller.

Mittwoch, 29. Oktober 2014

Neues Online-Magazin "Propel"

Die australische Pastorin, Aktivistin ("A-21"-Kampagne gegen Frauenhandel) und international gefragte Rednerin Christine Caine hat ein neues Eisen im Feuer: Das Online-Magazin "Propel - Women Who Lead". 

www.propelwomen.org
 
"Propel" ist ein englischsprachiges Online-Magazin, das sich an Frauen in Leitungspositionen richtet - an Powerfrauen wie Christine Caine selber. Titel passt: "to propel" heisst antreiben, motivieren. Das Magazin startet offiziell 2015, aber die Null-Ausgabe steht jetzt schon zum Download zur Verfügung. 

Für mich ist es eine tolle Mischung aus "Quitting is not an option" und "listen to God and to your heart" - die Haltung, die ich von Christine auch aus ihren Podcasts kenne. So viel authentischer und praktischer als die Philosophien der "Wohlstandsevangelisten", bei denen der Erfolg automatisch kommen soll, wenn man mit Gott lebt. Wozu auch harte Arbeit, Know-How, aber auch: Spass an der Arbeit? Sie verkörpert für mich eine Frau, die eine Berufung hat, diese kennt, und sich mit ihrer ganzen Leidenschaft dafür einsetzt. Das kommt auch im Magazin vor: Die Kernbegriffe "Passion", "Purpose" und "Potential" werden angetippt, aus der Sicht christlicher Unternehmerinnen und Kaderfrauen und mit biblischer Komponente

Ich lese Magazine zwar immer lieber offline als am Bildschirm und bin nicht begeistert vom Format über ISSUU. Abgesehen davon ist "Propel" aber interessant: ein attraktiv aufgemachtes Magazin mit eher kurzen Artikeln, Erfahrungsberichten von Unternehmerinnen anstatt zu vielen konkreten "So wird's gemacht!"-Tipps. Dann gibt's Kurzinterviews zum Thema Leiterschaft. Dazu ein Artikel mit statistischen Fakten zu den verschiedenen Lebensbereichen von Frauen (Studie für das Buch "Wonder Women", hab ich aber noch nicht gelesen).

Besonders angesprochen hat mich "Three Things I Would Tell My 20-Year-Old Self" von Carolyn Haggard. Zwar bin ich nicht mehr 20, aber da meine Karriereplanung natürlich noch nicht abgeschlossen ist, war der Artikel interessant. Vor allem zwei Punkte: 

1. Es gibt einen grossen Unterschied dazwischen, einen Titel zu besitzen, und Einfluss zu haben. Eigne dir lieber gezielt nützliche Kompetenzen an, anstatt den Fokus auf einen bestimmten Titel zu legen. Ich persönlich denke, beides schliesst sich nicht aus, aber es schadet nicht, sich die Chancen von Weiterbildungen und der Aneignung von Kompetenzen bewusst zu machen, die zu der angestrebten Position führen sollen.

2. Unterschied zwischen einem Lebenslauf (resume) und einem guten Ruf (reputation). Carolyn Haggard unterstreicht die Wichtigkeit, täglich professionell, engagiert, respektvoll zu arbeiten - zusammengefasst: die Wichtigkeit einer guten Arbeitsmoral. Für mich liegt der Wert da einerseits in der Authentizität und Vorbildfunktion einer Führungsperson. Andererseits glaube ich aber auch stark an Disziplin und Professionalität - auch als Teammitglied, um die anderen nicht hängen zu lassen. 

Beide Punkte gelten nicht spezifisch für Frauen. Wie auch viele der anderen Artikel in "Propel" nicht. Aber die Denkmuster von Frauen, eine gewisse Emotionalität, werden in dem Magazin auf konstruktive Weise aufgenommen, um Chancen und Strategien aufzuzeigen.

Ähnlich übrigens wie das Magazin "Ladies Drive" (Unterschied: dieses ist säkular, und auch offline erhältlich). 

Sonntag, 12. Oktober 2014

Der rote Faden

In einem früheren Blogeintrag habe ich erzählt, dass ich als "Rezept" für die eigene Lebensgestaltung an eine Mischung aus relaxtem Gottvertrauen und selbstbewussten Entscheidungen glaube. Wenn man zurückblickt, wird oft ein roter Faden sichtbar, den man zuvor nicht erkannt hat. Wie Fussspuren, die auf den heutigen Moment hingeführt haben. Das kann grundsätzlich negativ oder positiv sein, denn manchmal läuft man durch eine Folge von, sagen wir, suboptimalen Entscheidungen auch in Sackgassen. Aber wenn man mit Gott unterwegs ist, erkennt man rückblickend auch, wo er Türen geöffnet und Entscheidungen erleichtert hat.

Um diesen roten Faden geht es in der aktuellen Serie des ICF Basel: Es geht um die biblische Figur Esther. Dieser mutigen, schönen Frau ist ein ganzes Buch in der Bibel gewidmet, und es ist darin eine der spannendsten Geschichten. Doch gleichzeitig ist sie so brisant, dass Martin Luther gesagt haben soll, er wünschte sich, das Buch Esther wäre nicht in den biblischen Kanon aufgenommen worden.

Es um diesen roten Faden, um Berufung. In der ersten Predigt der Serie führt der Pastor ein Interview mit der Präsidentin der Basellandschaftlichen Kantonalbank, Elisabeth Schirmer. Sie erzählt, wie sie zu dieser Stelle kam, ohne diese Position angestrebt zu haben. Hörenswert. 

Rembrandt, 1660. Quelle: http://www.womeninthebible.net/paintings_esther.htm

Donnerstag, 31. Juli 2014

"Lean In" (1)


Momentan höre ich mir als Audiobook "Lean In. Women, Work and the Will to Lead" von Sheryl Sandberg an. Darin fordert die Facebook-Managerin Frauen auf, in der Geschäftswelt für gleiche Rechte wie ihre Kollegen zu kämpfen. Sie erzählt aus ihrer eigenen Karriere und gibt Tipps für Frauen, die beruflich Erfolg haben wollen. 
Meine These ist, dass die Situation für Frauen in freikirchlichen Leitungsgremien ähnlich schwierig ist wie in den obersten Etagen der Konzerne. 
Fakt ist: Frauen sind massiv in der Unterzahl. Die Gründe dafür sind verschieden. Einerseits streben Frauen – genau wie in der Geschäftswelt – weniger häufig Leitungspositionen an. Sie werden aber auch viel weniger in eine entsprechende Richtung gefördert. Teilweise liegt das Problem auch bei Vorstandsgremien und Kirchgemeinden, die Frauen bei der Besetzung von leitenden Funktionen nicht berücksichtigen. Weil es relativ wenig berufstätige Frauen im freikirchlichen Berufsumfeld gibt, fehlen auch Netzwerke, um sich gegenseitig zu unterstützen. (Existierende Netzwerke siehe Links)
In den ersten Kapiteln von "Lean In" schreibt Sheryl Sandberg über den "Leadership ambition gap": Männer suchen aktiv Leitungspositionen, Frauen warten darauf, dass sie ihnen angeboten werden. 

Wenn ein Job als "verantwortungsvoll" und "herausfordernd" beschrieben wird, bewerben sich Frauen weniger: Wir zweifeln viel eher an unseren Fähigkeiten. Wir bewerben uns nur für eine Stelle, wenn wir alle Punkte des Anforderungsprofils erfüllen, während Männer sich auch bewerben, wenn ihnen theoretisch einige Voraussetzungen fehlen (siehe aktuelle Studie hier und etwas ältere Umfrage hier). Und wenn Frauen einen Karriereschritt tun, beschleicht viele unweigerlich das Gefühl, dass jemand merken könnte, dass es eine Schuhgrösse zu gross ist für sie. ("Feeling like a fraud", schreibt Sheryl Sandberg, "Sich als Betrügerin fühlen".) Männer gehen sorgloser an eine neue Stelle heran, weil sie wissen, dass sie darin hereinwachsen werden.

Sheryl Sandberg erzählt, wie sie in den verschiedenen Stellen, die sie bisher innehatte, immer dazugelernt hat, auch wenn sie die Anforderungen objektiv gesehen bei Stellenantritt noch nicht erfüllte. Die Jobs hatte sie trotzdem bekommen, weil sie bei ihrer Bewerbung mit anderen Fähigkeiten überzeugte. Und vor allem mit der Haltung: "Das kann (und will) ich lernen" - offenbar die Haltung, die Männer viel selbstverständlicher innehaben als Frauen. 

Ein Schlüsselsatz aus "Lean In": Möglichkeiten werden einem selten angeboten - man muss sie ergreifen. Ich denke, ganz allgemein stimmt dies für vieles im Leben. Man kommt nirgendwo hin, wenn man vorsichtig in einer Warteposition verharrt. 

Andererseits glaube ich auch, dass Gott einem manchmal Türen öffnet. Ich habe dies ganz oft erlebt. Zum Beispiel bei meiner jetzigen Stelle: Über ein christliches Netzwerk flog mein Kurz-CV meinem Chef genau zu dem Zeitpunkt in die Inbox, als er eine Redaktionsstelle ausschreiben wollte. Er rief mich an und ich mailte ihm meine Bewerbungsunterlagen, bevor ich am nächsten Tag für knapp zwei Monate nach Südostasien flog. Später sprachen wir noch einmal über Skype, beide Seiten hatten den Eindruck, dass es passte, und als ich wieder zurück in der Schweiz war, besuchte ich zum ersten Mal mein zukünftiges Büro und unterschrieb den Arbeitsvertrag. 

Ein Jahr später schaue ich zurück mit der Gewissheit, dass ich genau an dem Ort bin, an den ich im Moment hingehöre. Die Arbeit macht mir Spass, und ich bin darin hineingewachsen. Ich arbeite als Radiojournalistin, obwohl ich die unterschiedlichen Arbeitsweisen im Vergleich zum Print-Journalismus erst lernen musste. Das Themenfeld "Kirche und Gesellschaft" ist ein ganz anderes als was ich studiert hatte, "Kunst und Kultur". Auch von der ganzen Technik hatte ich natürlich keine Ahnung - aber ich wusste, dass ich eine gute Auffassungsgabe habe und traute mir zu, all das Neue zu lernen.  

Gott öffnet Türen - durchgehen muss man aber selber! Und ich glaube, wir Frauen dürfen uns da oft mehr zutrauen.