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Donnerstag, 15. Dezember 2016

Die Theologen-Filterbubble sprengen?

"Filterblase" ist Schweizer Wort des Jahres 2016. Meint: In sozialen Medien wird man einseitig informiert, weil der Algorithmus einem vor allem Artikel und Meinungen serviert, die zur eigenen Meinung passen. 

Ich vermute, auch theologisch gibt es eine Art "Filterbubble". Ich lese Bücher, Artikel und Blogs, höre Podcasts vor allem von Menschen, die ähnliche Ansichten haben wie ich. Nur schafft mir kein Algorithmus diese Blase, sondern ich habe sie mir selber gebaut: vor allem über meine Twitter-Bekanntschaften, denen ich folge, weil sie für mich interessante Meinungen und Artikel posten.

Von Berufes wegen habe ich in meiner Twitter-Timeline auch katholisch-konservative Medien und ich folge der EDU. Ansonsten ist meine Filterbubble aber ziemlich homogen: Theologinnen und Theologen, die wie ich ursprünglich einen evangelikalen Hintergrund haben, der ihnen jedoch zu eng wurde. Oder aus dem sie rausgeflogen sind, weil sie homo- oder transsexuell sind. Frauen, die sich mit feministischer Theologie beschäftigen. 

Podcaster, die ihrerseits eine Gruppe von ähnlich gesinnten zeitgenössischen TheologInnen unter sich herumreichen: Peter Rollins, Sarah Bessey, N.T. Wright, Rachel Held Evans oder Greg Boyd. Karl Barth taucht bei ihnen häufig auf und neuerdings auch Dorothee Sölle. Darf ich vorstellen: meine "Theologen-Filterbubble".

Im Grundkurs Dogmatik an der Uni bekommen wir einen ganz groben Überblick über theologische Positionen der Vergangenheit. Wir hören sowohl, wofür Martin Luther stand, als auch Anselm von Canterbury. Doch was ist danach? Wenn mir niemand mehr Positionen von rechts nach links vorstellt, sondern ich selber dafür verantwortlich bin? Werde ich mich dann noch damit befassen wollen, warum jemand die Taufe heilsnotwendig findet, Argumente hören wollen, warum man Gott in anderen Religionen auf keinen Fall begegnen kann, oder Calvins Thesen zur Prädestination lesen? 

Werde ich als Theologin später ohnehin mit anderen Ansichten innerhalb der christlichen Theologie konfrontiert werden? Oder muss ich meine Filterbubble sprengen?

Mittwoch, 26. Oktober 2016

Und das "Scheisse"-Emoji grinst auch noch so doof




Eines ist klar: Einfache Antworten (wenn ich denn überhaupt noch solche hatte) muss ich ganz schnell über Bord werfen. Die zählen im Theologiestudium nicht mehr und sind in Diskussionen ruckzuck aus dem Weg geräumt. Und dann steht man nackt da, wie der Kaiser, der gemeint hat, er trage neue Kleider. 

Antworten habe ich momentan nur noch wenige. Aber innerhalb des sicheren Uni-Kontexts fühlt sich das gar nicht falsch an. Stattdessen gibt es ja Thesen, es gibt Fragen, es gibt Beobachtungen und Debatten. Das reicht vorerst mal, so als Bademantel, man ist ja unter sich.

Ausserhalb der Uni wird es schwieriger. Bei meinen Grosseltern bei Schloorziflade und Blick auf den Säntis, zum Beispiel. Wenn die Oma fragt, was ich denn jetzt im Studium lerne, und gleich selber zu sprechen beginnt, statt auf meine Antwort zu warten. Es sei schwierig im Alter, wenn man nachts betet, flucht, schreit, und nichts gegen die Schmerzen hilft. Der Gott, an den man sein Leben lang geglaubt hat, sich nicht meldet. "Was dann, Evelyne?" Wie lange muss man das Leben so aushalten?

Nach dem langen WhatsApp der Freundin, deren Zukunft plötzlich völlig ungewiss ist. Ich will am liebsten gar nicht antworten, weil ich nicht weiss, was; und das "Scheisse"-Emoji grinst auch nur doof.

Oder jemand anderes, eine Freundin, über deren Leben ein so schwerer Schatten schwebt, dass ich nichts zu sagen weiss. Dass nur noch Tränen laufen. "So ist halt das Leben, jeder hat etwas zu tragen", sagt sie, und ich denke, nein, das reicht doch einfach nicht. Aber ich kann nicht mal sagen, "es kommt schon gut", denn das wäre nicht ehrlich.

Nur eine Antwort bleibt. Wie ein Tuch, das man eng um sich zieht, wenn man schlotternd aus kaltem Wasser steigt. Und eigentlich ist auch diese Antwort mehr eine Frage. 

Schüchtern, hilflos. Ist es okay, wenn ich bete. Wenn ich halt noch einmal bete um Gesundheit, um eine praktische Lösung. Im ehrlichen Eingeständnis, dass diese vielleicht nicht kommt. Und doch mit einem kleinen Funken Glauben an ein Wunder. Bitten um diese übernatürliche Kraft, die ein Licht ist im dunklen Tal, eine wärmende Flamme in der Kälte. Beten als Ausweg aus der Hilflosigkeit. Als das Einzige, was ich in einer solchen Situation zu geben habe, das Einzige, was ich zu sagen weiss; ein kleines Fenster der Hoffnung.

Montag, 19. September 2016

T -45 Minuten

Ich war mindestens eine Stunde verspätet, hatte unnötigerweise zwei Schultaschen gekauft (Schultaschen?!) und auf meinem Handy liess sich die korrekte Raumnummer nicht aufrufen, so dass ich in jedes Zimmer einen Blick werfen musste.

Check - der obligate Traum vom Zu-spät-kommen am ersten Studientag. Jetzt kann’s losgehen.

In 45 Minuten beginnt das erste Seminar. Ich fühle mich schon ein bisschen wie am ersten Schultag. Die „Gspänli“ habe ich schon mal gesehen, aber mit wem man sich dann schlussendlich anfreundet, weiss man ja jetzt noch nicht. Ich habe einen Leuchtstift und etwas Papier eingepackt, einfach für den Notfall oder vielleicht für im Hebräischunterricht, ich möchte eigentlich mein Studium so papierlos wie möglich gestalten. Evernote ist aufgeräumt und parat. Jaja, ich war schulisch schon immer recht fleissig, scho chli eine Streberin.

Der Junge im Abteil neben mir im Zug hat wohl heute auch seinen ersten Studientag. Frisch ab Matur, mit neuer Umhängetasche. An meinen allerersten Studientag an der Hochschule für Gestaltung und Kunst, vor - ähm, rechnen - 12 Jahren? kann ich mich gar nicht mehr erinnern.

Die letzten Tage fühlte ich mich ein bisschen wie in einem Vakuum. Letzte Woche schloss ich noch das letzte Modul meines Fernstudium-CAS ab. Danach hatte ich irgendwie nichts mehr zu tun. Wo ich im Zug sonst immer ein Buch oder einen Text dabei hatte, das ich hätte lesen sollen, konnte ich jetzt ohne schlechtes Gewissen Hörbücher hören und Sudoku lösen. Gleichzeitig wusste ich, dass es ab heute happig werden wird, Hebräisch statt Hörbücher, und dass Ausschlafen und Sudoku dann nicht mehr drin liegen. Ja? Der Junge im Abteil neben mir löst gerade das schwierige Sudoku in 20 Minuten.

Am Wochenende gehe ich wandern. Zwei Tage, Hüttenübernachtung. Ob ich dann schon Wörterkärtchen im Rucksack mittragen werde? Oder noch ohne schlechtes Gewissen die Berge geniessen kann?

Mittwoch, 7. September 2016

"Was gloubsch de du?"


(c) Evelyne Baumberger - Piz Sardona

Auf einer Hochebene in den Bergen unter brütender Sonne, unter den Füssen Moos und Stein und gelbe Blümchen, diese Frage.

- Aber etz nimmt’s mi doch wunder. Was gloubsch de du?

Was ich glaube.

Ich glaube an Gott. An den Schöpfer, der alles das gemacht hat. Dass ich für diese Schönheit so empfänglich bin, dass mich das alles so unglaublich tief berührt, zeigt mir, dass es da eine Verbindung gibt zwischen meiner Seele und der Natur. Vielleicht zeigt es auch, dass ich schlicht und einfach auch ein Teil davon bin, wie ein Tier, ein Baum, ein Pilz. Aber ich glaube, da ist mehr. Da ist Beziehung, Verbindung, Liebe. Und ich kann mich mit der Quelle, mit dem Wesen der Liebe, verbinden.

Ich nenne es „Gott“, sage ich.

Das sind alles abstrakte Gedanken, über die man schön philosophieren kann. Aber wo es sich wirklich zeigt in meinem Leben, ist in den Beziehungen. Ich sehe Beziehungen als Kern meines Daseins als Mensch. Verbindungen zu leben, Liebe leben, Gemeinschaft. Und da erlebe ich Gott. Da erlebe ich manchmal eine Kraft, die übernatürlich ist.

Wenn ich jemanden gerne mag, der seltsam ist.
Wenn eine völlig unterschiedliche Gruppe von Menschen zu einer Gemeinschaft wird, in der eine wahrnehmbar positive, friedliche Atmosphäre herrscht.
Wenn Vergebung ausgesprochen wird und aus einer dunklen Gewitterwolke Friede wird.
In Situationen, Stimmungen, wo ich selber nicht könnte. Wo eine Kraft in mir wirkt, die nicht von mir kommt.
Da erlebe ich Gott. Diese Kraft, die Beziehung ist; Liebe; Frieden. Eine Kraft, aus der ich schöpfen kann, wenn ich mich mit der Quelle verbinde.
Das gibt mir Hoffnung, dass im Kleinen, im Zwischenmenschlichen immer wieder diese Art von Verbindung entstehen kann. Auch in dieser kaputten Welt, auch wenn es so gar nicht danach aussieht.



Freitag, 26. August 2016

Der Weg durch den Nebel


Im Archiv meines Laptops bin ich auf einen freien Text von Juni 2014 gestossen. Er gefällt mir sehr und ist für mich in der momentanen Situation, wo ich unmittelbar vor dem Beginn eines Theologiestudiums stehe, umso interessanter. Vielleicht auch ein Mutmacher für jemand anderen.



"Das richtige Leben braucht so viel Mut.

Ich stehe an einer Kreuzung, mit verschiedenen Wegen, die von mir wegführen. Alle in die Zukunft, aber alle woanders hin. Und alle verlaufen im Nebel. Es ist ein faszinierender Nebel, mit Klängen, die mich locken, mit Ästen, Steinen, goldenen Kuppeln, die hin und wieder scharf zu sehen sind. Meine Schuhe haben nasse Ränder. In meinem Rucksack sind Laub, Haselnüsse, Federn. Papier und Tinte. 

Es ist weniger ein Ruf, als eher ein Gezogen-werden: Ich würde gerne predigen und schreiben. Wenn ich es mir laut überlege, schüttle ich unwillkürlich den Kopf und frage mich, woher ich den Schneid nehmen würde, dies umzusetzen. Gleichzeitig ist da eine Lust in mir, die mich freudig kitzelt und die ich nicht ersticken will. Ich erkläre es mir mit dem Wunsch, mich mit theologischen Fragen zu beschäftigen, mir eine Meinung zu bilden und diese mitteilen und diskutieren zu können. Gemischt mit der genussvollen Herausforderung, vor Leuten zu reden. 

Nun die drei Fragen: Wann, wie und wo kriege ich das nötige Rüstzeug her? Ich halte aktiv die Augen offen, schaue mir Curricula an und Ausrichtungen der verschiedenen Schulen. Gleichzeitig weiss ich, dass ich von meinem Beruf nicht einfach weg kann. Und nicht weg muss. Ich bin mir sicher, hier noch für eine ganze Weile am richtigen Ort zu sein. Deswegen warte ich ab, welche Tür sich öffnen wird. Und bereite meine Seele vor.
Ich lebe im Hier und Jetzt so, dass ich nichts bereuen muss. Halte die Ohren meines Herzens offen, damit ich es nicht verpasse, wenn der entscheidende Anstoss kommt. Überlege um die Ecke, wie Studium und Beruf irgendwie vereinbar wären. Und versuche auszuloten, zu welcher Aufgabe genau es mich zieht und was für Qualifikationen ich dafür brauchen werde.

„Have you ever thought of being a pastor?“ – die Frage eines Missionars-Freundes blieb hängen. Pastorin – Hirtin. Jemand, der sich um andere Menschen kümmert, sie ernst nimmt, für sie sorgt und vorangeht. Als ich von einem halben Jahr in Laos nach Hause kam, zog ich wie ein Magnet Freundinnen und Freunde an, die im Glauben Sorgen haben. Ich bin eine gute Zuhörerin, kann aber auch Ratschläge geben aus meiner eigenen Erfahrung und aus dem, was ich von Gott zu hören meine. Auch wenn ich theologisch im Vergleich mit anderen eine Anfängerin bin. Ich nehme mich als gesegnet wahr. Gleichzeitig will ich demütig bleiben, nicht meinen, es besser zu wissen. Aber momentan tauche ich auf aus dem Meer meiner evangelikaler Prägung und atme Luft und Sonnenstrahlen, die meine Perspektiven umkehren. Plötzlich eröffnen sich Antworten, in einer bestechenden Einfachheit. Nur durch das Infragestellen einiger evangelikaler Vorstellungen und durch kontextuelles Lesen der Bücher der Bibel. 
 
Ein Beispiel: Viele evangelikale Christen halten daran fest, die Schöpfungsgeschichte wörtlich zu nehmen. Es scheint in Freikirchen sogar eine Mehrheit zu sein, denn gegen aussen ist dies die Lehrmeinung. Natürlich lässt auch die Wissenschaft Fragen offen und schüttet mit der Leugnung eines kreativen Gottes das Kind mit dem Bade aus. Aber gleichzeitig widerstrebt es mir zutiefst, einem Schöpfungsmythos 1:1 zu glauben, der erst über Jahrhunderte mündlich überliefert wurde, von Menschen, die sich die Physik der Welt mit den Mitteln der Narration erklärten. Jahrelang sagte ich, niemand könne genau wissen, wie die Welt entstanden ist. Aber es spiele für mein Leben, für meine Gottesbeziehung ja auch keine Rolle. Heute bin ich weniger vorsichtig, sondern weiss zumindest, was ich nicht glaube und warum nicht.

Oft passiert es mir, dass ich mir Gedanken mache, die in eine bestimmte Richtung gehen. Mir Dinge zu erklären und Fragen zu beantworten suche. Und dass ich dann von jemand Gebildetem, Reifem genau in dieser Zeit etwas höre, was meine Gedankengänge in kompakter, nachvollziehbarer Form auf den Punkt bringt. Zum Beispiel die Sache mit Gottes Plan. 

Als meine Mutter vorletztes Jahr schwer erkrankte, stellte ich mir nur kurz die Frage nach dem Warum. Ich war längst zu der Überzeugung gelangt, dass schlimme Dinge einfach passieren (zufällig, könnte man zugespitzt sagen), und zwar Christen wie Nichtchristen. Der Glaube schützt nicht vor Krankheit, vor dem Verlassenwerden, davor, Opfer von Fehlern anderer zu werden. (Ich bin aber überzeugt davon, dass Gott aufgrund von Gebeten manchmal Wunder tut, Krankheiten heilt und entgleiste Tatsachen zu einem guten Ende bringen kann.) Diese Auffassung von Schicksalsschlägen widerspricht aber der Theorie, dass Gott für das Leben seiner geliebten Kinder einen perfekten Plan hat. Dass nichts geschieht, was nicht von ihm als Chance oder Lektion bewusst in unseren Lebensteppich gewoben wurde. 

Schlimme Dinge passieren. Wir können sie – an Gottes Hand durchs Leben gehend – im besten Fall als Chance oder 'Lehrblätz' gebrauchen. Bei einem richtig harten Schicksalsschlag ist dies aber von einem Menschen zu viel verlangt. Dann hilft uns nur die Gewissheit, dass Gott mit uns leidet. Er weint mit uns darüber, dass die Welt zur Zeit negativen Mächten ausgeliefert ist, die sich zum Ziel gesetzt haben, Chaos, Hass und Zerstörung in das Leben jedes Einzelnen zu bringen. 

Dieses Gerüst zimmerte ich mir aus meinen eigenen Erfahrungen zusammen. Dann sah ich ein kurzes YouTube-Video von Greg Boyd, in dem er das Konzept des „Open Theism“ erklärt. Ein Leben mit Gott als Feld voller Möglichkeiten, anstatt als Leben möglichst nahe an einem perfekten Plan entlang. Mit Boyds Aussagen nahm in den Strukturen meines Gedankengerüsts eine zusammenhängende Theorie Form an.

Fragen wie jene, warum sich trotz Gottes Liebe und Schutz unvermeidbar dunkle Fäden in unseren Lebensteppich weben, sind elementar. Umso mehr drängt es mich, Dinge, die ich als Erkenntnisse erfahre, als logische Erklärungen, anderen mitzuteilen. Und da ich mich nicht auf das dünne Eis des Behauptens begeben will, muss ich mir theologisches Hintergrundwissen aneignen. Ich bin gespannt darauf, wohin dieser Weg mich führen wird." 

Mittwoch, 20. Juli 2016

Predigen ohne Penis

Nun habe ich sie zum ersten Mal am eigenen Leib erfahren: die christliche Diskriminierung gegen Frauen. 

Subtil eingewoben in ein Feedback auf eine Übungspredigt. - Man müsse bei meinem Textentwurf korrekterweise von einer Bibelarbeit sprechen, nicht von einer Predigt, da höchst umstritten sei, ob Frauen gemäss der Bibel überhaupt predigen dürfen.

Ich war überrascht, wie stark es mich getroffen hat. Wie schmerzhaft dieser feine Stich war. Ich war nicht darauf vorbereitet. Sondern war davon ausgegangen, dass mich dieser Theologe genau gleich behandeln würde wie alle übrigen Theologiestudierenden. 

Nun befasse ich mich seit Jahren mit dieser Problematik. Vielleicht ist es also gut, es selber einmal erlebt zu haben. Ich möchte schreiben, "Opfer geworden zu sein", und eigentlich fühlt es sich auch so an. Ich fühlte mich hilflos, denn ich hatte keine Chance, mich zu verteidigen: Der Theologe hat Jahrzehnte von Bibel- und Literaturstudium hinter sich, hat offenbar zum Thema Frauenpastorat auch schon Arbeiten veröffentlicht und kann mich in Grund und Boden argumentieren. 

Ich hätte noch so eine gute Predigt schreiben können, ich würde nie gut genug sein, um sie in seinen Augen auch so nennen zu dürfen. Nur, weil ich keinen Penis habe. Was ja, ähm, für mich auch sehr gut ist so. Merken diese Menschen nicht, wie absurd ihre Argumentation ist? 

Update: Die Ausbildungsstätte hat die Zusammenarbeit mit dem betreffenden Dozenten eingestellt.

Sonntag, 5. Juni 2016

Jetzt oder nie

Eigentlich ist es völlig unvernünftig. Anfang Dreissig schmiedet man für gewöhnlich andere Pläne, als nochmals ein volles Studium in Angriff zu nehmen. Aber vielleicht ist gerade deshalb der richtige Zeitpunkt: Jetzt oder nie. 

In einem sehr hellen Moment in einer ziemlich dunklen Bar sagte ich bereits vor drei Jahren zu einer Freundin, dass ich irgendwann noch Theologie studieren werde. Und in der Zwischenzeit hat sich herauskristallisiert: Ich kann nicht anders. Das Teilzeit-Nachdiplom-Basis-AT-NT-Fernstudium, das ich vor einem Jahr angefangen habe, hat die Lust auf Wissen, Thesen und Debatten nicht gestillt. Sondern es hat mir vollends den Ärmel reingenommen. Bei Interviews mit TheologInnen wurde aus "Spannend, was die alles wissen" langsam, aber sicher: "Wow, da will ich mitreden können!". Und wenn ich mir vorstellte, am Montag, 19. September ganz normal meiner Arbeit nachzugehen, während an den Universitäten das Semester beginnen würde - ohne mich! -, stellte sich etwas in mir auf die Hinterbeine. Ich will nicht irgendwann zurückblicken und feststellen müssen, dass ich es nicht wenigstens versucht habe.

Also kratze ich meinen gesamten Mut (und mein Erspartes...) zusammen. Ab Herbst werde ich Hebräisch und Griechisch lernen und Vorlesungen mit Titeln wie "Grundkurs Dogmatik" und "Antikes Christentum I" besuchen. Ich werde herausfinden, ob die Theologische Fakultät der Uni Zürich auch modernere Hilfsmittel als Hellraumprojektoren führt, und versuchen, noch ein bisschen mehr nützliches über "Evernote" herauszufinden. 

Ich habe mir vorgenommen, hier wieder etwas regelmässiger zu bloggen. Feel free to comment (auch auf Twitter!). Tipps von gestandenen Studierenden und Inputs von angefressenen TheologInnen sind herzlich willkommen. 

Donnerstag, 17. März 2016

"Let Bad Religion Die", oder wie Gungor Kunst voller Theologie machen #offtopic

Ich habe vor, wieder mehr off-topic zu bloggen. Nicht direkt über Frauen in der Kirche, sondern mehr über Leben und Glauben aus meiner Perspektive. Kurz, lose, random, nicht wirklich redigiert. #wasmitTheologie.

Zu christlicher Musik könnte man wunderbare Bullshit-Bingos machen. Oder so Songbücher wie die horizontal dreigeteilten Kinderbücher, wo Kopf, Rumpf und Beine verschiedener Tiere zusammen ein Fantasiewesen ergeben. "Holy", "Halleluja", drei Akkorde drunter, ein ätherisches Klangbett und voilà, fertig ist der 08/15-Worshipsong. Gotteslob in Ehren, aber Seele ist da ganz selten drin.

Und dann gibt es diese eine christliche Band, die ihren Songs Titel gibt wie "Magic" oder "Let Bad Religion Die": Gungor. Ihre Werke haben Sprengkraft, sind pure Theologie, in Kunst gepackt. Der Song "Beautiful Things" ist mittlerweile auch hier bekannt, er ist aber harmlos, verglichen mit anderen ihrer Titel. Ein Song von Gungor beginnt mit der Zeile "God is not a man", und der Chorus eines anderen lautet "If it's us or them, it's us for them". In "Light" verarbeiten sie ganz ehrlich die Erfahrung, ein Kind mit Down-Syndrom bekommen zu haben.


Gungor sind furchtlos. Sie machen mit ihrem Künstlerkollektiv "The Liturgists" ehrliche, tiefgründige, mutige Kunst. Theologiekunst, angewandte Theologie, welche mich tief berührt, zum Nachdenken bringt und mich spirituell prägt. 

Zum Beispiel ihre modernen Liturgien, wie "Garden" für Karfreitag/Ostern: Spoken Word von den Theologen Rachel Held Evans und Rob Bell, eine zwanzigminütige, angeleitete Meditation ("Centering Prayer") vom exzentrischen Theologen/Wissenschaftsfreak "Science Mike" McHague. Songs von Gungor mit Texten wie "Oh my God, where are you?". Vor solchen Fragen haben sie keine Angst. "The Liturgists" machen Podcasts zu Themen wie "Pro-life, pro choice", "Sin" oder "Safe Church". (Und ja, auch zu "Genesis and Evolution" oder "LGBTQ".) Manchmal - oft! - werden Fragen gestellt, diskutiert, aber nicht abschliessend beantwortet. Es entsteht Raum fürs Denken, fürs Fühlen, für den Heiligen Geist.

Auch an ihren Events, bei denen ich wünschte, ich könnte dabeisein... "Lost & Found": "An interactive storytelling experience about the tension between science and religion, and why so many people leave faith behind." Oder "Belong": "Belong is a safe place to have honest discussions about doubts, hopes, fears, and faith. A place where no question is off limits, but you can find a burgeoning community of people who will welcome you with all your strangeness."

Ich bin mir völlig bewusst, wie schwärmerisch das alles klingt. Aber Gungor geben mir so viel Hoffnung! Sie schaffen Heimat für Menschen, die von der herkömmlichen Institution Kirche enttäuscht sind. Die mehr wollen, echtes wollen, nicht Rezeptglauben mit Manipulationsfaktor. Selber denken, aber auch selber fühlen. Zweifeln und fragen, aber auch wachsen und finden. "Seek and you shall find!"

Gungor haben soeben ihr neues Album "One Wild Life: Spirit" veröffentlicht, der zweite Teil einer Album-Trilogie. Es ist eine geballte Ladung Inspiration mit grossartiger Musik. Und hier kann man reinhören: In der neusten Folge ihres "The Liturgists"-Podcasts sprechen sie über das Album und die einzelnen Songs werden ansgespielt.

Sidenote: Gungor laufen auch im Programm von Radio Life Channel. Wir sind nämlich dort auch keine Fans von 08/15-Worship und Rezeptglauben.

Mittwoch, 3. Dezember 2014

"Sind Frauen Menschen oder böse Tiere?"

Die erste Rabbinerin in der Schweiz, "Sind Frauen Menschen oder böse Tiere?", und das fehlende Frauenpriestertum: drei der Themen in der aktuellen Nummer der Zeitschrift "facultativ". Sie steht unter dem Titel "Frauen & Kirche" und kann gratis heruntergeladen werden, siehe hier. "Facultativ" ist die Zeitschrift der theologischen Fakultät der Universität Zürich. 


http://www.theologie.uzh.ch/fakultaet/dienstleistungen/oeffentlichkeitsarbeit/facultativ_02_2014_web.pdf

Dienstag, 18. November 2014

Krieg und Frieden

Zwei weise Männer haben mich mit ihren Worten in der letzten Woche getroffen - und verunsichert. Zwei Gelehrte, Theologen - und Friedensstifter. 

Der eine ist Greg Boyd, amerikanischer Theologe. Ihn durfte ich dieses Jahr in einer Summer School live erleben und von ihm lernen. Und - natürlich - ein kurzes Interview mit ihm führen für Radio Life Channel. Als ich dieses heute wieder gehört und für einen Beitrag geschnitten habe, hat es mich berührt. Thema des Beitrags ist die tiefe Spaltung der Kirchen in den USA über Themen wie LGBT, Empfängnisverhütung, Sozialwesen, Frauenrechte, Aussenpolitik... Ich habe Greg gefragt, ob es wohl möglich sei, über diese Kluft noch eine Brücke zu bauen. Er sagte: "Ja, wenn wir uns statt auf Politik wieder auf die Dinge konzentrieren, welche Jesus uns aufgetragen hat: Menschen zu lieben, wie er sie liebte, und uns für sie aufzuopfern, wie er das getan hat." 

Der zweite Theologe war Peter Henning, der bei ERF Medien letzte Woche einen Vortrag hielt. Auch hier ging es um eine Kirchenspaltung: Um die Reformation, die nun bald 500 Jahre her ist. Peter Henning zeigte uns in groben Zügen die Vorgänge auf, die zur Reformation führten und dazu, dass die Diskussionsvorschläge von Martin Luther einschlugen wie eine Bombe. Und: Er stellte einige Thesen auf, was die Reformation für uns als Medienunternehmen - abgesehen von Themen für Beiträge - bedeuten könnte. Einer der Punkte war, dass er uns riet, uns nicht an Schlammschlachten zu beteiligen. Konstruktive Beiträge dazu zu leisten, dass sich die Kirche eint, statt nur mit dem journalistischen Finger auf Missstände zu zeigen. 

Frieden stiften, praktisch im Alltag helfen, das berührte mich. Ich dachte darüber nach, wie das bei mir aussieht - im täglichen Leben, wo es sicher für jede und jeden Herausforderungen gibt mit Menschen, die Hilfe nötig hätten. Aber auch mit diesem Blog. Ich hinterfrage mein Anliegen immer wieder selber. Was will ich mit "Feminism - OMG!"? Ungerechtigkeit aufzeigen? Alternativen, Argumente sammeln? Ist mein Herzblut zum Thema "Frauen in der Kirche" aufrichtig, setze ich damit Zeit und Energie für eine gute, wichtige Sache ein? Irgendwie komme ich für mich immer wieder auf ein Ja zu all diesen Fragen.

Aber da ist noch das Kämpfen. Kämpfen statt Frieden stiften. Argumente liefern, die Fronten genauso gut noch tiefer trennen, als vereinen können.

Ich bin immer noch am Nachdenken darüber. Heute gingen mir zwei Gedanken durch den Kopf: Auch Jesus war nicht ein Friedensstifter im harmonischen Sinne. Er besass einen starken Kampfgeist, in manchen Situationen Wut, die sich manchmal handfest äusserte, oft aber vor allem in scharfen Dialogen mit der damaligen gelehrten Elite, den Pharisäern.

Zweitens erinnerte ich mich an eine Bibelstelle aus dem Buch des Predigers.

"Alles hat seine bestimmte Stunde, und jedes Vorhaben unter dem Himmel hat seine Zeit: Geborenwerden hat seine Zeit, und Sterben hat seine Zeit; (...) Steine schleudern hat seine Zeit, und Steine sammeln hat seine Zeit; Umarmen hat seine Zeit, und sich der Umarmung enthalten hat auch seine Zeit; (...) Zerreißen hat seine Zeit, und Flicken hat seine Zeit; Schweigen hat seine Zeit, und Reden hat seine Zeit; Lieben hat seine Zeit, und Hassen hat seine Zeit; Krieg hat seine Zeit, und Frieden hat seine Zeit." (Prediger 3, 1-8, Quelle: www.bibleserver.com)

Ich will weder Krieg, noch Töten oder Hassen, was alles in dieser Bibelstelle vorkommt. Es wäre heikel, diese Stelle jetzt auseinanderzunehmen. Aber nur die Idee: Vielleicht ist für mich die Zeit jetzt da, gegen die Hindernisse anzuschreiben, die Frauen oft in den Weg gestellt werden, wenn sie ihre Berufung (Epheser 4,11) ausleben möchten. Warum dieses Feuer so in mir glüht, dazu habe ich eine vage Vermutung. Wohin das aber führt? Keine Ahnung. Ich hoffe aber, dass "Feminism - OMG!" zum Frieden beiträgt, zu Gerechtigkeit. Damit Frauen und Männer Schulter an Schulter genau das tun können, wovon Greg Boyd sprach, als er im Interview vom Auftrag von Jesus erzählt, anstatt sich gegenseitig ein Bein zu stellen.

Sonntag, 9. November 2014

Ich will raus aus der Schublade!


Schönes Wochenende gehabt? Danke, ja, ich auch! Obwohl: Ich bin wieder mal in einer Schublade gelandet. Ja, passiert mir hin und wieder. Diesmal war es ausgerechnet eine von denen, die mir am unbequemsten sind: die Schublade „evangelikal“. Wieder einmal ist ein langer Artikel in einer Sonntagszeitung erschienen, der „die Freikirchen“ in ein schlechtes Licht und in die Nähe von Sekten rückt. Grösster Kritikpunkt: konservative Werthaltungen. Zwar besagt die zitierte Studie des Religionssoziologen Jörg Stolz bereits, dass es drei grobe Richtungen innerhalb der Freikirchen gibt (charismatisch, klassisch, konservativ). In die Schublade „evangelikal“ werden dann doch alle geworfen. Also, weil Freikirchenbesuche zu meinem Glauben gehören, auch ich.

Ich mag die Schublade nicht, weil sie für mich zu klein ist. Die Definition von „evangelikal“ lautet „am Evangelium orientiert“, also kurz gesagt, „bibeltreu“. Dass laut der Freikirchen-Studie nur die Hälfte der Mitglieder für eine wortwörtliche Auslegung der Bibel plädieren, zeigt bereits, dass dieser Begriff nicht pauschal verwendet werden dürfte.

Denn es gibt sie, die Liberalen in den Freikirchen. Und obwohl die konservativ Denkenden überwiegen, wird die Situation verzerrt, indem Medien genau diejenigen Probleme zitieren, welche auch innerhalb der Kirchenmauern heiss diskutiert werden. Kreationismus, ausserehelicher Sex und Homosexualität sind die drei Diskussionen, auf welche man als Besucherin einer Freikirche am meisten angesprochen wird – aber auch genau die Dinge, in welchen sich Gläubige untereinander am wenigsten einig sind. Innerhalb der Freikirchen findet vielerorts ein Diskurs statt über Punkte, in denen die traditionelle Auslegung der Bibel mit der heutigen Lebenswelt am stärksten auseinanderklafft. In evangelikalen Verbänden wird gerungen, wie das Wesen des christlichen Glaubens heute interpretiert werden soll, ohne es zu verleugnen.

Ich wünsche mir, dass diese Diskussion transparenter geführt wird. Dass kirchliche Leitungspersonen zugeben können, dass sie oft überfordert sind mit ihrer Aufgabe, das Christentum in der heutigen Zeit zu vertreten. Einer Zeit, wo manche der jahrtausende alten Worte der Bibel irritieren – und zwar nicht positiv. Dass Freikirchen es wagen würden, traditionelle Interpretationen zumindest zur Diskussion zu stellen, wäre dringend nötig. Denn wenn sie gegen aussen mit fixen Wertehaltungen auftreten, obwohl hinter den Kulissen die Diskussion brodelt, schadet dies nicht nur dem Image. Es verärgert auch diejenigen in den eigenen Reihen, die an der Diskrepanz zwischen Dogma und Lebenswelt verzweifeln. Oder die mit guten Argumenten eine andere Meinung als die Kirche haben, aber in der Öffentlichkeit nicht gehört werden.

Gäbe es mehr Transparenz, würden die Besucherinnen und Besucher der Freikirchen vielleicht weniger oft pauschal als konservativ, weltfremd und intolerant abgestempelt. (Oder, dies ist mir persönlich manchmal nicht klar, als leichte Beute, die man vor den bösen Predigern beschützen müsste...) „Freikirchlerinnen“ und „Freikirchler“ sind ganz normale Menschen. Die meisten durchaus intelligent genug, für sich selber zu denken und ihre Meinung aus verschiedenen Quellen und Inspirationen zu bilden. Ich wünschte mir, dass die Öffentlichkeit das mehr anerkennt - aber auch die Leitungsgremien der Freikirchen, damit Diskurse geöffnet werden.



(Im angelsächsischen Raum ist dies bereits geschehen: Shane Claybourne und Brian McLaren plädieren für grundlegend andere Kirchenformen – beide auf unterschiedliche Weise. Die Sängerin Vicky Beeching hat extra einen Master in Theologie gemacht, um festzustellen, dass sich Homosexualität und Glaube nicht ausschliessen. Und der Pastor Rob Bell spaltet mit seinen kontroversen Ansichten zu verschiedenen Themen die amerikanischen Kirchen. So werden andere Ansichten als die traditionellen Überlieferungen zumindest zur Diskussion gestellt. Für Menschen, die im Glauben einfache Antworten suchen, macht es dies nicht einfacher. Aber selber denken rules!)

Freitag, 10. Oktober 2014

Frauen der Bibel

Die in der Bibel erwähnten Frauen sind so unterschiedlich wie die Frauen heute: Die einen sind in ihrem Leben grandios gescheitert, andere haben so viel Macht, dass sie Armeen in den Krieg führen. Die einen sind blutjung und wagen trotzdem Grosses, andere sind alt und erleben trotzdem noch Abenteuer.

Radio Life Channel kürt diese und nächste Woche die "Miss Bibel" - beziehungsweise, die Hörerinnen und Hörer können auf Facebook darüber abstimmen, welche Frau der Bibel sie am meisten beeindruckt. Pfarrer Philipp Kohli hat die zehn Finalistinnen ausgesucht und stellt sie kurz und spannend vor. Die ersten fünf Beiträge der Serie sind bereits online.

Et voilà:  

http://www.erf-medien.ch/de/Glauben-entdecken/Serien/Thema-der-Woche/Miss-Bibel-Wahl-Maria-von-Magdala

Mittwoch, 20. August 2014

Gottes weibliche Seiten

Bild via http://inspire-magazine-online.blogspot.ch
 
Ich glaube, Gott steht über Kategorien wie "schwarz" und "weiss", "Frau" und "Mann". Zwar nennt ihn Jesus "Vater", und wenn ich so darüber nachdenke, tue auch ich das beim Beten. Im hebräischen Urtext der Bibel wird Gott grammatikalisch als männlich definiert (Infos habe ich mangels eigener Hebräischkenntnisse von hier). 

So, wie aber jede/r von uns sogenannt "weibliche" als auch "männliche" Charakterzüge in sich vereint, denke ich, dass Gott nicht nur Eigenschaften besitzt, die traditionell als "männlich" gelten. Beispiel: "Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet." (Jesaja 66,13). Der starke Gott fühlt mit seinen Menschen und tröstet sie zärtlich - was für eine schöne Vorstellung. 

Andere weiblich konnotierte Eigenschaften, von denen ich überzeugt bin, dass Gott sie besitzt: Er freut sich an schönen Dingen in der Natur. Er kommuniziert seine Gefühle und Gedanken - in der Bibel manchmal ziemlich wortreich. (Beides kommt in den beiden Reden Gottes am Ende des Buches Hiob zum Ausdruck.) Er ist gerne Gastgeber und lädt Leute zu sich nach Hause, in den Himmel, ein.

Dazu der Kurzfilm "She" von NOOMA, den ich mir gestern im Gratis-Rental geschnappt habe. Die Aktion ist leider vorbei - anzuschauen gibt's den Film aber für knapp einen US-Dollar auf www.flannel.org.
 

Donnerstag, 7. August 2014

Vom "Berg" herab

Aus aktuellem Anlass - ich bin dieser Tage am Theologischen Seminar St. Chrischona - ein Radiobeitrag von vor einem Jahr. Je nach Ausbildungsort sind bis die Hälfte der Theologiestudierenden Frauen. Es interessierte mich, wo all diese Frauen nach dem Studium landen - auf den Kanzeln der Schweizer (Frei-)Kirchen nämlich kaum.


http://www.erf-medien.ch/de/Glauben-entdecken/Leben-im-Alltag/Kirche--Gesellschaft/Theologie-Die-Huerde-vom-Studium-in-den-Beruf-ist-fuer-Frauen-immer-noch-hoch

Beitrag: "Die Hürde vom Studium in den Beruf ist für Frauen immer noch hoch" (Radio Life Channel, 17. September 2013)




 
In St. Chrischona bin ich an einer summer school mit dem amerikanischen Theologen Greg Boyd. Er hat vor kurzem zusammen mit einer jungen Pastorin zu 1. Timotheus 2, 11-15 gepredigt - in einer Serie mit dem Titel "Twisted Scripture", "verdrehte Bibel". Hier zum Ansehen.


Donnerstag, 24. Juli 2014

"Feminism - Oh My God!"

I've felt the need to explain how I understand the term "feminism", and why I decided to use it in the name of my blog. The #FaithFeminisms synchronblog week gave me a reason to do that now.

Dieser Blogpost ist ausnahmsweise auf Englisch, weil ich ihn im Rahmen der "Faith Feminisms" (Glaube und Feminismus)-Blogwoche poste. Der Text ist inhaltlich eine grobe Übersetzung meines ersten Posts "Wo mein Herz schlägt".

I work as a journalist for a christian radio station. A few months ago, I covered a young leaders' conference. Looking through the programme of the weekend, it stroke me that none of the workshops and speeches - roughly a dozen - was held by a woman. During the interview with one of the promoters of the conference, I asked him about this. "Oh, I didn't even notice", he answered, and added defensively: "But anyway, we don't choose speakers because of their gender, but their competence and enthusiasm." 

How can a church hold a conference to inspire young leaders and ignore the women amongst those? Young women need role models; authentic, bright women they can identify with, in order to grow in their faith and develop leadership skills. 

This is not a minor issue. It's about making it clear to young women that they are gifted equally as men, that God calls them equally as men, and that the church needs them equally as men. If people "don't even notice" the lack of women opinion leaders (and, I'm sure, often this isn't even because they follow the complementarian concept of women and men in church, but just because they don't care), it's a shame.

This is not the only example I could tell. In my work, I find it difficult to find female interview partners in the evangelical sector. Much more than within the protestant church in Switzerland. Many christian women stop pursueing a career when they start a family - even today, and that's probably the main reason why they're often missing in boards of christian institutions and churches. They limit themselves to voluntary work instead of looking for senior and professional positions within the church. 

Sadly, I've also talked to several women who felt that it was their calling to study and teach, but who had trouble finding a job as a pastor. One lady even left her (evangelical) church because it wasn't accepted that she wanted to become a pastor, and joined the anglican church. I meet too many people who believe that Paul forbidding women in Ephesus to speak in church is still binding. And I am absolutely frustrated that the growing, modern church in my town still only employs male pastors based their association's interpretation of the famous 1 Timothy 2:11-12.

This is why I am a faith feminist.  

Feminism means to raise awareness for the lack of women on evangelical podiums. 

To encourage women to study theology, to preach, to become a pastor if they feel God calls them to. 

To eradicate the absurd fact that in some evangelical churches women are allowed to lead worship, teach children, teach adults in small groups, be a missionary, write books - but not to preach.

Feminism means urging churches to actively encourage women. And I'm not talking about the "You-Are-Beautiful-And-You-Are-Loved"-Seminars. I'm talking about hard core theology and intellectual discussions, about pastoral positions and church councils.

Feminism is about encouraging women to raise their voice and NOT remain silent in the churches. 

Montag, 21. Juli 2014

Das "Haupt der Frau"

Momentan ackere ich mich gerade durch theologische Grundlagentexte über die Rolle von Frauen in der Kirche. Einer davon ist der Standpunkt der FEG (Freie Evangelische Gemeinden) Schweiz: "Geistliche Leitung der Gemeinde durch Männer und Frauen" (2007)

Die Autoren sind der Meinung, dass nur Männer eine Kirchgemeinde leiten sollen. Sie argumentieren ausführlich. Das Killerargument stammt von Paulus aus 1. Korinter 11,3:


Auch aus an vielen anderen Stellen der Bibel geht hervor, dass Gott offenbar dem Mann in der Familie die Rolle des Verantwortungsträgers zugedacht hat. Obwohl mir das einiges Kopfzerbrechen bereitet hat, kann ich es aus einem bestimmten Verständnis von "Verantwortung" und "Haupt" heraus akzeptieren. In der Ehe kommt die Verschiedenheit von Männern und Frauen maximal zur Wirkung - deswegen scheint es nicht unlogisch, dass es dort auch unterschiedliche Rollen geben soll.


Was mir jedoch nicht einleuchtet: Warum überträgt man dieses Modell 1:1 auf die Kirche? Warum sollen sich Frauen anderen Männern unterordnen, mit denen sie keine persönliche Beziehung haben, wo es also überhaupt nicht darauf ankommt, welchem Geschlecht sie angehören? Die Bibelstellen dazu sind dürftig und die Auslegung offen. Meiner Meinung nach zu wenig stichhaltig, um daraus abzuleiten, dass Frauen zwar leitende Funktionen in einzelnen Teams und Diensten der Kirche haben dürfen, die Hauptleitungsfunktion jedoch Männern vorbehalten ist. 

Thoughts?

Anmerkung: Trotz dem Standpunktpapier, und obwohl auf der FEG-Website und in den Ressourcen nur von "Pastoren" die Rede ist, ist Frauen in den FEG Schweiz das Pastorenamt offenbar nicht grundsätzlich verboten. Das entnehme ich einem Zitat aus dem Anhang des Standpunkt-Papiers: "Die grosse Mehrheit der FEG Gemeinden vertritt die so genannte 'komplementäre Sicht', die auch in dieser Hilfestellung – wie bereits im Grundlagenpapier von 1994 – gegenüber der 'egalitären Sicht' vertreten wird. Einige Gemeinden vertreten die egalitäre Sicht und leben sie in der Praxis."
"egalitäre Sicht": Frauen und Männer übernehmen die gleichen Rollen
"komplementäre Sicht": Männer und Frauen übernehmen "unterschiedliche" Rollen (sprich: Männer können jede beliebige Funktion in der Gemeinde wahrnehmen, Frauen dürfen aber ihrerseits keine Gemeinde leiten.)