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Donnerstag, 15. Dezember 2016

Die Theologen-Filterbubble sprengen?

"Filterblase" ist Schweizer Wort des Jahres 2016. Meint: In sozialen Medien wird man einseitig informiert, weil der Algorithmus einem vor allem Artikel und Meinungen serviert, die zur eigenen Meinung passen. 

Ich vermute, auch theologisch gibt es eine Art "Filterbubble". Ich lese Bücher, Artikel und Blogs, höre Podcasts vor allem von Menschen, die ähnliche Ansichten haben wie ich. Nur schafft mir kein Algorithmus diese Blase, sondern ich habe sie mir selber gebaut: vor allem über meine Twitter-Bekanntschaften, denen ich folge, weil sie für mich interessante Meinungen und Artikel posten.

Von Berufes wegen habe ich in meiner Twitter-Timeline auch katholisch-konservative Medien und ich folge der EDU. Ansonsten ist meine Filterbubble aber ziemlich homogen: Theologinnen und Theologen, die wie ich ursprünglich einen evangelikalen Hintergrund haben, der ihnen jedoch zu eng wurde. Oder aus dem sie rausgeflogen sind, weil sie homo- oder transsexuell sind. Frauen, die sich mit feministischer Theologie beschäftigen. 

Podcaster, die ihrerseits eine Gruppe von ähnlich gesinnten zeitgenössischen TheologInnen unter sich herumreichen: Peter Rollins, Sarah Bessey, N.T. Wright, Rachel Held Evans oder Greg Boyd. Karl Barth taucht bei ihnen häufig auf und neuerdings auch Dorothee Sölle. Darf ich vorstellen: meine "Theologen-Filterbubble".

Im Grundkurs Dogmatik an der Uni bekommen wir einen ganz groben Überblick über theologische Positionen der Vergangenheit. Wir hören sowohl, wofür Martin Luther stand, als auch Anselm von Canterbury. Doch was ist danach? Wenn mir niemand mehr Positionen von rechts nach links vorstellt, sondern ich selber dafür verantwortlich bin? Werde ich mich dann noch damit befassen wollen, warum jemand die Taufe heilsnotwendig findet, Argumente hören wollen, warum man Gott in anderen Religionen auf keinen Fall begegnen kann, oder Calvins Thesen zur Prädestination lesen? 

Werde ich als Theologin später ohnehin mit anderen Ansichten innerhalb der christlichen Theologie konfrontiert werden? Oder muss ich meine Filterbubble sprengen?

Montag, 28. Juli 2014

"Kompetenzen haben kein Geschlecht"

Quelle: http://www.antonianumroma.org/
"An sich ist es Realität: Die Rolle der Frau in der kirchlichen Gemeinschaft war immer die der Unterstützung, die des Praktischen. Aber wahr ist auch: Man darf nicht festlegen, dies sei die Rolle der Frau. Kompetenzen haben kein Geschlecht. Wo es Kompetenz gibt und Qualifikation, auch etwa bei der Verwaltung einer Sache, da ist es Zeit, dass der Frau nicht bloss das Praktische überlassen wird, als hätte sie nicht die Fähigkeit oder die Reife zum Ausüben von Tätigkeiten, die hinausgehen über die so genannten niedrigen Dienste. Abwertend gesagt – denn in der Kirche ist letztlich alles Dienst. Es gibt in der Geschichte Beispiele von Frauen, die aussergewöhnlichen Weitblick, organisatorische Fähigkeiten und Kreativität an den Tag gelegt haben. In diesem Sinn glaube ich, Papst Franziskus hatte die Gabe, nüchtern eine Situation zu benennen, die in den kirchlichen Gemeinschaften leider oft gegeben ist.

Die Franziskanerin Mary Melone, erste Rektorin an einer Päpstlichen Universität, im Interview mit Radio Vatikan (26. Juli) auf den Hinweis, dass Papst Franziskus kürzlich bekannt habe, dass er leide, wenn er in der Kirche sehe, dass der Dienst der Frau "in Richtung einer Rolle der Fronarbeit" abgleite. Quelle: Katholische Presseagentur Kipa


Weitere interessante Statements zur Rolle der Frau in der katholischen Kirche im ausführlicheren Artikel bei Radio Vatikan.