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Donnerstag, 11. Februar 2016

Liebe Willow Creek, so geht das nicht.

Seit gestern läuft #LK16, der Leitungskongress des Kirchennetzwerks Willow Creek. Knapp 10'000 Leitungspersonen aus Frei- und Landeskirchen holen sich Inspiration, wie sie ihre Gemeinden beleben können. Natürlich hatte ich die Referentenliste mit dem "Quoten-Fokus" durchgescrollt, kaum war sie draussen. Sieben Männer, drei Frauen stehen auf der Bühne der TUI-Arena Hannover. Kein berauschender Frauenanteil, aber immerhin nicht null Rednerinnen.

Da der Hashtag #LK16 gestern auf meiner Twitter-Timeline ziemlich präsent war, drängte es sich auf, auch aus der Ferne eine Frage einzuwerfen: 
Im Programm hatte ich nichts dazu gefunden, obwohl für mich die Frauenfrage an einem solch grossen, schillernden Kongress eigentlich ein zwingender Programmpunkt gewesen wäre. (Bei solchen Sätzen tippe ich mir jeweils an den Kopf und wundere mich, dass ich 2016 noch sowas schreibe.)

Eine Antwort von Willow Creek liess nicht lange auf sich warten: 
Ich überflog kurz die "Team"-Section auf ihrer Website. Eigentlich war ich ja am Arbeiten. Deswegen bemerkte ich zwar, dass die Chefs alles Männer sind und die Frauen vor allem Sekretärinnen, aber dachte, immerhin hat es welche. Lassen wir mal gut sein. Mein Vorschlag, das Geschlechter-Ungleichgewicht beim nächsten Kongress zu thematisieren, brachte von Willow Creek ein "Danke, super Idee".

Alles okay. Bis ein anderer Twitter-User mich darauf aufmerksam machte, dass ich bezüglich Team-Zusammensetzung am falschen Ort geschaut hatte.



Liebe Willow Creek. So geht das nicht. Es mag ja einfach dumm gelaufen sein, dass die erste Frau am Kongress erst am frühen Abend auf der Bühne stand. Ungeschickt, dass das englische, geschlechtsneutrale Wort "Leader" in der Regel mit der männlichen Form "Leiter", statt mit dem neutralen "Leitende", übersetzt wird. Hier ausgerechnet in einem Zitat von Christine Caine: Sie hat das Netzwerk "Propel Women" gegründet für Frauen in leitenden Positionen.

 #LK16 @ChristineCaine pic.twitter.com/nMHYYHnUGr

Kann passieren. Aber ihr könnt nicht Kongresse darüber veranstalten, wie man zeitgemäss christliche Gemeinschaft (be)lebt, und im obersten Gremium eures Netzwerks einen Frauenanteil von praktisch Null haben. Schliesslich heisst es in eurem Vision Statement: "Jede Gemeinde soll ihr von Gott gegebenes Potenzial zur vollen Entfaltung bringen." Und nicht bloss 50 Prozent - oder 17, wie im Vorstand von Willow Creek DE!

(Ja, ich weiss, dass ihr bestimmt gerne mehr Frauen in eurem Vorstand hättet. Dass ihr sicher einige gefragt habt und die meisten abgesagt haben. Aber von nichts kommt nichts. Wenn man Frauen nicht an der Basis fördert, gibt es auch keine, die man für Leitungs- und Vorstandsfunktionen anfragen kann. Wer, wenn nicht ihr, könnte da in den evangelikalen Kirchen Grundlagenarbeit leisten? Lasst mich noch kurz aus eurem Mission Statement zitieren: "Durch Kongresse, Netzwerk, Ressourcen und Training unterstützt und fördert Willow Creek Deutschland/Schweiz haupt- und ehrenamtlich leitende Mitarbeiter (...)." Sofern das "Mitarbeiter" nicht tatsächlich wörtlich gemeint ist, sondern auch Frauen einschliesst, läuft bei euch etwas gewaltig schief.)


Update (13.2.): Hier die Stellungnahme von Anke Wiedekind, Vorstandsmitglied von Willow Creek DE. 

Liebe Evelyne,

danke für Dein Engagement für mehr Frauen in Lehr- und Leitungsfunktionen in der Kirche. Mir liegt das auch sehr am Herzen – als Frau, als Pfarrerin, als Willow-Vorstandsmitglied (und ich habe darüber auch in einer Promotion wissenschaftlich gearbeitet). Ich habe in der Kirche schon viel erlebt diesbezüglich, kann aber sagen, dass ich Willow Creek als einen Trendsetter im Positiven erlebe. Wir fördern auf den Kongressen gezielt potenzielle Führungskräfte, sowohl weibliche als auch männliche. So leisten wir einen Beitrag dafür, dass unter den Leitenden von morgen mehr Frauen sind als heute. Bezogen auf alle Mitarbeitende beim Leitungskongress 2016 sind 43,91 Prozent Frauen. Der Vorstand ist sehr engagiert in der Frage, mehr Frauen in den Vorstand zu bekommen, genauso mehr Rednerinnen auf die Bühne. Dies ist ein konstantes Thema in den Sitzungen. Dass es nicht immer gelingt, liegt an vielen Faktoren. Zum Beispiel ist es gar nicht so leicht, Rednerinnen zu finden, die meisten sind komplett ausgebucht - ein weiterer Beweis für die Berechtigung Deiner Kritik, keine Frage.

Willow Creek Deutschland ist ein Netzwerk und setzt als solches Akzente für einen höheren Frauenanteil. Unser Ziel ist es, junge Leiterinnen und Leiter gleichermaßen zu fördern, um langfristig ausgeglichene Verhältnisse auf allen Ebenen zu schaffen. Natürlich freuen wir uns, wenn wir in einen Austausch kommen können, wie wir weitere Akzente setzen können.

Deine Kritik richtete sich auch auf die Verwendung von teilweise maskulinen Begriffen, mit denen wir natürlich auch Frauen meinten. Da können wir nur sagen: „Danke“. Das ist noch nicht gelungen. Das werden wir beim nächsten Mal besser machen.

Viele Grüße

Anke Wiedekind
 

Mittwoch, 22. Juli 2015

Ist Kinderkriegen eine Falle?

Ich besitze eine Unmenge von Büchern. Bei den letzten beiden Umzügen sind jeweils etwa drei Dutzend rausgeflogen, in die Bücherbrocki. Viele sind geblieben. Und neben "Grimms Märchen" aus meiner Kindheit und einigen Romanen, an denen Erinnerungen hängen, ist eines meiner liebsten Bücher "Wahnsinns Frauen".

Es sind Biografien von kreativen, hochbegabten Frauen, die von ihrem Umfeld als "wahnsinnig" eingestuft wurden. Vermutlich waren einige unter ihnen tatsächlich psychisch labil veranlagt. Andere wurden es, weil sie von ihrer Familie, ihrem Mann oder von der Gesellschaft unterdrückt wurden. Nachdem ich die vielen Biografien zum ersten Mal gelesen habe, habe ich mir eines versprochen: Ich werde mich niemals von einem Mann einsperren lassen. Weder gedanklich, emotional, noch physisch.

Das Buch hat mich sensibilisiert, auch wenn die beschrieben Frauenschicksale (in Band 1 der Reihe "Wahnsinns Frauen") in der Vergangenheit schon einiges zurück liegen.

Vielleicht hat mich das Buch aber auch etwas traumatisiert. Das seelische Leiden der beschriebenen Frauen, das bei manchen zur Geisteskrankheit führte und bei einigen sogar bis hin zur Flucht in den Suizid, hat mich berührt. Und ich fühlte mich ihnen beim Lesen verwandt: Auch wenn ich mir nicht anmasse, auch nur annähernd so kreativ oder querdenkend zu sein wie sie, gehört eine gewisse intellektuelle Seite zu mir.

Ich habe im Gegensatz von vielen der "WahnsinnsFrauen" das Privileg, dass ich mein Leben frei gestalten kann. Ich bestimme selber, wovon ich mich vereinnahmen, "einsperren" lasse, und wie ich gewissen Dingen auch entgehen kann. Nun bin ich in einem Alter, in dem sich langsam die Frage stellt: Kinder, ja oder nein?
Und mit der Kinderfrage fühlt es sich an, als schwebe ein Damoklesschwert über meinem Kopf.  

Einerseits bin ich überzeugt und höre dies auch immer wieder von Eltern, dass es die ganze Mühe wert ist, Kinder grosszuziehen. Dass sie einen Dinge lehren und das Leben auf eine Weise bereichern, die unvergleichlich ist. Andererseits lese ich praktisch jede Woche Artikel wie diesen, diesen oder diesen, in denen mir vor Augen gehalten wird, wie schwierig und stressig und eigentlich unmöglich es ist, Eltern zu sein und gleichzeitig glücklich. Ich sehe die Eltern in meinem Umfeld, die mit Terminen, Gegenständen und Wünschen jonglieren. Die keine Zeit mehr dafür haben, ein Magazin zu lesen, die Rätsel in der Sonntagsausgabe der Zeitung zu lösen, zu bloggen, Filme anzuschauen. Bei einigen sehe ich, dass es klappen kann - aber nur mit einer minutiösen Organisation und der Hilfe von engagierten Grosseltern.

Ich fürchte mich vor dem „Eingesperrtsein“.
Frage mich, ob dieser Gedanke egoistisch ist. Ich denke an die "Wahnsinns Frauen" und an die "starken Frauen in der Kirche", meine Vorbilder, von denen viele keine Kinder haben. Ich habe Angst, nicht belastbar genug zu sein für das Mutter-sein. Nicht relaxed genug, um mir Freiheiten herauszunehmen, zum Beispiel Zeit zum Lesen. Und dass ich es mir mit der Entscheidung für Kinder verunmöglichen würde, beruflich Freude und Erfüllung zu behalten.

Denn ich möchte mich mein Leben lang weiterbilden. Nicht nur praktisch, emotional, im Leben mit einer Familie. Sondern auch intellektuell; mir Wissen aneignen, eine Meinung bilden und im Beruf auch Meinungen zu debattieren. Deswegen fürchte ich mich davor, in eine Falle zu tappen. Feststellen zu müssen, dass Eltern-sein vor allem belastend ist und nicht erfüllend. Dass es mit der Rollenteilung nicht so klappt, wie man es geplant hat. Und nicht zuletzt auch, dass mein Engagement für die Freiheit und Stärke der christlichen Frauen zerbröselt und ich mich selber enttäusche.

Aber was wird am Ende zählen? Welche Kompromisse sind akzeptabel? Und wo sperre ich mich selber ein? Ich frage mich, wie andere Frauen dies tun, die ähnlich funktionieren wie ich: Die Rolle als Mutter integrieren in die Persönlichkeit, ins Leben, ohne die wichtigsten anderen Teile zu verlieren. Momentan kann ich die Entscheidung noch vor mir her schieben. Aber irgendwann wird sie konkret - und dann will ich sie mit Überzeugung treffen können. 

Der Blogpost wäre eigentlich hier zu Ende. Bevor ich ihn veröffentlicht habe, stiess ich auf dem Blog "More than pretty" auf den Text "Berufung leben mit Kindern?" (Teil 1 und Teil 2). Was für eine Erleichterung: Ich bin nicht die einzige Frau, die sich diese Sorgen macht! Und Doris Lindsay erzählt hier aus eigener Erfahrung, wie sie ihren Weg auch mit Kindern konsequent weiter gehen konnte.

Montag, 22. Dezember 2014

Das boxende Schneewittchen: Aktuelle Artikel zum Thema

"Ach du Schreck, so viele Schneewittchen" (Anna Papathanasiou, "Christ & Welt" 53/2014)
"Schneewittchenfieber ist keine Bewegung. Vielmehr beobachte ich, dass die Frauen kapitulieren. Sie sehen keinen Sinn darin, die Strapazen der sogenannten Doppelbelastung auf sich zu nehmen, und bleiben lieber ganz zu Hause. Dort machen sie ihre Sache dann perfekt."

Monika Rühl: "Das Potenzial bei den Frauen ist begrenzt" (Interview "Nordwestschweiz", 17.12.2014, Thomas Schlittler und Gieri Cavelty)
"Einen fundamentalen Wechsel wird es nicht geben – auch darum, weil das Potenzial bei den Frauen begrenzt ist. Ich will keine Zwangsmassnahmen für Frauen, die ihre Kinder selber betreuen möchten."

"Notable Women On This Thing Called Feminism" (Jill Di Donato, "Huffington Post", 21.11.2014)
"We need a feminism that isn't afraid to love. We need to be careful of how we consume culture. We need to push back when we feel caged in as women. (...)  To me, these are feminism's goals. The following women explain it better than I, and in greater detail. Even if you think this message is familiar, read it again. Read what these women say, because even though there are no new stories, some bear repeating."

"Boxende Theologie-Studentin kämpft für Frauen im Priesteramt" (Hans Fahrländer, "Schweiz am Sonntag", 23.11.2014)
"Nach einem Tiefschlag aufstehen und weitermachen: Die Theologiestudentin Jacqueline Straub aus dem aargauischen Muri kämpft für die Frauenordination. In 10 bis 15 Jahren will die heute 24-Jährige Priesterin sein."

Mittwoch, 3. Dezember 2014

"Sind Frauen Menschen oder böse Tiere?"

Die erste Rabbinerin in der Schweiz, "Sind Frauen Menschen oder böse Tiere?", und das fehlende Frauenpriestertum: drei der Themen in der aktuellen Nummer der Zeitschrift "facultativ". Sie steht unter dem Titel "Frauen & Kirche" und kann gratis heruntergeladen werden, siehe hier. "Facultativ" ist die Zeitschrift der theologischen Fakultät der Universität Zürich. 


http://www.theologie.uzh.ch/fakultaet/dienstleistungen/oeffentlichkeitsarbeit/facultativ_02_2014_web.pdf

Dienstag, 18. November 2014

Krieg und Frieden

Zwei weise Männer haben mich mit ihren Worten in der letzten Woche getroffen - und verunsichert. Zwei Gelehrte, Theologen - und Friedensstifter. 

Der eine ist Greg Boyd, amerikanischer Theologe. Ihn durfte ich dieses Jahr in einer Summer School live erleben und von ihm lernen. Und - natürlich - ein kurzes Interview mit ihm führen für Radio Life Channel. Als ich dieses heute wieder gehört und für einen Beitrag geschnitten habe, hat es mich berührt. Thema des Beitrags ist die tiefe Spaltung der Kirchen in den USA über Themen wie LGBT, Empfängnisverhütung, Sozialwesen, Frauenrechte, Aussenpolitik... Ich habe Greg gefragt, ob es wohl möglich sei, über diese Kluft noch eine Brücke zu bauen. Er sagte: "Ja, wenn wir uns statt auf Politik wieder auf die Dinge konzentrieren, welche Jesus uns aufgetragen hat: Menschen zu lieben, wie er sie liebte, und uns für sie aufzuopfern, wie er das getan hat." 

Der zweite Theologe war Peter Henning, der bei ERF Medien letzte Woche einen Vortrag hielt. Auch hier ging es um eine Kirchenspaltung: Um die Reformation, die nun bald 500 Jahre her ist. Peter Henning zeigte uns in groben Zügen die Vorgänge auf, die zur Reformation führten und dazu, dass die Diskussionsvorschläge von Martin Luther einschlugen wie eine Bombe. Und: Er stellte einige Thesen auf, was die Reformation für uns als Medienunternehmen - abgesehen von Themen für Beiträge - bedeuten könnte. Einer der Punkte war, dass er uns riet, uns nicht an Schlammschlachten zu beteiligen. Konstruktive Beiträge dazu zu leisten, dass sich die Kirche eint, statt nur mit dem journalistischen Finger auf Missstände zu zeigen. 

Frieden stiften, praktisch im Alltag helfen, das berührte mich. Ich dachte darüber nach, wie das bei mir aussieht - im täglichen Leben, wo es sicher für jede und jeden Herausforderungen gibt mit Menschen, die Hilfe nötig hätten. Aber auch mit diesem Blog. Ich hinterfrage mein Anliegen immer wieder selber. Was will ich mit "Feminism - OMG!"? Ungerechtigkeit aufzeigen? Alternativen, Argumente sammeln? Ist mein Herzblut zum Thema "Frauen in der Kirche" aufrichtig, setze ich damit Zeit und Energie für eine gute, wichtige Sache ein? Irgendwie komme ich für mich immer wieder auf ein Ja zu all diesen Fragen.

Aber da ist noch das Kämpfen. Kämpfen statt Frieden stiften. Argumente liefern, die Fronten genauso gut noch tiefer trennen, als vereinen können.

Ich bin immer noch am Nachdenken darüber. Heute gingen mir zwei Gedanken durch den Kopf: Auch Jesus war nicht ein Friedensstifter im harmonischen Sinne. Er besass einen starken Kampfgeist, in manchen Situationen Wut, die sich manchmal handfest äusserte, oft aber vor allem in scharfen Dialogen mit der damaligen gelehrten Elite, den Pharisäern.

Zweitens erinnerte ich mich an eine Bibelstelle aus dem Buch des Predigers.

"Alles hat seine bestimmte Stunde, und jedes Vorhaben unter dem Himmel hat seine Zeit: Geborenwerden hat seine Zeit, und Sterben hat seine Zeit; (...) Steine schleudern hat seine Zeit, und Steine sammeln hat seine Zeit; Umarmen hat seine Zeit, und sich der Umarmung enthalten hat auch seine Zeit; (...) Zerreißen hat seine Zeit, und Flicken hat seine Zeit; Schweigen hat seine Zeit, und Reden hat seine Zeit; Lieben hat seine Zeit, und Hassen hat seine Zeit; Krieg hat seine Zeit, und Frieden hat seine Zeit." (Prediger 3, 1-8, Quelle: www.bibleserver.com)

Ich will weder Krieg, noch Töten oder Hassen, was alles in dieser Bibelstelle vorkommt. Es wäre heikel, diese Stelle jetzt auseinanderzunehmen. Aber nur die Idee: Vielleicht ist für mich die Zeit jetzt da, gegen die Hindernisse anzuschreiben, die Frauen oft in den Weg gestellt werden, wenn sie ihre Berufung (Epheser 4,11) ausleben möchten. Warum dieses Feuer so in mir glüht, dazu habe ich eine vage Vermutung. Wohin das aber führt? Keine Ahnung. Ich hoffe aber, dass "Feminism - OMG!" zum Frieden beiträgt, zu Gerechtigkeit. Damit Frauen und Männer Schulter an Schulter genau das tun können, wovon Greg Boyd sprach, als er im Interview vom Auftrag von Jesus erzählt, anstatt sich gegenseitig ein Bein zu stellen.

Mittwoch, 29. Oktober 2014

Neues Online-Magazin "Propel"

Die australische Pastorin, Aktivistin ("A-21"-Kampagne gegen Frauenhandel) und international gefragte Rednerin Christine Caine hat ein neues Eisen im Feuer: Das Online-Magazin "Propel - Women Who Lead". 

www.propelwomen.org
 
"Propel" ist ein englischsprachiges Online-Magazin, das sich an Frauen in Leitungspositionen richtet - an Powerfrauen wie Christine Caine selber. Titel passt: "to propel" heisst antreiben, motivieren. Das Magazin startet offiziell 2015, aber die Null-Ausgabe steht jetzt schon zum Download zur Verfügung. 

Für mich ist es eine tolle Mischung aus "Quitting is not an option" und "listen to God and to your heart" - die Haltung, die ich von Christine auch aus ihren Podcasts kenne. So viel authentischer und praktischer als die Philosophien der "Wohlstandsevangelisten", bei denen der Erfolg automatisch kommen soll, wenn man mit Gott lebt. Wozu auch harte Arbeit, Know-How, aber auch: Spass an der Arbeit? Sie verkörpert für mich eine Frau, die eine Berufung hat, diese kennt, und sich mit ihrer ganzen Leidenschaft dafür einsetzt. Das kommt auch im Magazin vor: Die Kernbegriffe "Passion", "Purpose" und "Potential" werden angetippt, aus der Sicht christlicher Unternehmerinnen und Kaderfrauen und mit biblischer Komponente

Ich lese Magazine zwar immer lieber offline als am Bildschirm und bin nicht begeistert vom Format über ISSUU. Abgesehen davon ist "Propel" aber interessant: ein attraktiv aufgemachtes Magazin mit eher kurzen Artikeln, Erfahrungsberichten von Unternehmerinnen anstatt zu vielen konkreten "So wird's gemacht!"-Tipps. Dann gibt's Kurzinterviews zum Thema Leiterschaft. Dazu ein Artikel mit statistischen Fakten zu den verschiedenen Lebensbereichen von Frauen (Studie für das Buch "Wonder Women", hab ich aber noch nicht gelesen).

Besonders angesprochen hat mich "Three Things I Would Tell My 20-Year-Old Self" von Carolyn Haggard. Zwar bin ich nicht mehr 20, aber da meine Karriereplanung natürlich noch nicht abgeschlossen ist, war der Artikel interessant. Vor allem zwei Punkte: 

1. Es gibt einen grossen Unterschied dazwischen, einen Titel zu besitzen, und Einfluss zu haben. Eigne dir lieber gezielt nützliche Kompetenzen an, anstatt den Fokus auf einen bestimmten Titel zu legen. Ich persönlich denke, beides schliesst sich nicht aus, aber es schadet nicht, sich die Chancen von Weiterbildungen und der Aneignung von Kompetenzen bewusst zu machen, die zu der angestrebten Position führen sollen.

2. Unterschied zwischen einem Lebenslauf (resume) und einem guten Ruf (reputation). Carolyn Haggard unterstreicht die Wichtigkeit, täglich professionell, engagiert, respektvoll zu arbeiten - zusammengefasst: die Wichtigkeit einer guten Arbeitsmoral. Für mich liegt der Wert da einerseits in der Authentizität und Vorbildfunktion einer Führungsperson. Andererseits glaube ich aber auch stark an Disziplin und Professionalität - auch als Teammitglied, um die anderen nicht hängen zu lassen. 

Beide Punkte gelten nicht spezifisch für Frauen. Wie auch viele der anderen Artikel in "Propel" nicht. Aber die Denkmuster von Frauen, eine gewisse Emotionalität, werden in dem Magazin auf konstruktive Weise aufgenommen, um Chancen und Strategien aufzuzeigen.

Ähnlich übrigens wie das Magazin "Ladies Drive" (Unterschied: dieses ist säkular, und auch offline erhältlich). 

Donnerstag, 18. September 2014

Es gibt genug fähige Frauen


Die Forderung steht wieder einmal im Raum: Diese Woche schlug Justizministerin Simonetta Sommaruga vor, dass börsenkotierte Unternehmen eine Frauenquote von 30 Prozent in ihren Verwaltungsräten haben sollten. 

Headhunterin Doris Aebi im Interview mit dem "Tages-Anzeiger": "Ich persönlich kann grundsätzlich mit oder ohne Frauenquote für Verwaltungsräte leben. Viel entscheidender für mich ist, dass die Rolle der Frauen im Verwaltungsrat ernst genommen wird."  

Bild: www.tagesschau.de

Während oft damit argumentiert wird, dass bei der Personalrekrutierung Kompetenz vor Geschlecht gehen muss und abschätzig von "Quotenfrauen" gesprochen wird, bin ich grundsätzlich für Frauenquoten. Offenbar geht zwar einiges vorwärts, wie dieser Beitrag im "10vor10" illustriert. Aber eine vorgeschriebene Frauenquote würde noch mehr Firmen dazu bringen, die Suche nach geeigneten Personen auszuweiten und die Stellenvergabe transparenter machen. Und noch nebenbei: 30 Prozent sind nicht viel. Im Gegenteil. Es ist eine Schande, dass der Frauenanteil heute bei den betreffenden Unternehmen nur bei 12 Prozent liegt.

Vor einem Jahr stellte meine Kollegin bei Radio Life Channel die Frage nach einer Frauenquote in der Kirchenleitung. (Der Kurzbeitrag kann online nachgehört werden.) Erst befragte sie den Schweizerischen katholischen Frauenbund. In der katholischen Kirche sind Frauen zwar in der Basis gut vertreten, jedoch aus dogmatischen Gründen vom Priesteramt ausgeschlossen. Die Präsidentin des Pfarrvereins der Zürcher Reformierten, Gina Schibler, meinte, dass es bei den Pfarrerinnen keine Quote mehr brauche. Sondern eher bei Ämtern wie Kirchenrat und Kirchenpflege. Ihr Kollege, der Zürcher Kirchenratspräsident Michel Müller, widersprach ihr, weil eine Frauenquote die Personalsuche für diese Ämter noch schwieriger gestalten würde. Das Verhältnis werde sich im Laufe der Zeit auch ohne Quote ausbalancieren, meint er. 

In Kirchen und Freikirchen eine Frauenquote durchsetzen zu wollen, wäre ein chancenloses Unterfangen. Pastorinnen, Pastoren werden von den Kirchenmitgliedern selbst gewählt. Wenn also eine Gemeinde keine Frau als Leitungsperson will, wird es auch keine geben. 

Wo aber meines Erachtens Frauenquoten Sinn machen würden, sind Ausbildungsstätten (siehe Universität Bern und auch der Streit an der Uni Basel). Kirchenpflege, Ältestenrat, Vorstand - in diesen Gremien gibt es heute schon Frauen, doch auch da wäre eine Frauenquote keine dumme Idee. Solche Positionen sind für Frauen theologisch sogar aus der komplementären Sichtweise vertretbar, da sie in diesen Ämtern weder eine Lehrfunktion, noch, genau genommen, eine Leitungsfunktion über dem Mann einnehmen. 

Wo Frauen in solchen Gremien vertreten sind, gewöhnen sich Männer wie auch die anderen Frauen innerhalb der Kirchgemeinde daran, dass Frauen mitreden. Man würde bei der Auswahl von Leuten zum Beispiel für einen Vorstand selbstverständlicher auch Frauen in Betracht ziehen. Frauen müssten mit mehr Engagement gefördert werden, um sie für solche Positionen fit zu machen. Wo Frauen mitreden dürfen, können sie beweisen, dass sie genauso weise und vom Heiligen Geist geleitet Entscheidungen beeinflussen können. Und schlussendlich würde diese Einsicht hoffentlich dazu führen, dass mehr Kirchgemeinden Frauen auch als Pastorinnen zulassen würden.

Insofern wäre eine Frauenquote in kirchlichen Gremien eine kleine Trittleiter. Wir schaffen es auch ohne - aber schaden würde sie nichts. Denn was Doris Aebi im "Tages-Anzeiger"-Interview in Bezug auf die Schweizer Verwaltungsräte sagt, gilt zweifellos auch für die Kirche: Es gibt genug fähige Frauen.  

Dienstag, 9. September 2014

Die Kirche hat ein Männerproblem

"Die Kirche ist verweiblicht" - diese These höre ich immer wieder mal. Weil Spiritualität, Gesang, Bibellesen, in-sich-gehen und überhaupt an etwas glauben, das man nicht direkt sieht, Frauen leichter fällt als Männern. Und: Weil Kirche, so wie sie ist, für Männer nicht attraktiv ist.

Reflexartig denke ich bei der These der verweiblichten Kirche: "Wer hat denn das Sagen?!" Männer prägen die Kirche viel stärker als Frauen. Doch es ist verzwickter.  

David Murrow hat darüber ein Buch geschrieben: "Why Men Hate Going to Church". Das Buch selber habe ich noch nicht gelesen, aber einen längeren Artikel von Murrow auf CBN.

"When men need spiritual sustenance, they go to the wilderness, the workplace, the garage, or the corner bar. They watch their heroes in the stadium or on the racetrack. They plunge into a novel or sneak off to a movie. Church is one of the last places men look for God." David Murrow

Die Kirche hat nicht nur ein Frauenproblem, sie hat auch ein Männerproblem. Schön, dass es Events gibt wie die ICF Men's World letztes Wochenende, die Männer (wahrscheinlich, ich war ja nicht dort) auf männliche Art und Weise ansprechen. Leider fiel aber die Berichterstattung unglücklich aus: "Die Hoffnung der Kirche sind die Männer", so der Titel des Artikels auf livenet.ch. "Na, dann können wir Frauen ja die Kirche sein lassen...", der Kommentar meiner Mitarbeiterin. 

Auch wenn der Redner dies wohl wortwörtlich so gesagt hat - so simpel ist auch das sicher nicht. Im Artikel wird angetönt, was er gemeint hat: Männer haben viel mehr Einfluss darauf, ob ihre Familien zur Kirche gehen oder nicht. Wenn eine verheiratete Frau frisch damit beginnt, sich in einer Kirche zu engagieren, ist die Wahrscheinlichkeit verschwindend klein, dass ihr Mann plötzlich mitkommt. Umgekehrt ist die Wahrscheinlichkeit hingegen relativ gross. Logisch, dass Kirchen also mehr daran liegen sollte, Männer besser zu erreichen. 

Interessanterweise sagt David Murrow, dass die Frauen dort wieder eine zentrale Rolle spielen: 

"I truly believe women must play a key role if men are to return. Because women dominate in attendance, leadership, and volunteerism, they hold great sway in the local church (even if they don’t realize it)."

Und dann kommt der Haken: 

"Women must humble themselves, pray, and allow the men of the church to lead the body toward an adventure. (...) Women, will you allow yourselves to be swept into this adventure, or will you stick with the safe, predictable, tried, and true? Will you allow men to take risks, dream big, and push the envelope within your local church? God made men for adventure, achievement, and challenge, and if they can’t find those things in church, they’re going to find them somewhere else. But if you allow your church to embark on a great adventure, the men will return. Slowly but surely, they will return."

Männer, die selbstbewusst, stark, liebevoll, schräg, echt, auf ihre Art und Weise Kirche mitgestalten? Ja, gerne! Aber nicht auf Kosten der Chancengleichheit. 

Tyler Vinyard an der ICF Men's World stiess ins gleiche Horn wie Murrow: 

"Tyler Vinyard sprach von 'Godly leaders', also göttlichen Leitern, die in der Familie, in der Kirche und in der Geschäftswelt den Unterschied machen könnten. Unter einem 'Godly leader' versteht er:

  • Leiter, die von göttlichen Prinzipien und Werten geleitet werden.
  • Leiter, die zu ihrer eigenen Verletzlichkeit stehen und dadurch glaubwürdig sind.
  • Leiter, die im Vertrauen auf den Herrn ruhen können und Gott erlauben, für sie und mit ihnen zu kämpfen.
  • Leiter, die erkennen, dass das Gute in ihrem Leben von oben kommt." (Quelle: livenet.ch)
Leider ging bei der Berichterstattung der nicht unbedeutende Fact unter, dass das englische Wort "leader" für Frauen wie für Männer gilt... Hier könnte man genauso gut "Leiterinnen und Leiter" schreiben.

Meiner Meinung nach bräuchte eine lebendige, attraktive Kirche weder Frauen, die sich bescheiden zurückziehen, um den Männern und ihren Abenteuern Platz zu machen; noch Frauen, die Männer aus dem Weg ellbögeln, um sich trotzig ihren Raum zu schaffen. Gegenseitiger Respekt, gleiche Rechte, die eigene Berufung auszuleben - ungeachtet des Geschlechts. Frauen, die Männer Männer sein lassen und ihre Andersartigkeit annehmen, und Männer, welche sich durch weise Theologinnen und selbstbewusste Pastorinnen nicht bedroht fühlen. 

Ja, gerne! www.beardedgospelmen.net
 

Donnerstag, 31. Juli 2014

"Lean In" (1)


Momentan höre ich mir als Audiobook "Lean In. Women, Work and the Will to Lead" von Sheryl Sandberg an. Darin fordert die Facebook-Managerin Frauen auf, in der Geschäftswelt für gleiche Rechte wie ihre Kollegen zu kämpfen. Sie erzählt aus ihrer eigenen Karriere und gibt Tipps für Frauen, die beruflich Erfolg haben wollen. 
Meine These ist, dass die Situation für Frauen in freikirchlichen Leitungsgremien ähnlich schwierig ist wie in den obersten Etagen der Konzerne. 
Fakt ist: Frauen sind massiv in der Unterzahl. Die Gründe dafür sind verschieden. Einerseits streben Frauen – genau wie in der Geschäftswelt – weniger häufig Leitungspositionen an. Sie werden aber auch viel weniger in eine entsprechende Richtung gefördert. Teilweise liegt das Problem auch bei Vorstandsgremien und Kirchgemeinden, die Frauen bei der Besetzung von leitenden Funktionen nicht berücksichtigen. Weil es relativ wenig berufstätige Frauen im freikirchlichen Berufsumfeld gibt, fehlen auch Netzwerke, um sich gegenseitig zu unterstützen. (Existierende Netzwerke siehe Links)
In den ersten Kapiteln von "Lean In" schreibt Sheryl Sandberg über den "Leadership ambition gap": Männer suchen aktiv Leitungspositionen, Frauen warten darauf, dass sie ihnen angeboten werden. 

Wenn ein Job als "verantwortungsvoll" und "herausfordernd" beschrieben wird, bewerben sich Frauen weniger: Wir zweifeln viel eher an unseren Fähigkeiten. Wir bewerben uns nur für eine Stelle, wenn wir alle Punkte des Anforderungsprofils erfüllen, während Männer sich auch bewerben, wenn ihnen theoretisch einige Voraussetzungen fehlen (siehe aktuelle Studie hier und etwas ältere Umfrage hier). Und wenn Frauen einen Karriereschritt tun, beschleicht viele unweigerlich das Gefühl, dass jemand merken könnte, dass es eine Schuhgrösse zu gross ist für sie. ("Feeling like a fraud", schreibt Sheryl Sandberg, "Sich als Betrügerin fühlen".) Männer gehen sorgloser an eine neue Stelle heran, weil sie wissen, dass sie darin hereinwachsen werden.

Sheryl Sandberg erzählt, wie sie in den verschiedenen Stellen, die sie bisher innehatte, immer dazugelernt hat, auch wenn sie die Anforderungen objektiv gesehen bei Stellenantritt noch nicht erfüllte. Die Jobs hatte sie trotzdem bekommen, weil sie bei ihrer Bewerbung mit anderen Fähigkeiten überzeugte. Und vor allem mit der Haltung: "Das kann (und will) ich lernen" - offenbar die Haltung, die Männer viel selbstverständlicher innehaben als Frauen. 

Ein Schlüsselsatz aus "Lean In": Möglichkeiten werden einem selten angeboten - man muss sie ergreifen. Ich denke, ganz allgemein stimmt dies für vieles im Leben. Man kommt nirgendwo hin, wenn man vorsichtig in einer Warteposition verharrt. 

Andererseits glaube ich auch, dass Gott einem manchmal Türen öffnet. Ich habe dies ganz oft erlebt. Zum Beispiel bei meiner jetzigen Stelle: Über ein christliches Netzwerk flog mein Kurz-CV meinem Chef genau zu dem Zeitpunkt in die Inbox, als er eine Redaktionsstelle ausschreiben wollte. Er rief mich an und ich mailte ihm meine Bewerbungsunterlagen, bevor ich am nächsten Tag für knapp zwei Monate nach Südostasien flog. Später sprachen wir noch einmal über Skype, beide Seiten hatten den Eindruck, dass es passte, und als ich wieder zurück in der Schweiz war, besuchte ich zum ersten Mal mein zukünftiges Büro und unterschrieb den Arbeitsvertrag. 

Ein Jahr später schaue ich zurück mit der Gewissheit, dass ich genau an dem Ort bin, an den ich im Moment hingehöre. Die Arbeit macht mir Spass, und ich bin darin hineingewachsen. Ich arbeite als Radiojournalistin, obwohl ich die unterschiedlichen Arbeitsweisen im Vergleich zum Print-Journalismus erst lernen musste. Das Themenfeld "Kirche und Gesellschaft" ist ein ganz anderes als was ich studiert hatte, "Kunst und Kultur". Auch von der ganzen Technik hatte ich natürlich keine Ahnung - aber ich wusste, dass ich eine gute Auffassungsgabe habe und traute mir zu, all das Neue zu lernen.  

Gott öffnet Türen - durchgehen muss man aber selber! Und ich glaube, wir Frauen dürfen uns da oft mehr zutrauen.

Donnerstag, 24. Juli 2014

"Feminism - Oh My God!"

I've felt the need to explain how I understand the term "feminism", and why I decided to use it in the name of my blog. The #FaithFeminisms synchronblog week gave me a reason to do that now.

Dieser Blogpost ist ausnahmsweise auf Englisch, weil ich ihn im Rahmen der "Faith Feminisms" (Glaube und Feminismus)-Blogwoche poste. Der Text ist inhaltlich eine grobe Übersetzung meines ersten Posts "Wo mein Herz schlägt".

I work as a journalist for a christian radio station. A few months ago, I covered a young leaders' conference. Looking through the programme of the weekend, it stroke me that none of the workshops and speeches - roughly a dozen - was held by a woman. During the interview with one of the promoters of the conference, I asked him about this. "Oh, I didn't even notice", he answered, and added defensively: "But anyway, we don't choose speakers because of their gender, but their competence and enthusiasm." 

How can a church hold a conference to inspire young leaders and ignore the women amongst those? Young women need role models; authentic, bright women they can identify with, in order to grow in their faith and develop leadership skills. 

This is not a minor issue. It's about making it clear to young women that they are gifted equally as men, that God calls them equally as men, and that the church needs them equally as men. If people "don't even notice" the lack of women opinion leaders (and, I'm sure, often this isn't even because they follow the complementarian concept of women and men in church, but just because they don't care), it's a shame.

This is not the only example I could tell. In my work, I find it difficult to find female interview partners in the evangelical sector. Much more than within the protestant church in Switzerland. Many christian women stop pursueing a career when they start a family - even today, and that's probably the main reason why they're often missing in boards of christian institutions and churches. They limit themselves to voluntary work instead of looking for senior and professional positions within the church. 

Sadly, I've also talked to several women who felt that it was their calling to study and teach, but who had trouble finding a job as a pastor. One lady even left her (evangelical) church because it wasn't accepted that she wanted to become a pastor, and joined the anglican church. I meet too many people who believe that Paul forbidding women in Ephesus to speak in church is still binding. And I am absolutely frustrated that the growing, modern church in my town still only employs male pastors based their association's interpretation of the famous 1 Timothy 2:11-12.

This is why I am a faith feminist.  

Feminism means to raise awareness for the lack of women on evangelical podiums. 

To encourage women to study theology, to preach, to become a pastor if they feel God calls them to. 

To eradicate the absurd fact that in some evangelical churches women are allowed to lead worship, teach children, teach adults in small groups, be a missionary, write books - but not to preach.

Feminism means urging churches to actively encourage women. And I'm not talking about the "You-Are-Beautiful-And-You-Are-Loved"-Seminars. I'm talking about hard core theology and intellectual discussions, about pastoral positions and church councils.

Feminism is about encouraging women to raise their voice and NOT remain silent in the churches. 

Dienstag, 15. Juli 2014

Wo mein Herz schlägt.


Als Journalistin für einen christlichen Radiosender begegnet mir diese Situation immer wieder: Ich scrolle mich durch das Programm eines Kongresses und es fällt mir unweigerlich auf, dass wenig bis keine Frauen als Rednerinnen eingeladen wurden. Das selbe, wenn ich AnsprechpartnerInnen in freikirchlichen Verbänden suche: fast nur Männer in den leitenden Positionen. Und privat besuche ich seit einem halben Jahr eine modern ausgerichtete Freikirche, habe aber dort noch nie eine Frau predigen gehört. Ok, einmal: in einer "Ladies' celebration".
Auf den christlichen Bühnen fehlen die Frauen. 

Vor ein paar Monaten sprach ich einen der Organisatoren eines Kongresses für Jugendleiterinnen und –Leiter darauf an, dass von über einem Dutzend (!) Vorträgen und Workshops kein einziger von einer Frau geleitet wurde. Er reagierte mit Erstaunen. Das sei ihm gar nicht aufgefallen. 

Als Frau in der Kirche brauche ich Pastorinnen, als Vorbilder und Identifikationsfiguren. Als Journalistin will ich kompetente und interessante Ansprechpartnerinnen - und zwar auch im (frei-)kirchlichen Bereich. Beides fehlt mir oft, und diese Situation frustriert mich immer stärker. 
Und dann gibt es die inspirierenden Begegnungen, die mein Herz stärker schlagen lassen: Gespräche mit Frauen, die ihren Weg in der Kirche gehen. Starke Frauen, die mir Vorbilder sind. Weil sie sich in ihrer Berufung nicht einschränken lassen von Leuten, die finden, Frauen dürften dies und das nicht. Jedenfalls nicht in der Kirche. 
Mit diesem Blog will ich konstruktive Gedanken, Links, Texte und Videos zum Thema sammeln. Gedanken, die Frauen ermutigen, ihre Berufung innerhalb der Kirche zu verfolgen und wahrzunehmen. Es geht nicht um Selbstverwirklichung. Sondern darum, unseren Platz als Frauen einzunehmen - auch wenn er am Rednerpult ist.
Frauen sollen im Gottesdienst predigen – nicht „nur“ Musik machen. Frauen sollen Bibelstunden leiten und nicht „nur“ Kindergottesdienst. Studiengänge mit dem Berufsziel Pastor müssen für Frauen attraktiv angepriesen werden. Es braucht mehr Dozentinnen an den theologischen Ausbildungsstätten. Und Frauen müssen in Vorständen von Kirchen und christlichen Institutionen vertreten sein. 


Eine Fussnote: Mit meinen Beobachtungen bewege ich mich im freikirchlichen Bereich. Die evangelisch-reformierte Landeskirche ist in Punkto Gleichberechtigung bereits viel weiter, während in der katholischen Kirche die Situation brodelt, aber festgefahren ist.