Ich habe vor, wieder mehr off-topic zu bloggen. Nicht direkt über Frauen in der Kirche, sondern mehr über Leben und Glauben aus meiner Perspektive. Kurz, lose, random, nicht wirklich redigiert. #wasmitTheologie.
Zu christlicher Musik könnte man wunderbare Bullshit-Bingos machen. Oder so Songbücher wie die horizontal dreigeteilten Kinderbücher, wo Kopf, Rumpf und Beine verschiedener Tiere zusammen ein Fantasiewesen ergeben. "Holy", "Halleluja", drei Akkorde drunter, ein ätherisches Klangbett und voilà, fertig ist der 08/15-Worshipsong. Gotteslob in Ehren, aber Seele ist da ganz selten drin.
Und dann gibt es diese eine christliche Band, die ihren Songs Titel gibt wie "Magic" oder "Let Bad Religion Die": Gungor. Ihre Werke haben Sprengkraft, sind pure Theologie, in Kunst gepackt. Der Song "Beautiful Things" ist mittlerweile auch hier bekannt, er ist aber harmlos, verglichen mit anderen ihrer Titel. Ein Song von Gungor beginnt mit der Zeile "God is not a man", und der Chorus eines anderen lautet "If it's us or them, it's us for them". In "Light" verarbeiten sie ganz ehrlich die Erfahrung, ein Kind mit Down-Syndrom bekommen zu haben.
Gungor sind furchtlos. Sie machen mit ihrem Künstlerkollektiv "The Liturgists" ehrliche, tiefgründige, mutige Kunst. Theologiekunst, angewandte Theologie, welche mich tief berührt, zum Nachdenken bringt und mich spirituell prägt.
Zum Beispiel ihre modernen Liturgien, wie "Garden" für Karfreitag/Ostern: Spoken Word von den Theologen Rachel Held Evans und Rob Bell, eine zwanzigminütige, angeleitete Meditation ("Centering Prayer") vom exzentrischen Theologen/Wissenschaftsfreak "Science Mike" McHague. Songs von Gungor mit Texten wie "Oh my God, where are you?". Vor solchen Fragen haben sie keine Angst. "The Liturgists" machen Podcasts zu Themen wie "Pro-life, pro choice", "Sin" oder "Safe Church". (Und ja, auch zu "Genesis and Evolution" oder "LGBTQ".) Manchmal - oft! - werden Fragen gestellt, diskutiert, aber nicht abschliessend beantwortet. Es entsteht Raum fürs Denken, fürs Fühlen, für den Heiligen Geist.
Auch an ihren Events, bei denen ich wünschte, ich könnte dabeisein... "Lost & Found": "An interactive storytelling experience about the tension between science
and religion, and why so many people leave faith behind." Oder "Belong": "Belong is a safe place to have honest discussions about doubts, hopes,
fears, and faith. A place where no question is off limits, but you can
find a burgeoning community of people who will welcome you with all your
strangeness."
Ich bin mir völlig bewusst, wie schwärmerisch das alles klingt. Aber Gungor geben mir so viel Hoffnung! Sie schaffen Heimat für Menschen, die von der herkömmlichen Institution Kirche enttäuscht sind. Die mehr wollen, echtes wollen, nicht Rezeptglauben mit Manipulationsfaktor. Selber denken, aber auch selber fühlen. Zweifeln und fragen, aber auch wachsen und finden. "Seek and you shall find!"
Gungor haben soeben ihr neues Album "One Wild Life: Spirit" veröffentlicht, der zweite Teil einer Album-Trilogie. Es ist eine geballte Ladung Inspiration mit grossartiger Musik. Und hier kann man reinhören: In der neusten Folge ihres "The Liturgists"-Podcasts sprechen sie über das Album und die einzelnen Songs werden ansgespielt.
Sidenote: Gungor laufen auch im Programm von Radio Life Channel. Wir sind nämlich dort auch keine Fans von 08/15-Worship und Rezeptglauben.
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Donnerstag, 17. März 2016
Donnerstag, 11. Februar 2016
Liebe Willow Creek, so geht das nicht.
Seit gestern läuft #LK16, der Leitungskongress des Kirchennetzwerks Willow Creek. Knapp 10'000 Leitungspersonen aus Frei- und Landeskirchen holen sich Inspiration, wie sie ihre Gemeinden beleben können. Natürlich hatte ich die Referentenliste mit dem "Quoten-Fokus" durchgescrollt, kaum war sie draussen. Sieben Männer, drei Frauen stehen auf der Bühne der TUI-Arena Hannover. Kein berauschender Frauenanteil, aber immerhin nicht null Rednerinnen.
Da der Hashtag #LK16 gestern auf meiner Twitter-Timeline ziemlich präsent war, drängte es sich auf, auch aus der Ferne eine Frage einzuwerfen:
Eine Antwort von Willow Creek liess nicht lange auf sich warten:
Alles okay. Bis ein anderer Twitter-User mich darauf aufmerksam machte, dass ich bezüglich Team-Zusammensetzung am falschen Ort geschaut hatte.
Liebe Willow Creek. So geht das nicht. Es mag ja einfach dumm gelaufen sein, dass die erste Frau am Kongress erst am frühen Abend auf der Bühne stand. Ungeschickt, dass das englische, geschlechtsneutrale Wort "Leader" in der Regel mit der männlichen Form "Leiter", statt mit dem neutralen "Leitende", übersetzt wird. Hier ausgerechnet in einem Zitat von Christine Caine: Sie hat das Netzwerk "Propel Women" gegründet für Frauen in leitenden Positionen.
#LK16 @ChristineCaine pic.twitter.com/nMHYYHnUGr
Kann passieren. Aber ihr könnt nicht Kongresse darüber veranstalten, wie man zeitgemäss christliche Gemeinschaft (be)lebt, und im obersten Gremium eures Netzwerks einen Frauenanteil von praktisch Null haben. Schliesslich heisst es in eurem Vision Statement: "Jede Gemeinde soll ihr von Gott gegebenes Potenzial zur vollen Entfaltung bringen." Und nicht bloss 50 Prozent - oder 17, wie im Vorstand von Willow Creek DE!
(Ja, ich weiss, dass ihr bestimmt gerne mehr Frauen in eurem Vorstand hättet. Dass ihr sicher einige gefragt habt und die meisten abgesagt haben. Aber von nichts kommt nichts. Wenn man Frauen nicht an der Basis fördert, gibt es auch keine, die man für Leitungs- und Vorstandsfunktionen anfragen kann. Wer, wenn nicht ihr, könnte da in den evangelikalen Kirchen Grundlagenarbeit leisten? Lasst mich noch kurz aus eurem Mission Statement zitieren: "Durch Kongresse, Netzwerk, Ressourcen und Training unterstützt und fördert Willow Creek Deutschland/Schweiz haupt- und ehrenamtlich leitende Mitarbeiter (...)." Sofern das "Mitarbeiter" nicht tatsächlich wörtlich gemeint ist, sondern auch Frauen einschliesst, läuft bei euch etwas gewaltig schief.)
Update (13.2.): Hier die Stellungnahme von Anke Wiedekind, Vorstandsmitglied von Willow Creek DE.
Liebe Evelyne,
danke für Dein Engagement für mehr Frauen in Lehr- und Leitungsfunktionen in der Kirche. Mir liegt das auch sehr am Herzen – als Frau, als Pfarrerin, als Willow-Vorstandsmitglied (und ich habe darüber auch in einer Promotion wissenschaftlich gearbeitet). Ich habe in der Kirche schon viel erlebt diesbezüglich, kann aber sagen, dass ich Willow Creek als einen Trendsetter im Positiven erlebe. Wir fördern auf den Kongressen gezielt potenzielle Führungskräfte, sowohl weibliche als auch männliche. So leisten wir einen Beitrag dafür, dass unter den Leitenden von morgen mehr Frauen sind als heute. Bezogen auf alle Mitarbeitende beim Leitungskongress 2016 sind 43,91 Prozent Frauen. Der Vorstand ist sehr engagiert in der Frage, mehr Frauen in den Vorstand zu bekommen, genauso mehr Rednerinnen auf die Bühne. Dies ist ein konstantes Thema in den Sitzungen. Dass es nicht immer gelingt, liegt an vielen Faktoren. Zum Beispiel ist es gar nicht so leicht, Rednerinnen zu finden, die meisten sind komplett ausgebucht - ein weiterer Beweis für die Berechtigung Deiner Kritik, keine Frage.
Willow Creek Deutschland ist ein Netzwerk und setzt als solches Akzente für einen höheren Frauenanteil. Unser Ziel ist es, junge Leiterinnen und Leiter gleichermaßen zu fördern, um langfristig ausgeglichene Verhältnisse auf allen Ebenen zu schaffen. Natürlich freuen wir uns, wenn wir in einen Austausch kommen können, wie wir weitere Akzente setzen können.
Deine Kritik richtete sich auch auf die Verwendung von teilweise maskulinen Begriffen, mit denen wir natürlich auch Frauen meinten. Da können wir nur sagen: „Danke“. Das ist noch nicht gelungen. Das werden wir beim nächsten Mal besser machen.
Viele Grüße
Anke Wiedekind
Da der Hashtag #LK16 gestern auf meiner Twitter-Timeline ziemlich präsent war, drängte es sich auf, auch aus der Ferne eine Frage einzuwerfen:
Im Programm hatte ich nichts dazu gefunden, obwohl für mich die Frauenfrage an einem solch grossen, schillernden Kongress eigentlich ein zwingender Programmpunkt gewesen wäre. (Bei solchen Sätzen tippe ich mir jeweils an den Kopf und wundere mich, dass ich 2016 noch sowas schreibe.)Ist der geringe Frauenanteil in der Leiterschaft von evangelikalen Kirchen/Lösungsansätze dafür eigtl ein Thema am #LK16? @willowcreek_de— Evelyne Baumberger (@evelyne_lynn) 11. Februar 2016
Eine Antwort von Willow Creek liess nicht lange auf sich warten:
Ich überflog kurz die "Team"-Section auf ihrer Website. Eigentlich war ich ja am Arbeiten. Deswegen bemerkte ich zwar, dass die Chefs alles Männer sind und die Frauen vor allem Sekretärinnen, aber dachte, immerhin hat es welche. Lassen wir mal gut sein. Mein Vorschlag, das Geschlechter-Ungleichgewicht beim nächsten Kongress zu thematisieren, brachte von Willow Creek ein "Danke, super Idee"..@evelyne_lynn nicht unmittelbar in den Beiträgen, aber ganz sicher in vielen Gesprächen und in der konkreten Umsetzung in unseren Teams.— Willow Creek (@willowcreek_de) 11. Februar 2016
Alles okay. Bis ein anderer Twitter-User mich darauf aufmerksam machte, dass ich bezüglich Team-Zusammensetzung am falschen Ort geschaut hatte.
@evelyne_lynn @willowcreek_de Erschreckend ist die Männer/Frauen Ratio im Vorstand D: 12 M/2 F und CH: 9M/0F https://t.co/PpGId6Nyab— bjoernwagner (@bjoernwagner) 11. Februar 2016
Liebe Willow Creek. So geht das nicht. Es mag ja einfach dumm gelaufen sein, dass die erste Frau am Kongress erst am frühen Abend auf der Bühne stand. Ungeschickt, dass das englische, geschlechtsneutrale Wort "Leader" in der Regel mit der männlichen Form "Leiter", statt mit dem neutralen "Leitende", übersetzt wird. Hier ausgerechnet in einem Zitat von Christine Caine: Sie hat das Netzwerk "Propel Women" gegründet für Frauen in leitenden Positionen.
#LK16 @ChristineCaine pic.twitter.com/nMHYYHnUGr
— Willow Creek (@willowcreek_de) 11. Februar 2016
Kann passieren. Aber ihr könnt nicht Kongresse darüber veranstalten, wie man zeitgemäss christliche Gemeinschaft (be)lebt, und im obersten Gremium eures Netzwerks einen Frauenanteil von praktisch Null haben. Schliesslich heisst es in eurem Vision Statement: "Jede Gemeinde soll ihr von Gott gegebenes Potenzial zur vollen Entfaltung bringen." Und nicht bloss 50 Prozent - oder 17, wie im Vorstand von Willow Creek DE!
(Ja, ich weiss, dass ihr bestimmt gerne mehr Frauen in eurem Vorstand hättet. Dass ihr sicher einige gefragt habt und die meisten abgesagt haben. Aber von nichts kommt nichts. Wenn man Frauen nicht an der Basis fördert, gibt es auch keine, die man für Leitungs- und Vorstandsfunktionen anfragen kann. Wer, wenn nicht ihr, könnte da in den evangelikalen Kirchen Grundlagenarbeit leisten? Lasst mich noch kurz aus eurem Mission Statement zitieren: "Durch Kongresse, Netzwerk, Ressourcen und Training unterstützt und fördert Willow Creek Deutschland/Schweiz haupt- und ehrenamtlich leitende Mitarbeiter (...)." Sofern das "Mitarbeiter" nicht tatsächlich wörtlich gemeint ist, sondern auch Frauen einschliesst, läuft bei euch etwas gewaltig schief.)
Update (13.2.): Hier die Stellungnahme von Anke Wiedekind, Vorstandsmitglied von Willow Creek DE.
Liebe Evelyne,
danke für Dein Engagement für mehr Frauen in Lehr- und Leitungsfunktionen in der Kirche. Mir liegt das auch sehr am Herzen – als Frau, als Pfarrerin, als Willow-Vorstandsmitglied (und ich habe darüber auch in einer Promotion wissenschaftlich gearbeitet). Ich habe in der Kirche schon viel erlebt diesbezüglich, kann aber sagen, dass ich Willow Creek als einen Trendsetter im Positiven erlebe. Wir fördern auf den Kongressen gezielt potenzielle Führungskräfte, sowohl weibliche als auch männliche. So leisten wir einen Beitrag dafür, dass unter den Leitenden von morgen mehr Frauen sind als heute. Bezogen auf alle Mitarbeitende beim Leitungskongress 2016 sind 43,91 Prozent Frauen. Der Vorstand ist sehr engagiert in der Frage, mehr Frauen in den Vorstand zu bekommen, genauso mehr Rednerinnen auf die Bühne. Dies ist ein konstantes Thema in den Sitzungen. Dass es nicht immer gelingt, liegt an vielen Faktoren. Zum Beispiel ist es gar nicht so leicht, Rednerinnen zu finden, die meisten sind komplett ausgebucht - ein weiterer Beweis für die Berechtigung Deiner Kritik, keine Frage.
Willow Creek Deutschland ist ein Netzwerk und setzt als solches Akzente für einen höheren Frauenanteil. Unser Ziel ist es, junge Leiterinnen und Leiter gleichermaßen zu fördern, um langfristig ausgeglichene Verhältnisse auf allen Ebenen zu schaffen. Natürlich freuen wir uns, wenn wir in einen Austausch kommen können, wie wir weitere Akzente setzen können.
Deine Kritik richtete sich auch auf die Verwendung von teilweise maskulinen Begriffen, mit denen wir natürlich auch Frauen meinten. Da können wir nur sagen: „Danke“. Das ist noch nicht gelungen. Das werden wir beim nächsten Mal besser machen.
Viele Grüße
Anke Wiedekind
Sonntag, 7. Dezember 2014
Das "Shabby-Chic"-Biotop
Und einmal mehr eine christliche Veranstaltung mit 14 männlichen Speakers (und, ferner lief, die Ehefrau des einen). #ärger #FeminismOMG
— Evelyne Baumberger (@evelyne_lynn) 3. Dezember 2014
Sie haben's schon wieder getan. "Studientage für dich und deine Kirche", heisst es in der Ausschreibung des neusten freikirchlichen Events in der Schweiz. Wohl vorausgesetzt, "deiner Kirche" sind Frauen egal.
Als ich diese Woche das Programm der Konferenz "Elevate 2015" mit der rein männlichen Speakerliste sah, bin ich ziemlich wütend rüber ins Büro meiner Redaktionskollegen gestampft. "Ich darf ja dieses Thema wegen Befangenheit nicht mehr machen", sagte ich ihnen, "aber würde BITTE jemand von euch einen Beitrag darüber machen? Das. Geht. Einfach. Nicht."
Zurück an meinem Schreibtisch versuchte ich, meinen Ärger zu drosseln und das Beste aus der Situation zu machen: Ich schlug der SEA (Schweizerische Evangelische Allianz) per Mail vor, eine Frauenbeauftragte einzustellen. Denn offenbar geht es nicht ohne. Es steckt kein böser Wille hinter dem Problem (meistens zumindest), sondern blosse Ignoranz: Den meisten christlichen Leitungsgremien fehlt das Bewusstsein für Chancengleichheit.
Mit solchen Events raubt man(n) Frauen Chancen. Es geht nicht um die Einzelveranstaltung, sondern um eine grössere Perspektive: Rednerinnen und Redner sind die "Stars" der Szene, die Inspiratorinnen und Visonäre. Und ihre Namen ziehen Publikum an. Es ist wie bei den Bands an Festivals: Wer einmal gut war und das Publikum mitreissen konnte, wird wieder eingeladen. Nicht nur dort, auch von anderen. Wenn keine Frauen auftreten, ist dies also gleich doppelt fatal: Erstens, weil der betreffenden Konferenz dann etwas fehlt und zweitens, weil keine neue Frau in diesen "Zirkus" der christlichen Speaker eingebracht wurde.
Damit stellen sich zwei Fragen.
1. Warum ist man da nicht schon viel weiter?
Und 2. Warum braucht es überhaupt Frauen auf christlichen Bühnen?
Warum ist es noch nicht normal, dass an christlichen Konferenzen Frauen sprechen und predigen? Mein Redaktionskollege, der sich des Themas angenommen hat, bemerkte, dass die meisten Frauen das offenbar selber gar nicht vermissen. Deswegen geht auch niemand auf die Barrikaden, und deshalb geht der Wandel auch so langsam. Obwohl Frauen mehr als die Hälfte der Kirchenmitglieder ausmachen, leben sie in einer Art Biotop. Ein Biotop, an dessen Eingang ein Schild "Wohlfühlen und Auftanken" hängt, liebevoll in trendy "Shabby Chic"-Stil dekoriert ist und wo man Chai-Tee trinkt und vielleicht hin und wieder einen Hugo. Wenn der Mann an einem Abend mal die Kinder übernimmt; er isch jo so en Guete. Innerhalb dieses Biotops gibt es reichlich Vorbilder und bewundernswerte Frauen.
Frauen wie Lisa Bevere, Autorin von Büchern wie "Lioness: Arise!" und "Girls With Swords"; zum Beispiel. Die eigentlich eine kämpferische, motivierende Message beinhalten und im Frauen-Biotop auf fruchtbaren Boden fallen, viel gelesen werden, aber wohl auch innerhalb dieses Biotops bleiben. Denn immer ist das Frau-Sein das zentrale Thema. "Was ist meine Rolle?" - "Was ist meine Berufung?" Solange es dieses "Shabby-Chic"-Biotop noch gibt und Frauen sich so absondern, geht es nicht um übergeschlechtliche Inhalte. Und Männer merken nicht, dass Frauen auch zu frauenunabhängigen Themen valable Speaker sind.
Ich mag Frauenfrühstücke und Ladies Events. Und gerade für Mütter sind solche Anlässe wohl sowas wie Ausgang - erfrischend und eine Abwechslung. Es ist gemütlich, unter Frauen zu sein. Und das ist der Punkt - es ist zu gemütlich. Das Frauen-Biotop gehört abgeschafft. Denn solange es diesen geschützten Rahmen im grossen Stil gibt, schliessen wir uns selber von den Bühnen der geschlechter-übergreifenden Veranstaltungen aus.
Womit wir bei der zweiten Frage sind, die ganz einfach zu beantworten ist: Warum braucht es überhaupt Frauen auf christlichen Bühnen? Weil Frauen genauso etwas zu sagen haben wie Männer. Und, langfristiger gedacht: Weil junge Frauen Vorbilder brauchen, die ihnen zeigen, dass auch sie den Mund aufmachen dürfen und sollen. Und zwar nicht nur im Frauen-Biotop - auch vor einem gemischten Publikum.
Lisa Bevere war übrigens zusammen mit ihrem Mann Key Speaker an der ICF-Konferenz vor zwei Jahren - es geht also. Es gibt positive Beispiele, gerade bei progressiven Freikirchen. Auch deshalb war ich enttäuscht über das Line-Up von "Elevate 2015": Organisiert wird die Konferenz nämlich vom ICF, ICF College und ISTL, Institutionen, die gegen aussen progressiv und modern wirken.
Raus aus dem Biotop, Frauen. Und Männer: Kämpft mit uns mit für mehr Frauen auf christlichen Bühnen. Ich glaube, ihr hättet da gar nichts dagegen.
Kommentare sind sehr willkommen, hier (noch) bei Blogger aber etwas schwierig. Wenn's nicht geht, besser auf meiner Facebook-Seite, auf Twitter, Mail oder Kontaktformular links auf dieser Seite.
Update: Begründung von ICF zu den fehlenden Frauen im Programm von "Elevate15":
"Wir haben im ICF grundsätzlich keine 'Frauenquote' sondern laden Speaker ein - egal ob Mann oder Frau - die zum jeweiligen Event und Thema passen. Es ist aber halt schon so, dass vor allem Männer in dieser Domäne vertreten sind (ist ja bei uns im Staff auch so). Ich denke mal, dass in christlichen Kreisen halt das 'traditionelle' Familienbild mit der Frau zu Hause bei den Kids überwiegt." (Nicolas Legler, Mediensprecher ICF)
Donnerstag, 4. September 2014
Allesamt verletzte Wesen
Hier begebe ich mich auf dünnes Eis. Mal sehen, ob ihr meine Wahrnehmung teilt oder das anders seht - lasst es mich wissen!
Lese ich Einladungen zu Frauen-Events oder lasse meinen Blick in einer christlichen Buchhandlung über die Produkte schweifen, ist das Wort Nummer 1, das mir begegnet, "Ermutigung".
"Du bist wertvoll!" - "Frauen, ihr seid schön, egal, was die Gesellschaft über eure Fältchen und Love Handles sagt." - "Du bist gut genug, so, wie du bist." - "Jesus liebt dich, auch wenn du dich von Menschen ungeliebt fühlst."
Alles wahre Aussagen! Aber zwischen den Zeilen schimmert da für mich die selbstverständliche Annahme durch, dass wir Frauen allesamt verletzte Wesen sind. Menschen, die ganz automatisch zögern, diese Aussagen für sich anzunehmen. Menschen, bei denen man davon ausgeht, dass sie aus sich heraus kein Selbstbewusstsein haben. Solche Aussagen machen uns Frauen doch trotz der guten Absicht dahinter kleiner, als wir sind - eine Art Diskriminierung mit Goldfolie drum.
Zugespitzt ausgedrückt: Mit dieser Art Veranstaltungen und dieser Literatur scheint man Frauen auf Ermutigung anzufixen. Ermutigende Worte werden zur Droge, anstatt zum erfrischenden Smoothie zwischendurch. Aber brauchen wir das wirklich? Sind wir ständig darauf angewiesen, dass wir von anderen Frauen zugesprochen bekommen, dass wir wertvoll sind? Sagt uns das Jesus nicht jeden Tag selbst? Auch wenn jede von uns ihre Baustellen hat, ihre Selbstzweifel und Ängste - auch Männer haben die. Alle Menschen. Warum werden Frauen - zumindest in meiner Wahrnehmung - so viel öfter darauf angesprochen?
Ich wünschte mir, die Ermutigungs-Welle würde abgelöst durch eine Motivations-Bewegung. Dass Frauen sich nicht nur selber akzeptieren lernen, wie sie sind; nicht nur ihre Talente gebrauchen, von denen sie wissen, dass sie sie haben; sondern Schritte weiter gehen. Dinge ausprobieren, scheitern wagen, anderen Menschen nicht nur dienen, sondern sie auch führen. Ich glaube, Erfahrungen stärken das Selbstbewusstsein ungleich mehr als alle ermutigenden Vorträge und Bücher.
Die ICF-Ladies-Lounge trägt dieses Jahr den Titel "Bon Voyage". Im Trailer setzen Frauen die Segel auf einem Schiff und fahren in eine ungewisse Zukunft, aufs offene Meer hinaus. Ein schönes Bild, und ich bin sehr gespannt, was ich von der Konferenz mitnehmen kann.
Lese ich Einladungen zu Frauen-Events oder lasse meinen Blick in einer christlichen Buchhandlung über die Produkte schweifen, ist das Wort Nummer 1, das mir begegnet, "Ermutigung".
"Du bist wertvoll!" - "Frauen, ihr seid schön, egal, was die Gesellschaft über eure Fältchen und Love Handles sagt." - "Du bist gut genug, so, wie du bist." - "Jesus liebt dich, auch wenn du dich von Menschen ungeliebt fühlst."
Alles wahre Aussagen! Aber zwischen den Zeilen schimmert da für mich die selbstverständliche Annahme durch, dass wir Frauen allesamt verletzte Wesen sind. Menschen, die ganz automatisch zögern, diese Aussagen für sich anzunehmen. Menschen, bei denen man davon ausgeht, dass sie aus sich heraus kein Selbstbewusstsein haben. Solche Aussagen machen uns Frauen doch trotz der guten Absicht dahinter kleiner, als wir sind - eine Art Diskriminierung mit Goldfolie drum.
Zugespitzt ausgedrückt: Mit dieser Art Veranstaltungen und dieser Literatur scheint man Frauen auf Ermutigung anzufixen. Ermutigende Worte werden zur Droge, anstatt zum erfrischenden Smoothie zwischendurch. Aber brauchen wir das wirklich? Sind wir ständig darauf angewiesen, dass wir von anderen Frauen zugesprochen bekommen, dass wir wertvoll sind? Sagt uns das Jesus nicht jeden Tag selbst? Auch wenn jede von uns ihre Baustellen hat, ihre Selbstzweifel und Ängste - auch Männer haben die. Alle Menschen. Warum werden Frauen - zumindest in meiner Wahrnehmung - so viel öfter darauf angesprochen?
Ich wünschte mir, die Ermutigungs-Welle würde abgelöst durch eine Motivations-Bewegung. Dass Frauen sich nicht nur selber akzeptieren lernen, wie sie sind; nicht nur ihre Talente gebrauchen, von denen sie wissen, dass sie sie haben; sondern Schritte weiter gehen. Dinge ausprobieren, scheitern wagen, anderen Menschen nicht nur dienen, sondern sie auch führen. Ich glaube, Erfahrungen stärken das Selbstbewusstsein ungleich mehr als alle ermutigenden Vorträge und Bücher.
Die ICF-Ladies-Lounge trägt dieses Jahr den Titel "Bon Voyage". Im Trailer setzen Frauen die Segel auf einem Schiff und fahren in eine ungewisse Zukunft, aufs offene Meer hinaus. Ein schönes Bild, und ich bin sehr gespannt, was ich von der Konferenz mitnehmen kann.
| Bild: ICF Movement |
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