Nun habe ich sie zum ersten Mal am eigenen Leib erfahren: die christliche Diskriminierung gegen Frauen.
Subtil eingewoben in ein Feedback auf eine Übungspredigt. - Man müsse bei meinem Textentwurf korrekterweise von einer Bibelarbeit sprechen, nicht von einer Predigt, da höchst umstritten sei, ob Frauen gemäss der Bibel überhaupt predigen dürfen.
Ich war überrascht, wie stark es mich getroffen hat. Wie schmerzhaft dieser feine Stich war. Ich war nicht darauf vorbereitet. Sondern war davon ausgegangen, dass mich dieser Theologe genau gleich behandeln würde wie alle übrigen Theologiestudierenden.
Nun befasse ich mich seit Jahren mit dieser Problematik. Vielleicht ist es also gut, es selber einmal erlebt zu haben. Ich möchte schreiben, "Opfer geworden zu sein", und eigentlich fühlt es sich auch so an. Ich fühlte mich hilflos, denn ich hatte keine Chance, mich zu verteidigen: Der Theologe hat Jahrzehnte von Bibel- und Literaturstudium hinter sich, hat offenbar zum Thema Frauenpastorat auch schon Arbeiten veröffentlicht und kann mich in Grund und Boden argumentieren.
Ich hätte noch so eine gute Predigt schreiben können, ich würde nie gut genug sein, um sie in seinen Augen auch so nennen zu dürfen. Nur, weil ich keinen Penis habe. Was ja, ähm, für mich auch sehr gut ist so. Merken diese Menschen nicht, wie absurd ihre Argumentation ist?
Update: Die Ausbildungsstätte hat die Zusammenarbeit mit dem betreffenden Dozenten eingestellt.
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Mittwoch, 20. Juli 2016
Sonntag, 5. Juni 2016
Jetzt oder nie
Eigentlich ist es völlig unvernünftig. Anfang Dreissig schmiedet man für gewöhnlich andere Pläne, als nochmals ein volles Studium in Angriff zu nehmen. Aber vielleicht ist gerade deshalb der richtige Zeitpunkt: Jetzt oder nie.
In einem sehr hellen Moment in einer ziemlich dunklen Bar sagte ich bereits vor drei Jahren zu einer Freundin, dass ich irgendwann noch Theologie studieren werde. Und in der Zwischenzeit hat sich herauskristallisiert: Ich kann nicht anders. Das Teilzeit-Nachdiplom-Basis-AT-NT-Fernstudium, das ich vor einem Jahr angefangen habe, hat die Lust auf Wissen, Thesen und Debatten nicht gestillt. Sondern es hat mir vollends den Ärmel reingenommen. Bei Interviews mit TheologInnen wurde aus "Spannend, was die alles wissen" langsam, aber sicher: "Wow, da will ich mitreden können!". Und wenn ich mir vorstellte, am Montag, 19. September ganz normal meiner Arbeit nachzugehen, während an den Universitäten das Semester beginnen würde - ohne mich! -, stellte sich etwas in mir auf die Hinterbeine. Ich will nicht irgendwann zurückblicken und feststellen müssen, dass ich es nicht wenigstens versucht habe.
Also kratze ich meinen gesamten Mut (und mein Erspartes...) zusammen. Ab Herbst werde ich Hebräisch und Griechisch lernen und Vorlesungen mit Titeln wie "Grundkurs Dogmatik" und "Antikes Christentum I" besuchen. Ich werde herausfinden, ob die Theologische Fakultät der Uni Zürich auch modernere Hilfsmittel als Hellraumprojektoren führt, und versuchen, noch ein bisschen mehr nützliches über "Evernote" herauszufinden.
Ich habe mir vorgenommen, hier wieder etwas regelmässiger zu bloggen. Feel free to comment (auch auf Twitter!). Tipps von gestandenen Studierenden und Inputs von angefressenen TheologInnen sind herzlich willkommen.
In einem sehr hellen Moment in einer ziemlich dunklen Bar sagte ich bereits vor drei Jahren zu einer Freundin, dass ich irgendwann noch Theologie studieren werde. Und in der Zwischenzeit hat sich herauskristallisiert: Ich kann nicht anders. Das Teilzeit-Nachdiplom-Basis-AT-NT-Fernstudium, das ich vor einem Jahr angefangen habe, hat die Lust auf Wissen, Thesen und Debatten nicht gestillt. Sondern es hat mir vollends den Ärmel reingenommen. Bei Interviews mit TheologInnen wurde aus "Spannend, was die alles wissen" langsam, aber sicher: "Wow, da will ich mitreden können!". Und wenn ich mir vorstellte, am Montag, 19. September ganz normal meiner Arbeit nachzugehen, während an den Universitäten das Semester beginnen würde - ohne mich! -, stellte sich etwas in mir auf die Hinterbeine. Ich will nicht irgendwann zurückblicken und feststellen müssen, dass ich es nicht wenigstens versucht habe.
Also kratze ich meinen gesamten Mut (und mein Erspartes...) zusammen. Ab Herbst werde ich Hebräisch und Griechisch lernen und Vorlesungen mit Titeln wie "Grundkurs Dogmatik" und "Antikes Christentum I" besuchen. Ich werde herausfinden, ob die Theologische Fakultät der Uni Zürich auch modernere Hilfsmittel als Hellraumprojektoren führt, und versuchen, noch ein bisschen mehr nützliches über "Evernote" herauszufinden.
Ich habe mir vorgenommen, hier wieder etwas regelmässiger zu bloggen. Feel free to comment (auch auf Twitter!). Tipps von gestandenen Studierenden und Inputs von angefressenen TheologInnen sind herzlich willkommen.
Donnerstag, 17. März 2016
Montag, 2. März 2015
Freitag, 27. Februar 2015
It's all in your head
Als Pastorentochter weiss ich, wie das Leben einer Pfarrersfrau aussieht. Nur so viel: Man muss gut Nein sagen und Kritik aushalten können, oder arbeitet (notabene unbezahlt) mindestens 50% mit.
Zumindest bei den Pfarrersfrauen in der Generation meiner Mutter wurde das auch so erwartet. Heute sieht es hoffentlich anders aus. Und nicht nur das. Heute stellt sich auch die Frage, wie es sich eigentlich umgekehrt verhält: Wenn die Frau Pastorin ist.
Die neue Webserie "Ma femme est pasteure" aus der Romandie behandelt genau diese Frage. "Ich habe mich", sagt Thomas, "in ein Mädchen verliebt, die Beyoncé sein wollte, die nebenbei im Thai-Restaurant jobbte, ans andere Ende der Welt reiste und eher sozialistische (wenn nicht kommunistische) Ideen hatte. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal mit Gott im Bett sein würde..."
Realsatire pur: Er möchte sie abends im Bett für sich haben, während sie sich lieber noch Notizen für ihre morgige Predigt hat. Er verteilt in der Kirche noch schnell die Sitzkissen, sie testet das Mikrofon für den Gottesdienst. Ganz selbstverständlich gehört er dazu, obwohl man ihn gar nie gefragt hat...
Lange wurden wohl auch die vielen Pfarrersfrauen in der Schweiz nicht gefragt. Sondern man stellte den Pastor sozusagen "+1" an, ging davon aus, dass das Ehepaar die Arbeit für die Kirchgemeinde als geteilte Berufung ansah. Vielleicht ist es auch in einigen Fällen so - aber so selbstverständlich? Vor allem bis Mitte des letzten Jahrhunderts nahm die Frau Pfarrer gegen aussen auch eine moralische Vorbildfunktion ein, weil sie ständig unter Beobachtung stand.
Witzig, dass nun eine zeitgenössische Webserie dies thematisiert und auf die Schippe nimmt. Und witzig, wie absurd es wirkt, wenn ein Mann seine Frau in ihrem Beruf praktisch unterstützt, weil wir es uns einfach andersrum eher gewohnt sind und wir Frauen uns heute gegen diese Selbstverständlichkeit wehren: "Hinter jedem starken Mann steht eine starke Frau" - und umgekehrt?
Die erste Episode ist heute online, die anderen sollen ab 4. März folgen. Geplant sind 20 Folgen à 2 Minuten. Mitproduziert übrigens von der reformierten Kirche Genf und Waadt.
Et voilà! http://www.20min.ch/ro/entertainment/dossier/femmepasteure/story/Un-mari-exploite-par-une-religieuse-14280367
Update: Mein Beitrag dazu - mit einem echten Pfarrerinnen-Mann - auf lRadio Life Channel.
Hier noch ein Interview mit den Machern Caroline und Victor Costa, bei ref.ch.
Zum Thema passt übrigens glänzend dieser Blogeintrag: "Werkzeugkasten".
Zumindest bei den Pfarrersfrauen in der Generation meiner Mutter wurde das auch so erwartet. Heute sieht es hoffentlich anders aus. Und nicht nur das. Heute stellt sich auch die Frage, wie es sich eigentlich umgekehrt verhält: Wenn die Frau Pastorin ist.
![]() |
| Screenshot mafemmeestpasteure.ch |
Die neue Webserie "Ma femme est pasteure" aus der Romandie behandelt genau diese Frage. "Ich habe mich", sagt Thomas, "in ein Mädchen verliebt, die Beyoncé sein wollte, die nebenbei im Thai-Restaurant jobbte, ans andere Ende der Welt reiste und eher sozialistische (wenn nicht kommunistische) Ideen hatte. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal mit Gott im Bett sein würde..."
Realsatire pur: Er möchte sie abends im Bett für sich haben, während sie sich lieber noch Notizen für ihre morgige Predigt hat. Er verteilt in der Kirche noch schnell die Sitzkissen, sie testet das Mikrofon für den Gottesdienst. Ganz selbstverständlich gehört er dazu, obwohl man ihn gar nie gefragt hat...
Lange wurden wohl auch die vielen Pfarrersfrauen in der Schweiz nicht gefragt. Sondern man stellte den Pastor sozusagen "+1" an, ging davon aus, dass das Ehepaar die Arbeit für die Kirchgemeinde als geteilte Berufung ansah. Vielleicht ist es auch in einigen Fällen so - aber so selbstverständlich? Vor allem bis Mitte des letzten Jahrhunderts nahm die Frau Pfarrer gegen aussen auch eine moralische Vorbildfunktion ein, weil sie ständig unter Beobachtung stand.
Witzig, dass nun eine zeitgenössische Webserie dies thematisiert und auf die Schippe nimmt. Und witzig, wie absurd es wirkt, wenn ein Mann seine Frau in ihrem Beruf praktisch unterstützt, weil wir es uns einfach andersrum eher gewohnt sind und wir Frauen uns heute gegen diese Selbstverständlichkeit wehren: "Hinter jedem starken Mann steht eine starke Frau" - und umgekehrt?
Die erste Episode ist heute online, die anderen sollen ab 4. März folgen. Geplant sind 20 Folgen à 2 Minuten. Mitproduziert übrigens von der reformierten Kirche Genf und Waadt.
Et voilà! http://www.20min.ch/ro/entertainment/dossier/femmepasteure/story/Un-mari-exploite-par-une-religieuse-14280367
Update: Mein Beitrag dazu - mit einem echten Pfarrerinnen-Mann - auf lRadio Life Channel.
Hier noch ein Interview mit den Machern Caroline und Victor Costa, bei ref.ch.
Zum Thema passt übrigens glänzend dieser Blogeintrag: "Werkzeugkasten".
Mittwoch, 25. Februar 2015
Frauen, Business und das Glück
Mit den Gratis-Zeitschriften am Flughafen ist es so eine Sache. Es hat nie genau die, die ich mag. Die "Cosmopolitan" ist mir zu sexlastig, "Shape" habe ich nach 5 Minuten durch, die Luxusmagazine und Wirtschaftszeitschriften interessieren mich nicht besonders. Die "Tageswoche" mag ich! Und dann gibt es noch eine andere Ausnahme, die ich vor einigen Jahren entdeckt habe: Ein Magazin im Zeitungsformat, in schwarz-weiss und rosa (!): "Girl's Drive".
"Girl's Drive" ist die kleine Schwester von "Ladies Drive", einem ungewöhnlichen Frauenmagazin: Business, Frauen und Autos. Beide Zeitschriften geben Frauen bzw. Studentinnen Tipps, wie sie ihre Karriere so verfolgen können, dass sie Erfolg und Befriedigung bringt. Wie Mentoring helfen kann, wo man sich durchsetzen muss und wo nicht, wie man zu einem Praktikum im Ausland kommt und wie man sich dort verhält. Es gibt Interviews mit Unternehmerinnen und Politikerinnen darüber, was ihnen wichtig ist, wie sie ihre Karriere geplant haben, was ihre Ziele sind und was ihnen hilft, diese zu verfolgen.
Auch schon habe ich Artikel in "Girl's Drive" gelesen und mir gedacht: Dieser Zug ist für mich abgefahren. Da werden 22-Jährige porträtiert, die karrieremässig schon mehr erreicht haben als ich mit 31. Die auf der Überholspur leben, das richtige studieren, ihre Freizeit strategisch richtig einsetzen, sich in die richtigen Netzwerke einknüpfen. Manchmal deprimiert mich das, auch wenn ich eigentlich glücklich bin, dort, wo ich bin, und weiss, wo ich noch hin möchte. In der aktuellen, ganz frischen Ausgabe gibt es jedoch genau dazu einen Artikel des VWL-Professors und Glücksforschers Mathias Binswanger: Er schreibt darüber, wie man mit dem ganz natürlichen Drang, sich mit anderen zu vergleichen, umgehen kann.
Meine These ist ja, dass die Perspektiven für Frauen in der Kirche ähnlich eingeschränkt sind und der Weg in eine Leitungsposition ähnlich schwierig wie für Frauen in der Wirtschaft. Deswegen lohnt es sich, in "Girl's Drive" und "Ladies Drive" zu stöbern, auch wenn die Werte und Lebenshaltungen manchmal anders sind als diejenigen, die Gott gibt. Jesus predigte, dass man genau so viel wert ist, wenn man in den Augen der Menschen ein Verlierer ist, wie wenn man eine Top-Karriere hinlegt. Trotzdem: Wer die Lust spürt, Ziele zu verfolgen, den Willen, die eigene Berufung zu leben, stetig dazu zu lernen und an sich zu arbeiten, könnte die beiden Frauenmagazine mögen.
Tipp: Anstatt die online zur Verfügung stehenden Artikel auf der Website von "Girl's Drive" zu lesen, sich für die PDF-Ausgabe registrieren. Ist viel gehaltvoller.
"Girl's Drive" ist die kleine Schwester von "Ladies Drive", einem ungewöhnlichen Frauenmagazin: Business, Frauen und Autos. Beide Zeitschriften geben Frauen bzw. Studentinnen Tipps, wie sie ihre Karriere so verfolgen können, dass sie Erfolg und Befriedigung bringt. Wie Mentoring helfen kann, wo man sich durchsetzen muss und wo nicht, wie man zu einem Praktikum im Ausland kommt und wie man sich dort verhält. Es gibt Interviews mit Unternehmerinnen und Politikerinnen darüber, was ihnen wichtig ist, wie sie ihre Karriere geplant haben, was ihre Ziele sind und was ihnen hilft, diese zu verfolgen.
Auch schon habe ich Artikel in "Girl's Drive" gelesen und mir gedacht: Dieser Zug ist für mich abgefahren. Da werden 22-Jährige porträtiert, die karrieremässig schon mehr erreicht haben als ich mit 31. Die auf der Überholspur leben, das richtige studieren, ihre Freizeit strategisch richtig einsetzen, sich in die richtigen Netzwerke einknüpfen. Manchmal deprimiert mich das, auch wenn ich eigentlich glücklich bin, dort, wo ich bin, und weiss, wo ich noch hin möchte. In der aktuellen, ganz frischen Ausgabe gibt es jedoch genau dazu einen Artikel des VWL-Professors und Glücksforschers Mathias Binswanger: Er schreibt darüber, wie man mit dem ganz natürlichen Drang, sich mit anderen zu vergleichen, umgehen kann.
Meine These ist ja, dass die Perspektiven für Frauen in der Kirche ähnlich eingeschränkt sind und der Weg in eine Leitungsposition ähnlich schwierig wie für Frauen in der Wirtschaft. Deswegen lohnt es sich, in "Girl's Drive" und "Ladies Drive" zu stöbern, auch wenn die Werte und Lebenshaltungen manchmal anders sind als diejenigen, die Gott gibt. Jesus predigte, dass man genau so viel wert ist, wenn man in den Augen der Menschen ein Verlierer ist, wie wenn man eine Top-Karriere hinlegt. Trotzdem: Wer die Lust spürt, Ziele zu verfolgen, den Willen, die eigene Berufung zu leben, stetig dazu zu lernen und an sich zu arbeiten, könnte die beiden Frauenmagazine mögen.
Tipp: Anstatt die online zur Verfügung stehenden Artikel auf der Website von "Girl's Drive" zu lesen, sich für die PDF-Ausgabe registrieren. Ist viel gehaltvoller.
Sonntag, 15. Februar 2015
"More Than Pretty"
Frisch, echt und lesenswert: Der neue Blog "More than Pretty". Dort schreiben Frauen, die in der christlichen Szene Leitungspositionen innehaben, ehrlich aus ihrem Leben und ihren Erfahrungen. Wie es sich anfühlt, Familie und Leiterschaft zu kombinieren. Wie es als Single-Frau ist, die eigene Berufung treu zu leben. Wie Leiterschaft als Frau aussieht - hinter der Fassade, welche Erlebnisse herausfordern und welche ermutigen. Danke und Kompliment an Doris Lindsay und ihr Team für diesen tollen, positiven neuen Blog!
Montag, 22. Dezember 2014
Das boxende Schneewittchen: Aktuelle Artikel zum Thema
"Ach du Schreck, so viele Schneewittchen" (Anna Papathanasiou, "Christ & Welt" 53/2014)
"Schneewittchenfieber ist keine Bewegung. Vielmehr beobachte ich, dass die Frauen kapitulieren. Sie sehen keinen
Sinn darin, die Strapazen der sogenannten Doppelbelastung auf sich zu
nehmen, und bleiben lieber ganz zu Hause. Dort machen sie ihre Sache
dann perfekt."
Monika Rühl: "Das Potenzial bei den Frauen ist begrenzt" (Interview "Nordwestschweiz", 17.12.2014, Thomas Schlittler und Gieri Cavelty)
"Einen fundamentalen Wechsel wird es nicht geben – auch darum, weil das
Potenzial bei den Frauen begrenzt ist. Ich will keine Zwangsmassnahmen
für Frauen, die ihre Kinder selber betreuen möchten."
"Notable Women On This Thing Called Feminism" (Jill Di Donato, "Huffington Post", 21.11.2014)
"We need a feminism that isn't afraid to love. We need to be careful of
how we consume culture. We need to push back when we feel caged in as
women. (...) To me, these are feminism's goals. The following women
explain it better than I, and in greater detail. Even if you think this
message is familiar, read it again. Read what these women say, because
even though there are no new stories, some bear repeating."
"Boxende Theologie-Studentin kämpft für Frauen im Priesteramt" (Hans Fahrländer, "Schweiz am Sonntag", 23.11.2014)
"Nach einem Tiefschlag aufstehen und weitermachen: Die Theologiestudentin
Jacqueline Straub aus dem aargauischen Muri kämpft für die
Frauenordination. In 10 bis 15 Jahren will die heute 24-Jährige
Priesterin sein."
Sonntag, 7. Dezember 2014
Das "Shabby-Chic"-Biotop
Und einmal mehr eine christliche Veranstaltung mit 14 männlichen Speakers (und, ferner lief, die Ehefrau des einen). #ärger #FeminismOMG
— Evelyne Baumberger (@evelyne_lynn) 3. Dezember 2014
Sie haben's schon wieder getan. "Studientage für dich und deine Kirche", heisst es in der Ausschreibung des neusten freikirchlichen Events in der Schweiz. Wohl vorausgesetzt, "deiner Kirche" sind Frauen egal.
Als ich diese Woche das Programm der Konferenz "Elevate 2015" mit der rein männlichen Speakerliste sah, bin ich ziemlich wütend rüber ins Büro meiner Redaktionskollegen gestampft. "Ich darf ja dieses Thema wegen Befangenheit nicht mehr machen", sagte ich ihnen, "aber würde BITTE jemand von euch einen Beitrag darüber machen? Das. Geht. Einfach. Nicht."
Zurück an meinem Schreibtisch versuchte ich, meinen Ärger zu drosseln und das Beste aus der Situation zu machen: Ich schlug der SEA (Schweizerische Evangelische Allianz) per Mail vor, eine Frauenbeauftragte einzustellen. Denn offenbar geht es nicht ohne. Es steckt kein böser Wille hinter dem Problem (meistens zumindest), sondern blosse Ignoranz: Den meisten christlichen Leitungsgremien fehlt das Bewusstsein für Chancengleichheit.
Mit solchen Events raubt man(n) Frauen Chancen. Es geht nicht um die Einzelveranstaltung, sondern um eine grössere Perspektive: Rednerinnen und Redner sind die "Stars" der Szene, die Inspiratorinnen und Visonäre. Und ihre Namen ziehen Publikum an. Es ist wie bei den Bands an Festivals: Wer einmal gut war und das Publikum mitreissen konnte, wird wieder eingeladen. Nicht nur dort, auch von anderen. Wenn keine Frauen auftreten, ist dies also gleich doppelt fatal: Erstens, weil der betreffenden Konferenz dann etwas fehlt und zweitens, weil keine neue Frau in diesen "Zirkus" der christlichen Speaker eingebracht wurde.
Damit stellen sich zwei Fragen.
1. Warum ist man da nicht schon viel weiter?
Und 2. Warum braucht es überhaupt Frauen auf christlichen Bühnen?
Warum ist es noch nicht normal, dass an christlichen Konferenzen Frauen sprechen und predigen? Mein Redaktionskollege, der sich des Themas angenommen hat, bemerkte, dass die meisten Frauen das offenbar selber gar nicht vermissen. Deswegen geht auch niemand auf die Barrikaden, und deshalb geht der Wandel auch so langsam. Obwohl Frauen mehr als die Hälfte der Kirchenmitglieder ausmachen, leben sie in einer Art Biotop. Ein Biotop, an dessen Eingang ein Schild "Wohlfühlen und Auftanken" hängt, liebevoll in trendy "Shabby Chic"-Stil dekoriert ist und wo man Chai-Tee trinkt und vielleicht hin und wieder einen Hugo. Wenn der Mann an einem Abend mal die Kinder übernimmt; er isch jo so en Guete. Innerhalb dieses Biotops gibt es reichlich Vorbilder und bewundernswerte Frauen.
Frauen wie Lisa Bevere, Autorin von Büchern wie "Lioness: Arise!" und "Girls With Swords"; zum Beispiel. Die eigentlich eine kämpferische, motivierende Message beinhalten und im Frauen-Biotop auf fruchtbaren Boden fallen, viel gelesen werden, aber wohl auch innerhalb dieses Biotops bleiben. Denn immer ist das Frau-Sein das zentrale Thema. "Was ist meine Rolle?" - "Was ist meine Berufung?" Solange es dieses "Shabby-Chic"-Biotop noch gibt und Frauen sich so absondern, geht es nicht um übergeschlechtliche Inhalte. Und Männer merken nicht, dass Frauen auch zu frauenunabhängigen Themen valable Speaker sind.
Ich mag Frauenfrühstücke und Ladies Events. Und gerade für Mütter sind solche Anlässe wohl sowas wie Ausgang - erfrischend und eine Abwechslung. Es ist gemütlich, unter Frauen zu sein. Und das ist der Punkt - es ist zu gemütlich. Das Frauen-Biotop gehört abgeschafft. Denn solange es diesen geschützten Rahmen im grossen Stil gibt, schliessen wir uns selber von den Bühnen der geschlechter-übergreifenden Veranstaltungen aus.
Womit wir bei der zweiten Frage sind, die ganz einfach zu beantworten ist: Warum braucht es überhaupt Frauen auf christlichen Bühnen? Weil Frauen genauso etwas zu sagen haben wie Männer. Und, langfristiger gedacht: Weil junge Frauen Vorbilder brauchen, die ihnen zeigen, dass auch sie den Mund aufmachen dürfen und sollen. Und zwar nicht nur im Frauen-Biotop - auch vor einem gemischten Publikum.
Lisa Bevere war übrigens zusammen mit ihrem Mann Key Speaker an der ICF-Konferenz vor zwei Jahren - es geht also. Es gibt positive Beispiele, gerade bei progressiven Freikirchen. Auch deshalb war ich enttäuscht über das Line-Up von "Elevate 2015": Organisiert wird die Konferenz nämlich vom ICF, ICF College und ISTL, Institutionen, die gegen aussen progressiv und modern wirken.
Raus aus dem Biotop, Frauen. Und Männer: Kämpft mit uns mit für mehr Frauen auf christlichen Bühnen. Ich glaube, ihr hättet da gar nichts dagegen.
Kommentare sind sehr willkommen, hier (noch) bei Blogger aber etwas schwierig. Wenn's nicht geht, besser auf meiner Facebook-Seite, auf Twitter, Mail oder Kontaktformular links auf dieser Seite.
Update: Begründung von ICF zu den fehlenden Frauen im Programm von "Elevate15":
"Wir haben im ICF grundsätzlich keine 'Frauenquote' sondern laden Speaker ein - egal ob Mann oder Frau - die zum jeweiligen Event und Thema passen. Es ist aber halt schon so, dass vor allem Männer in dieser Domäne vertreten sind (ist ja bei uns im Staff auch so). Ich denke mal, dass in christlichen Kreisen halt das 'traditionelle' Familienbild mit der Frau zu Hause bei den Kids überwiegt." (Nicolas Legler, Mediensprecher ICF)
Mittwoch, 3. Dezember 2014
"Sind Frauen Menschen oder böse Tiere?"
Die erste Rabbinerin in der Schweiz, "Sind Frauen Menschen oder böse Tiere?", und das fehlende Frauenpriestertum: drei der Themen in der aktuellen Nummer der Zeitschrift "facultativ". Sie steht unter dem Titel "Frauen & Kirche" und kann gratis heruntergeladen werden, siehe hier. "Facultativ" ist die Zeitschrift der theologischen Fakultät der Universität Zürich.
Sonntag, 9. November 2014
Ich will raus aus der Schublade!
Schönes
Wochenende gehabt? Danke, ja, ich auch! Obwohl: Ich bin wieder mal in einer
Schublade gelandet. Ja, passiert mir hin und wieder. Diesmal war es ausgerechnet
eine von denen, die mir am unbequemsten sind: die Schublade „evangelikal“.
Wieder einmal ist ein langer Artikel in einer Sonntagszeitung erschienen, der
„die Freikirchen“ in ein schlechtes Licht und in die Nähe von Sekten rückt.
Grösster Kritikpunkt: konservative Werthaltungen. Zwar besagt die zitierte
Studie des Religionssoziologen Jörg Stolz bereits, dass es drei grobe
Richtungen innerhalb der Freikirchen gibt (charismatisch, klassisch,
konservativ). In die Schublade „evangelikal“ werden dann doch alle geworfen.
Also, weil Freikirchenbesuche zu meinem Glauben gehören, auch ich.
Ich mag die
Schublade nicht, weil sie für mich zu klein ist. Die Definition von
„evangelikal“ lautet „am Evangelium orientiert“, also kurz gesagt, „bibeltreu“.
Dass laut der Freikirchen-Studie nur die Hälfte der Mitglieder für eine
wortwörtliche Auslegung der Bibel plädieren, zeigt bereits, dass dieser Begriff
nicht pauschal verwendet werden dürfte.
Denn es
gibt sie, die Liberalen in den Freikirchen. Und obwohl die konservativ
Denkenden überwiegen, wird die Situation verzerrt, indem Medien genau
diejenigen Probleme zitieren, welche auch innerhalb der Kirchenmauern heiss
diskutiert werden. Kreationismus, ausserehelicher Sex und Homosexualität sind
die drei Diskussionen, auf welche man als Besucherin einer Freikirche am
meisten angesprochen wird – aber auch genau die Dinge, in welchen sich Gläubige
untereinander am wenigsten einig sind. Innerhalb der Freikirchen findet vielerorts
ein Diskurs statt über Punkte, in denen die traditionelle Auslegung der Bibel
mit der heutigen Lebenswelt am stärksten auseinanderklafft. In evangelikalen
Verbänden wird gerungen, wie das Wesen des christlichen Glaubens heute
interpretiert werden soll, ohne es zu verleugnen.
Ich wünsche
mir, dass diese Diskussion transparenter geführt wird. Dass kirchliche
Leitungspersonen zugeben können, dass sie oft überfordert sind mit ihrer
Aufgabe, das Christentum in der heutigen Zeit zu vertreten. Einer Zeit, wo manche
der jahrtausende alten Worte der Bibel irritieren – und zwar nicht positiv. Dass
Freikirchen es wagen würden, traditionelle Interpretationen zumindest zur
Diskussion zu stellen, wäre dringend nötig. Denn wenn sie gegen aussen mit
fixen Wertehaltungen auftreten, obwohl hinter den Kulissen die Diskussion
brodelt, schadet dies nicht nur dem Image. Es verärgert auch diejenigen in den
eigenen Reihen, die an der Diskrepanz zwischen Dogma und Lebenswelt verzweifeln.
Oder die mit guten Argumenten eine andere Meinung als die Kirche haben, aber in
der Öffentlichkeit nicht gehört werden.
Gäbe es
mehr Transparenz, würden die Besucherinnen und Besucher der Freikirchen
vielleicht weniger oft pauschal als konservativ, weltfremd und intolerant
abgestempelt. (Oder, dies ist mir persönlich manchmal nicht klar, als leichte
Beute, die man vor den bösen Predigern beschützen müsste...) „Freikirchlerinnen“
und „Freikirchler“ sind ganz normale Menschen. Die meisten durchaus intelligent
genug, für sich selber zu denken und ihre Meinung aus verschiedenen Quellen und
Inspirationen zu bilden. Ich wünschte mir, dass die Öffentlichkeit das mehr anerkennt - aber auch die Leitungsgremien der Freikirchen, damit Diskurse
geöffnet werden.
(Im angelsächsischen Raum
ist dies bereits geschehen: Shane Claybourne und Brian McLaren plädieren für grundlegend
andere Kirchenformen – beide auf unterschiedliche Weise. Die Sängerin Vicky
Beeching hat extra einen Master in Theologie gemacht, um festzustellen, dass
sich Homosexualität und Glaube nicht ausschliessen. Und der Pastor Rob Bell spaltet
mit seinen kontroversen Ansichten zu verschiedenen Themen die amerikanischen
Kirchen. So werden andere Ansichten als die traditionellen Überlieferungen
zumindest zur Diskussion gestellt. Für Menschen, die im Glauben einfache Antworten suchen, macht es dies nicht einfacher. Aber selber denken rules!)
Sonntag, 12. Oktober 2014
Der rote Faden
In einem früheren Blogeintrag habe ich erzählt, dass ich als "Rezept" für die eigene Lebensgestaltung an eine Mischung aus relaxtem Gottvertrauen und selbstbewussten Entscheidungen glaube. Wenn man zurückblickt, wird oft ein roter Faden sichtbar, den man zuvor nicht erkannt hat. Wie Fussspuren, die auf den heutigen Moment hingeführt haben. Das kann grundsätzlich negativ oder positiv sein, denn manchmal läuft man durch eine Folge von, sagen wir, suboptimalen Entscheidungen auch in Sackgassen. Aber wenn man mit Gott unterwegs ist, erkennt man rückblickend auch, wo er Türen geöffnet und Entscheidungen erleichtert hat.
Um diesen roten Faden geht es in der aktuellen Serie des ICF Basel: Es geht um die biblische Figur Esther. Dieser mutigen, schönen Frau ist ein ganzes Buch in der Bibel gewidmet, und es ist darin eine der spannendsten Geschichten. Doch gleichzeitig ist sie so brisant, dass Martin Luther gesagt haben soll, er wünschte sich, das Buch Esther wäre nicht in den biblischen Kanon aufgenommen worden.
Es um diesen roten Faden, um Berufung. In der ersten Predigt der Serie führt der Pastor ein Interview mit der Präsidentin der Basellandschaftlichen Kantonalbank, Elisabeth Schirmer. Sie erzählt, wie sie zu dieser Stelle kam, ohne diese Position angestrebt zu haben. Hörenswert.
Um diesen roten Faden geht es in der aktuellen Serie des ICF Basel: Es geht um die biblische Figur Esther. Dieser mutigen, schönen Frau ist ein ganzes Buch in der Bibel gewidmet, und es ist darin eine der spannendsten Geschichten. Doch gleichzeitig ist sie so brisant, dass Martin Luther gesagt haben soll, er wünschte sich, das Buch Esther wäre nicht in den biblischen Kanon aufgenommen worden.
Es um diesen roten Faden, um Berufung. In der ersten Predigt der Serie führt der Pastor ein Interview mit der Präsidentin der Basellandschaftlichen Kantonalbank, Elisabeth Schirmer. Sie erzählt, wie sie zu dieser Stelle kam, ohne diese Position angestrebt zu haben. Hörenswert.
| Rembrandt, 1660. Quelle: http://www.womeninthebible.net/paintings_esther.htm |
Donnerstag, 18. September 2014
Es gibt genug fähige Frauen
Die Forderung steht wieder einmal im Raum: Diese Woche schlug Justizministerin Simonetta Sommaruga vor, dass börsenkotierte Unternehmen eine Frauenquote von 30 Prozent in ihren Verwaltungsräten haben sollten.
Headhunterin Doris Aebi im Interview mit dem "Tages-Anzeiger": "Ich persönlich kann grundsätzlich mit oder ohne Frauenquote für Verwaltungsräte leben. Viel entscheidender für mich ist, dass die Rolle der Frauen im Verwaltungsrat ernst genommen wird."
| Bild: www.tagesschau.de |
Während oft damit argumentiert wird, dass bei der Personalrekrutierung Kompetenz vor Geschlecht gehen muss und abschätzig von "Quotenfrauen" gesprochen wird, bin ich grundsätzlich für Frauenquoten. Offenbar geht zwar einiges vorwärts, wie dieser Beitrag im "10vor10" illustriert. Aber eine vorgeschriebene Frauenquote würde noch mehr Firmen dazu bringen, die Suche nach geeigneten Personen auszuweiten und die Stellenvergabe transparenter machen. Und noch nebenbei: 30 Prozent sind nicht viel. Im Gegenteil. Es ist eine Schande, dass der Frauenanteil heute bei den betreffenden Unternehmen nur bei 12 Prozent liegt.
Vor einem Jahr stellte meine Kollegin bei Radio Life Channel die Frage nach einer Frauenquote in der Kirchenleitung. (Der Kurzbeitrag kann online nachgehört werden.) Erst befragte sie den Schweizerischen katholischen Frauenbund. In der katholischen Kirche sind Frauen zwar in der Basis gut vertreten, jedoch aus dogmatischen Gründen vom Priesteramt ausgeschlossen. Die Präsidentin des Pfarrvereins der Zürcher Reformierten, Gina Schibler, meinte, dass es bei den Pfarrerinnen keine Quote mehr brauche. Sondern eher bei Ämtern wie Kirchenrat und Kirchenpflege. Ihr Kollege, der Zürcher Kirchenratspräsident Michel Müller, widersprach ihr, weil eine Frauenquote die Personalsuche für diese Ämter noch schwieriger gestalten würde. Das Verhältnis werde sich im Laufe der Zeit auch ohne Quote ausbalancieren, meint er.
In Kirchen und Freikirchen eine Frauenquote durchsetzen zu wollen, wäre ein chancenloses Unterfangen. Pastorinnen, Pastoren werden von den Kirchenmitgliedern selbst gewählt. Wenn also eine Gemeinde keine Frau als Leitungsperson will, wird es auch keine geben.
Wo aber meines Erachtens Frauenquoten Sinn machen würden, sind Ausbildungsstätten (siehe Universität Bern und auch der Streit an der Uni Basel). Kirchenpflege, Ältestenrat, Vorstand - in diesen Gremien gibt es heute schon Frauen, doch auch da wäre eine Frauenquote keine dumme Idee. Solche Positionen sind für Frauen theologisch sogar aus der komplementären Sichtweise vertretbar, da sie in diesen Ämtern weder eine Lehrfunktion, noch, genau genommen, eine Leitungsfunktion über dem Mann einnehmen.
Wo Frauen in solchen Gremien vertreten sind, gewöhnen sich Männer wie auch die anderen Frauen innerhalb der Kirchgemeinde daran, dass Frauen mitreden. Man würde bei der Auswahl von Leuten zum Beispiel für einen Vorstand selbstverständlicher auch Frauen in Betracht ziehen. Frauen müssten mit mehr Engagement gefördert werden, um sie für solche Positionen fit zu machen. Wo Frauen mitreden dürfen, können sie beweisen, dass sie genauso weise und vom Heiligen Geist geleitet Entscheidungen beeinflussen können. Und schlussendlich würde diese Einsicht hoffentlich dazu führen, dass mehr Kirchgemeinden Frauen auch als Pastorinnen zulassen würden.
Insofern wäre eine Frauenquote in kirchlichen Gremien eine kleine Trittleiter. Wir schaffen es auch ohne - aber schaden würde sie nichts. Denn was Doris Aebi im "Tages-Anzeiger"-Interview in Bezug auf die Schweizer Verwaltungsräte sagt, gilt zweifellos auch für die Kirche: Es gibt genug fähige Frauen.
Donnerstag, 7. August 2014
Vom "Berg" herab
Aus aktuellem Anlass - ich bin dieser Tage am Theologischen Seminar St. Chrischona - ein Radiobeitrag von vor einem Jahr. Je nach Ausbildungsort sind bis die Hälfte der Theologiestudierenden Frauen. Es interessierte mich, wo all diese Frauen nach dem Studium landen - auf den Kanzeln der Schweizer (Frei-)Kirchen nämlich kaum.
Beitrag: "Die Hürde vom Studium in den Beruf ist für Frauen immer noch hoch" (Radio Life Channel, 17. September 2013)
In St. Chrischona bin ich an einer summer school mit dem amerikanischen Theologen Greg Boyd. Er hat vor kurzem zusammen mit einer jungen Pastorin zu 1. Timotheus 2, 11-15 gepredigt - in einer Serie mit dem Titel "Twisted Scripture", "verdrehte Bibel". Hier zum Ansehen.
Beitrag: "Die Hürde vom Studium in den Beruf ist für Frauen immer noch hoch" (Radio Life Channel, 17. September 2013)
In St. Chrischona bin ich an einer summer school mit dem amerikanischen Theologen Greg Boyd. Er hat vor kurzem zusammen mit einer jungen Pastorin zu 1. Timotheus 2, 11-15 gepredigt - in einer Serie mit dem Titel "Twisted Scripture", "verdrehte Bibel". Hier zum Ansehen.
Donnerstag, 31. Juli 2014
"Lean In" (1)
Momentan höre ich mir als Audiobook "Lean In. Women, Work and the Will to Lead" von Sheryl Sandberg an. Darin fordert die Facebook-Managerin Frauen auf, in der Geschäftswelt für gleiche Rechte wie ihre Kollegen zu kämpfen. Sie erzählt aus ihrer eigenen Karriere und gibt Tipps für Frauen, die beruflich Erfolg haben wollen.
Meine These ist, dass die Situation für Frauen in freikirchlichen Leitungsgremien ähnlich schwierig ist wie in den obersten Etagen der Konzerne.
Fakt ist: Frauen sind massiv in der Unterzahl. Die Gründe dafür sind verschieden. Einerseits streben Frauen – genau wie in der Geschäftswelt – weniger häufig Leitungspositionen an. Sie werden aber auch viel weniger in eine entsprechende Richtung gefördert. Teilweise liegt das Problem auch bei Vorstandsgremien und Kirchgemeinden, die Frauen bei der Besetzung von leitenden Funktionen nicht berücksichtigen. Weil es relativ wenig berufstätige Frauen im freikirchlichen Berufsumfeld gibt, fehlen auch Netzwerke, um sich gegenseitig zu unterstützen. (Existierende Netzwerke siehe Links)
In den ersten Kapiteln von "Lean In" schreibt Sheryl Sandberg über den "Leadership ambition gap": Männer suchen aktiv Leitungspositionen, Frauen warten darauf, dass sie ihnen angeboten werden.
Wenn ein Job als "verantwortungsvoll" und "herausfordernd" beschrieben wird, bewerben sich Frauen weniger: Wir zweifeln viel eher an unseren Fähigkeiten. Wir bewerben uns nur für eine Stelle, wenn wir alle Punkte des Anforderungsprofils erfüllen, während Männer sich auch bewerben, wenn ihnen theoretisch einige Voraussetzungen fehlen (siehe aktuelle Studie hier und etwas ältere Umfrage hier). Und wenn Frauen einen Karriereschritt tun, beschleicht viele unweigerlich das Gefühl, dass jemand merken könnte, dass es eine Schuhgrösse zu gross ist für sie. ("Feeling like a fraud", schreibt Sheryl Sandberg, "Sich als Betrügerin fühlen".) Männer gehen sorgloser an eine neue Stelle heran, weil sie wissen, dass sie darin hereinwachsen werden.
Sheryl Sandberg erzählt, wie sie in den verschiedenen Stellen, die sie bisher innehatte, immer dazugelernt hat, auch wenn sie die Anforderungen objektiv gesehen bei Stellenantritt noch nicht erfüllte. Die Jobs hatte sie trotzdem bekommen, weil sie bei ihrer Bewerbung mit anderen Fähigkeiten überzeugte. Und vor allem mit der Haltung: "Das kann (und will) ich lernen" - offenbar die Haltung, die Männer viel selbstverständlicher innehaben als Frauen.
Ein Schlüsselsatz aus "Lean In": Möglichkeiten werden einem selten angeboten - man muss sie ergreifen. Ich denke, ganz allgemein stimmt dies für vieles im Leben. Man kommt nirgendwo hin, wenn man vorsichtig in einer Warteposition verharrt.
Andererseits glaube ich auch, dass Gott einem manchmal Türen öffnet. Ich habe dies ganz oft erlebt. Zum Beispiel bei meiner jetzigen Stelle: Über ein christliches Netzwerk flog mein Kurz-CV meinem Chef genau zu dem Zeitpunkt in die Inbox, als er eine Redaktionsstelle ausschreiben wollte. Er rief mich an und ich mailte ihm meine Bewerbungsunterlagen, bevor ich am nächsten Tag für knapp zwei Monate nach Südostasien flog. Später sprachen wir noch einmal über Skype, beide Seiten hatten den Eindruck, dass es passte, und als ich wieder zurück in der Schweiz war, besuchte ich zum ersten Mal mein zukünftiges Büro und unterschrieb den Arbeitsvertrag.
Ein Jahr später schaue ich zurück mit der Gewissheit, dass ich genau an dem Ort bin, an den ich im Moment hingehöre. Die Arbeit macht mir Spass, und ich bin darin hineingewachsen. Ich arbeite als Radiojournalistin, obwohl ich die unterschiedlichen Arbeitsweisen im Vergleich zum Print-Journalismus erst lernen musste. Das Themenfeld "Kirche und Gesellschaft" ist ein ganz anderes als was ich studiert hatte, "Kunst und Kultur". Auch von der ganzen Technik hatte ich natürlich keine Ahnung - aber ich wusste, dass ich eine gute Auffassungsgabe habe und traute mir zu, all das Neue zu lernen.
Gott öffnet Türen - durchgehen muss man aber selber! Und ich glaube, wir Frauen dürfen uns da oft mehr zutrauen.
Wenn ein Job als "verantwortungsvoll" und "herausfordernd" beschrieben wird, bewerben sich Frauen weniger: Wir zweifeln viel eher an unseren Fähigkeiten. Wir bewerben uns nur für eine Stelle, wenn wir alle Punkte des Anforderungsprofils erfüllen, während Männer sich auch bewerben, wenn ihnen theoretisch einige Voraussetzungen fehlen (siehe aktuelle Studie hier und etwas ältere Umfrage hier). Und wenn Frauen einen Karriereschritt tun, beschleicht viele unweigerlich das Gefühl, dass jemand merken könnte, dass es eine Schuhgrösse zu gross ist für sie. ("Feeling like a fraud", schreibt Sheryl Sandberg, "Sich als Betrügerin fühlen".) Männer gehen sorgloser an eine neue Stelle heran, weil sie wissen, dass sie darin hereinwachsen werden.
Sheryl Sandberg erzählt, wie sie in den verschiedenen Stellen, die sie bisher innehatte, immer dazugelernt hat, auch wenn sie die Anforderungen objektiv gesehen bei Stellenantritt noch nicht erfüllte. Die Jobs hatte sie trotzdem bekommen, weil sie bei ihrer Bewerbung mit anderen Fähigkeiten überzeugte. Und vor allem mit der Haltung: "Das kann (und will) ich lernen" - offenbar die Haltung, die Männer viel selbstverständlicher innehaben als Frauen.
Ein Schlüsselsatz aus "Lean In": Möglichkeiten werden einem selten angeboten - man muss sie ergreifen. Ich denke, ganz allgemein stimmt dies für vieles im Leben. Man kommt nirgendwo hin, wenn man vorsichtig in einer Warteposition verharrt.
Andererseits glaube ich auch, dass Gott einem manchmal Türen öffnet. Ich habe dies ganz oft erlebt. Zum Beispiel bei meiner jetzigen Stelle: Über ein christliches Netzwerk flog mein Kurz-CV meinem Chef genau zu dem Zeitpunkt in die Inbox, als er eine Redaktionsstelle ausschreiben wollte. Er rief mich an und ich mailte ihm meine Bewerbungsunterlagen, bevor ich am nächsten Tag für knapp zwei Monate nach Südostasien flog. Später sprachen wir noch einmal über Skype, beide Seiten hatten den Eindruck, dass es passte, und als ich wieder zurück in der Schweiz war, besuchte ich zum ersten Mal mein zukünftiges Büro und unterschrieb den Arbeitsvertrag.
Ein Jahr später schaue ich zurück mit der Gewissheit, dass ich genau an dem Ort bin, an den ich im Moment hingehöre. Die Arbeit macht mir Spass, und ich bin darin hineingewachsen. Ich arbeite als Radiojournalistin, obwohl ich die unterschiedlichen Arbeitsweisen im Vergleich zum Print-Journalismus erst lernen musste. Das Themenfeld "Kirche und Gesellschaft" ist ein ganz anderes als was ich studiert hatte, "Kunst und Kultur". Auch von der ganzen Technik hatte ich natürlich keine Ahnung - aber ich wusste, dass ich eine gute Auffassungsgabe habe und traute mir zu, all das Neue zu lernen.
Gott öffnet Türen - durchgehen muss man aber selber! Und ich glaube, wir Frauen dürfen uns da oft mehr zutrauen.
Montag, 21. Juli 2014
Das "Haupt der Frau"
Momentan ackere ich mich gerade durch theologische Grundlagentexte über die Rolle von Frauen in der Kirche. Einer davon ist der Standpunkt der FEG (Freie Evangelische Gemeinden) Schweiz: "Geistliche Leitung der Gemeinde durch Männer und Frauen" (2007).
Die Autoren sind der Meinung, dass nur Männer eine Kirchgemeinde leiten sollen. Sie argumentieren ausführlich. Das Killerargument stammt von Paulus aus 1. Korinter 11,3:
Auch aus an vielen anderen Stellen der Bibel geht hervor, dass Gott offenbar dem Mann in der Familie die Rolle des Verantwortungsträgers zugedacht hat. Obwohl mir das einiges Kopfzerbrechen bereitet hat, kann ich es aus einem bestimmten Verständnis von "Verantwortung" und "Haupt" heraus akzeptieren. In der Ehe kommt die Verschiedenheit von Männern und Frauen maximal zur Wirkung - deswegen scheint es nicht unlogisch, dass es dort auch unterschiedliche Rollen geben soll.
Was mir jedoch nicht einleuchtet: Warum überträgt man dieses Modell 1:1 auf die Kirche? Warum sollen sich Frauen anderen Männern unterordnen, mit denen sie keine persönliche Beziehung haben, wo es also überhaupt nicht darauf ankommt, welchem Geschlecht sie angehören? Die Bibelstellen dazu sind dürftig und die Auslegung offen. Meiner Meinung nach zu wenig stichhaltig, um daraus abzuleiten, dass Frauen zwar leitende Funktionen in einzelnen Teams und Diensten der Kirche haben dürfen, die Hauptleitungsfunktion jedoch Männern vorbehalten ist.
Thoughts?
Anmerkung: Trotz dem Standpunktpapier, und obwohl auf der FEG-Website und in den Ressourcen nur von "Pastoren" die Rede ist, ist Frauen in den FEG Schweiz das Pastorenamt offenbar nicht grundsätzlich verboten. Das entnehme ich einem Zitat aus dem Anhang des Standpunkt-Papiers: "Die grosse Mehrheit der FEG Gemeinden vertritt die so genannte 'komplementäre Sicht', die auch in dieser Hilfestellung – wie bereits im Grundlagenpapier von 1994 – gegenüber der 'egalitären Sicht' vertreten wird. Einige Gemeinden vertreten die egalitäre Sicht und leben sie in der Praxis."
"egalitäre Sicht": Frauen und Männer übernehmen die gleichen Rollen
"komplementäre Sicht": Männer und Frauen übernehmen "unterschiedliche" Rollen (sprich: Männer können jede beliebige Funktion in der Gemeinde wahrnehmen, Frauen dürfen aber ihrerseits keine Gemeinde leiten.)
Die Autoren sind der Meinung, dass nur Männer eine Kirchgemeinde leiten sollen. Sie argumentieren ausführlich. Das Killerargument stammt von Paulus aus 1. Korinter 11,3:
Auch aus an vielen anderen Stellen der Bibel geht hervor, dass Gott offenbar dem Mann in der Familie die Rolle des Verantwortungsträgers zugedacht hat. Obwohl mir das einiges Kopfzerbrechen bereitet hat, kann ich es aus einem bestimmten Verständnis von "Verantwortung" und "Haupt" heraus akzeptieren. In der Ehe kommt die Verschiedenheit von Männern und Frauen maximal zur Wirkung - deswegen scheint es nicht unlogisch, dass es dort auch unterschiedliche Rollen geben soll.
Was mir jedoch nicht einleuchtet: Warum überträgt man dieses Modell 1:1 auf die Kirche? Warum sollen sich Frauen anderen Männern unterordnen, mit denen sie keine persönliche Beziehung haben, wo es also überhaupt nicht darauf ankommt, welchem Geschlecht sie angehören? Die Bibelstellen dazu sind dürftig und die Auslegung offen. Meiner Meinung nach zu wenig stichhaltig, um daraus abzuleiten, dass Frauen zwar leitende Funktionen in einzelnen Teams und Diensten der Kirche haben dürfen, die Hauptleitungsfunktion jedoch Männern vorbehalten ist.
Thoughts?
Anmerkung: Trotz dem Standpunktpapier, und obwohl auf der FEG-Website und in den Ressourcen nur von "Pastoren" die Rede ist, ist Frauen in den FEG Schweiz das Pastorenamt offenbar nicht grundsätzlich verboten. Das entnehme ich einem Zitat aus dem Anhang des Standpunkt-Papiers: "Die grosse Mehrheit der FEG Gemeinden vertritt die so genannte 'komplementäre Sicht', die auch in dieser Hilfestellung – wie bereits im Grundlagenpapier von 1994 – gegenüber der 'egalitären Sicht' vertreten wird. Einige Gemeinden vertreten die egalitäre Sicht und leben sie in der Praxis."
"egalitäre Sicht": Frauen und Männer übernehmen die gleichen Rollen
"komplementäre Sicht": Männer und Frauen übernehmen "unterschiedliche" Rollen (sprich: Männer können jede beliebige Funktion in der Gemeinde wahrnehmen, Frauen dürfen aber ihrerseits keine Gemeinde leiten.)
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