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Donnerstag, 17. März 2016

"Let Bad Religion Die", oder wie Gungor Kunst voller Theologie machen #offtopic

Ich habe vor, wieder mehr off-topic zu bloggen. Nicht direkt über Frauen in der Kirche, sondern mehr über Leben und Glauben aus meiner Perspektive. Kurz, lose, random, nicht wirklich redigiert. #wasmitTheologie.

Zu christlicher Musik könnte man wunderbare Bullshit-Bingos machen. Oder so Songbücher wie die horizontal dreigeteilten Kinderbücher, wo Kopf, Rumpf und Beine verschiedener Tiere zusammen ein Fantasiewesen ergeben. "Holy", "Halleluja", drei Akkorde drunter, ein ätherisches Klangbett und voilà, fertig ist der 08/15-Worshipsong. Gotteslob in Ehren, aber Seele ist da ganz selten drin.

Und dann gibt es diese eine christliche Band, die ihren Songs Titel gibt wie "Magic" oder "Let Bad Religion Die": Gungor. Ihre Werke haben Sprengkraft, sind pure Theologie, in Kunst gepackt. Der Song "Beautiful Things" ist mittlerweile auch hier bekannt, er ist aber harmlos, verglichen mit anderen ihrer Titel. Ein Song von Gungor beginnt mit der Zeile "God is not a man", und der Chorus eines anderen lautet "If it's us or them, it's us for them". In "Light" verarbeiten sie ganz ehrlich die Erfahrung, ein Kind mit Down-Syndrom bekommen zu haben.


Gungor sind furchtlos. Sie machen mit ihrem Künstlerkollektiv "The Liturgists" ehrliche, tiefgründige, mutige Kunst. Theologiekunst, angewandte Theologie, welche mich tief berührt, zum Nachdenken bringt und mich spirituell prägt. 

Zum Beispiel ihre modernen Liturgien, wie "Garden" für Karfreitag/Ostern: Spoken Word von den Theologen Rachel Held Evans und Rob Bell, eine zwanzigminütige, angeleitete Meditation ("Centering Prayer") vom exzentrischen Theologen/Wissenschaftsfreak "Science Mike" McHague. Songs von Gungor mit Texten wie "Oh my God, where are you?". Vor solchen Fragen haben sie keine Angst. "The Liturgists" machen Podcasts zu Themen wie "Pro-life, pro choice", "Sin" oder "Safe Church". (Und ja, auch zu "Genesis and Evolution" oder "LGBTQ".) Manchmal - oft! - werden Fragen gestellt, diskutiert, aber nicht abschliessend beantwortet. Es entsteht Raum fürs Denken, fürs Fühlen, für den Heiligen Geist.

Auch an ihren Events, bei denen ich wünschte, ich könnte dabeisein... "Lost & Found": "An interactive storytelling experience about the tension between science and religion, and why so many people leave faith behind." Oder "Belong": "Belong is a safe place to have honest discussions about doubts, hopes, fears, and faith. A place where no question is off limits, but you can find a burgeoning community of people who will welcome you with all your strangeness."

Ich bin mir völlig bewusst, wie schwärmerisch das alles klingt. Aber Gungor geben mir so viel Hoffnung! Sie schaffen Heimat für Menschen, die von der herkömmlichen Institution Kirche enttäuscht sind. Die mehr wollen, echtes wollen, nicht Rezeptglauben mit Manipulationsfaktor. Selber denken, aber auch selber fühlen. Zweifeln und fragen, aber auch wachsen und finden. "Seek and you shall find!"

Gungor haben soeben ihr neues Album "One Wild Life: Spirit" veröffentlicht, der zweite Teil einer Album-Trilogie. Es ist eine geballte Ladung Inspiration mit grossartiger Musik. Und hier kann man reinhören: In der neusten Folge ihres "The Liturgists"-Podcasts sprechen sie über das Album und die einzelnen Songs werden ansgespielt.

Sidenote: Gungor laufen auch im Programm von Radio Life Channel. Wir sind nämlich dort auch keine Fans von 08/15-Worship und Rezeptglauben.

Freitag, 10. Oktober 2014

Frauen der Bibel

Die in der Bibel erwähnten Frauen sind so unterschiedlich wie die Frauen heute: Die einen sind in ihrem Leben grandios gescheitert, andere haben so viel Macht, dass sie Armeen in den Krieg führen. Die einen sind blutjung und wagen trotzdem Grosses, andere sind alt und erleben trotzdem noch Abenteuer.

Radio Life Channel kürt diese und nächste Woche die "Miss Bibel" - beziehungsweise, die Hörerinnen und Hörer können auf Facebook darüber abstimmen, welche Frau der Bibel sie am meisten beeindruckt. Pfarrer Philipp Kohli hat die zehn Finalistinnen ausgesucht und stellt sie kurz und spannend vor. Die ersten fünf Beiträge der Serie sind bereits online.

Et voilà:  

http://www.erf-medien.ch/de/Glauben-entdecken/Serien/Thema-der-Woche/Miss-Bibel-Wahl-Maria-von-Magdala

Donnerstag, 18. September 2014

Es gibt genug fähige Frauen


Die Forderung steht wieder einmal im Raum: Diese Woche schlug Justizministerin Simonetta Sommaruga vor, dass börsenkotierte Unternehmen eine Frauenquote von 30 Prozent in ihren Verwaltungsräten haben sollten. 

Headhunterin Doris Aebi im Interview mit dem "Tages-Anzeiger": "Ich persönlich kann grundsätzlich mit oder ohne Frauenquote für Verwaltungsräte leben. Viel entscheidender für mich ist, dass die Rolle der Frauen im Verwaltungsrat ernst genommen wird."  

Bild: www.tagesschau.de

Während oft damit argumentiert wird, dass bei der Personalrekrutierung Kompetenz vor Geschlecht gehen muss und abschätzig von "Quotenfrauen" gesprochen wird, bin ich grundsätzlich für Frauenquoten. Offenbar geht zwar einiges vorwärts, wie dieser Beitrag im "10vor10" illustriert. Aber eine vorgeschriebene Frauenquote würde noch mehr Firmen dazu bringen, die Suche nach geeigneten Personen auszuweiten und die Stellenvergabe transparenter machen. Und noch nebenbei: 30 Prozent sind nicht viel. Im Gegenteil. Es ist eine Schande, dass der Frauenanteil heute bei den betreffenden Unternehmen nur bei 12 Prozent liegt.

Vor einem Jahr stellte meine Kollegin bei Radio Life Channel die Frage nach einer Frauenquote in der Kirchenleitung. (Der Kurzbeitrag kann online nachgehört werden.) Erst befragte sie den Schweizerischen katholischen Frauenbund. In der katholischen Kirche sind Frauen zwar in der Basis gut vertreten, jedoch aus dogmatischen Gründen vom Priesteramt ausgeschlossen. Die Präsidentin des Pfarrvereins der Zürcher Reformierten, Gina Schibler, meinte, dass es bei den Pfarrerinnen keine Quote mehr brauche. Sondern eher bei Ämtern wie Kirchenrat und Kirchenpflege. Ihr Kollege, der Zürcher Kirchenratspräsident Michel Müller, widersprach ihr, weil eine Frauenquote die Personalsuche für diese Ämter noch schwieriger gestalten würde. Das Verhältnis werde sich im Laufe der Zeit auch ohne Quote ausbalancieren, meint er. 

In Kirchen und Freikirchen eine Frauenquote durchsetzen zu wollen, wäre ein chancenloses Unterfangen. Pastorinnen, Pastoren werden von den Kirchenmitgliedern selbst gewählt. Wenn also eine Gemeinde keine Frau als Leitungsperson will, wird es auch keine geben. 

Wo aber meines Erachtens Frauenquoten Sinn machen würden, sind Ausbildungsstätten (siehe Universität Bern und auch der Streit an der Uni Basel). Kirchenpflege, Ältestenrat, Vorstand - in diesen Gremien gibt es heute schon Frauen, doch auch da wäre eine Frauenquote keine dumme Idee. Solche Positionen sind für Frauen theologisch sogar aus der komplementären Sichtweise vertretbar, da sie in diesen Ämtern weder eine Lehrfunktion, noch, genau genommen, eine Leitungsfunktion über dem Mann einnehmen. 

Wo Frauen in solchen Gremien vertreten sind, gewöhnen sich Männer wie auch die anderen Frauen innerhalb der Kirchgemeinde daran, dass Frauen mitreden. Man würde bei der Auswahl von Leuten zum Beispiel für einen Vorstand selbstverständlicher auch Frauen in Betracht ziehen. Frauen müssten mit mehr Engagement gefördert werden, um sie für solche Positionen fit zu machen. Wo Frauen mitreden dürfen, können sie beweisen, dass sie genauso weise und vom Heiligen Geist geleitet Entscheidungen beeinflussen können. Und schlussendlich würde diese Einsicht hoffentlich dazu führen, dass mehr Kirchgemeinden Frauen auch als Pastorinnen zulassen würden.

Insofern wäre eine Frauenquote in kirchlichen Gremien eine kleine Trittleiter. Wir schaffen es auch ohne - aber schaden würde sie nichts. Denn was Doris Aebi im "Tages-Anzeiger"-Interview in Bezug auf die Schweizer Verwaltungsräte sagt, gilt zweifellos auch für die Kirche: Es gibt genug fähige Frauen.  

Donnerstag, 7. August 2014

Vom "Berg" herab

Aus aktuellem Anlass - ich bin dieser Tage am Theologischen Seminar St. Chrischona - ein Radiobeitrag von vor einem Jahr. Je nach Ausbildungsort sind bis die Hälfte der Theologiestudierenden Frauen. Es interessierte mich, wo all diese Frauen nach dem Studium landen - auf den Kanzeln der Schweizer (Frei-)Kirchen nämlich kaum.


http://www.erf-medien.ch/de/Glauben-entdecken/Leben-im-Alltag/Kirche--Gesellschaft/Theologie-Die-Huerde-vom-Studium-in-den-Beruf-ist-fuer-Frauen-immer-noch-hoch

Beitrag: "Die Hürde vom Studium in den Beruf ist für Frauen immer noch hoch" (Radio Life Channel, 17. September 2013)




 
In St. Chrischona bin ich an einer summer school mit dem amerikanischen Theologen Greg Boyd. Er hat vor kurzem zusammen mit einer jungen Pastorin zu 1. Timotheus 2, 11-15 gepredigt - in einer Serie mit dem Titel "Twisted Scripture", "verdrehte Bibel". Hier zum Ansehen.


Freitag, 18. Juli 2014

Bischöfinnen in der Church of England

In der anglikanischen Kirche ist historisch bedingt einiges etwas lockerer geregelt als in der katholischen Kirche, von der sie sich 1529 abspaltete. So gibt es als Priester Männer und Frauen. Ein weiterer Unterschied zur katholischen Kirche: Sie dürfen erst noch verheiratet sein. Bisher gab es aber im europäischen Raum (bei der Mutterkirche, der "Church of England") für Frauen eine Grenze, die sie nicht überschreiten konnten: Bischöfe durften nur Männer werden. Diese Woche wurde dies nun geändert, und wahrscheinlich wird Anfang 2014 die erste Bischöfin der Church of England gewählt. 

Darüber habe ich einen Kurzbeitrag gemacht. Bei einem der Interviews während der Recherche erzählte mir meine Gesprächspartnerin ein spannendes Detail aus ihrer Biografie. Ihre Familie besuchte die anglikanische Kirche, doch als junge Frau wechselte sie zu einer evangelikalen Freikirche. Als sie die Berufung zur Pastorin verspürte, durfte sie dieser in ihrer Kirche nicht nachgehen: Frauen durften dort keine leitenden Positionen einnehmen. Deshalb verliess sie diese Freikirche wieder - und wechselte zurück in die anglikanische Kirche. 

http://www.erf-medien.ch/de/Glauben-entdecken/Leben-im-Alltag/Kirche--Gesellschaft/Church-of-England-laesst-neu-Bischoefinnen-zu
--> Kurzbeitrag auf Radio Life Channel:
"Die anglikanische Kirche lässt neu Bischöfinnen zu"