Seit ich etwa 20 war, führe ich ein spirituelles Nomadenleben.
Meiner Zeit am Gymnasium folgten Jahre, in denen ich mich nicht als gläubig bezeichnet hätte. Ich hatte die Nase voll von einer Kirche, die vor allem Normen und Regeln verkörperte, und von einem Gott, den ich nicht hörte, geschweige denn verstand. Mitte zwanzig gab ich ihm nochmal eine Chance - aber ohne den ganzen Ballast von Gemeindealltag, christlichen Lebenshilfe- und Andachtsbüchern und vor allem ohne den Druck, mir das Label "Christin" anzukleben.
Langsam fand ich wieder zu einem Glaubensleben. Es ist nicht mehr das gleiche wie zuvor - zum Glück: Ich habe die Freiheit, auf dem Weg zu sein und herauszufinden, was der Glaube für mich bedeutet. Ich sehe ihn als Prozess und nicht als Dogma. Ich teile mein Leben mit Menschen, mit denen ich diskutiere. Mit manchen bete ich auch. Manchmal besuche ich in die Kirche vor Ort, der ich sogar als Mitglied beigetreten bin. Aber meine "Kirche" ist ein Netzwerk von Menschen, die sich an völlig unterschiedlichen Orten befinden.
Viele aus meinem Freundeskreis haben eine ähnliche Geschichte. Ihr habt Enttäuschungen erlebt in Kirchen, habt Zweifel an Gott und Mühe mit vielen von den Leuten, die sich in der Öffentlichkeit als Christen positionieren. Und trotzdem ist da etwas, was euch nicht loslässt an dieser Sache mit Gott. Im englischsprachigen Raum nennt man uns "De-Churched", "Entkirchlicht"; oder "spiritual homeless", "geistlich Obdachlose". Menschen mit einem "Post-traumatic Church Syndrome" (Reba Riley) trifft es auch ganz gut.
Die Feuerstellen, die uns "spirituell Obdachlosen" wärmen, und die Gassenküchen, in denen wir uns treffen und Nahrung bekommen, befinden sich vor allem im Internet. Es sind in den letzten zwei Jahren einige Podcasts für Leute wie uns entstanden ("The Liturgists", "Red Letter Christians", "The Deconstructionists", "Homebrewed Christianity"). Dass ihre Hörerzahlen in kürzester Zeit explodiert sind und die Macher völlig überrumpelt wurden von der Resonanz, zeigt, wie gross diese Minderheit der "De-Churched" ist. Auch etablierte Kirchen begreifen es langsam: Sie machen sich auf den Weg aus den Kirchengebäuden heraus, um Menschen dort zu begegnen, wo sie sind (Fresh Expressions of Church). Ohne den Willen, sie zurück in die Kirchengebäude zu bringen.
Es sind einzelne Beispiele für eine "grass roots"-Bewegung, die langsam in Gang kommt. Raus aus den Kirchen, aus den etablierten Traditionen, in Richtung einer neuen Reformation. Ich glaube, das ist die Zukunft der Kirche. Und wenn man bedenkt, dass auch der Gründer dieser ganzen Christentums-Sache ein Obdachloser war, der ein Nomadenleben führte, ist das wohl der richtige Weg.
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Dienstag, 13. September 2016
Mittwoch, 7. September 2016
"Was gloubsch de du?"
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| (c) Evelyne Baumberger - Piz Sardona |
Auf einer Hochebene in den Bergen unter brütender Sonne, unter den Füssen Moos und Stein und gelbe Blümchen, diese Frage.
- Aber etz nimmt’s mi doch wunder. Was gloubsch de du?
Was ich glaube.
Ich glaube an Gott. An den Schöpfer, der alles das gemacht hat. Dass ich für diese Schönheit so empfänglich bin, dass mich das alles so unglaublich tief berührt, zeigt mir, dass es da eine Verbindung gibt zwischen meiner Seele und der Natur. Vielleicht zeigt es auch, dass ich schlicht und einfach auch ein Teil davon bin, wie ein Tier, ein Baum, ein Pilz. Aber ich glaube, da ist mehr. Da ist Beziehung, Verbindung, Liebe. Und ich kann mich mit der Quelle, mit dem Wesen der Liebe, verbinden.
Ich nenne es „Gott“, sage ich.
Das sind alles abstrakte Gedanken, über die man schön philosophieren kann. Aber wo es sich wirklich zeigt in meinem Leben, ist in den Beziehungen. Ich sehe Beziehungen als Kern meines Daseins als Mensch. Verbindungen zu leben, Liebe leben, Gemeinschaft. Und da erlebe ich Gott. Da erlebe ich manchmal eine Kraft, die übernatürlich ist.
Wenn ich jemanden gerne mag, der seltsam ist.
Wenn eine völlig unterschiedliche Gruppe von Menschen zu einer Gemeinschaft wird, in der eine wahrnehmbar positive, friedliche Atmosphäre herrscht.
Wenn Vergebung ausgesprochen wird und aus einer dunklen Gewitterwolke Friede wird.
In Situationen, Stimmungen, wo ich selber nicht könnte. Wo eine Kraft in mir wirkt, die nicht von mir kommt.
Da erlebe ich Gott. Diese Kraft, die Beziehung ist; Liebe; Frieden. Eine Kraft, aus der ich schöpfen kann, wenn ich mich mit der Quelle verbinde.
Das gibt mir Hoffnung, dass im Kleinen, im Zwischenmenschlichen immer wieder diese Art von Verbindung entstehen kann. Auch in dieser kaputten Welt, auch wenn es so gar nicht danach aussieht.
- Aber etz nimmt’s mi doch wunder. Was gloubsch de du?
Was ich glaube.
Ich glaube an Gott. An den Schöpfer, der alles das gemacht hat. Dass ich für diese Schönheit so empfänglich bin, dass mich das alles so unglaublich tief berührt, zeigt mir, dass es da eine Verbindung gibt zwischen meiner Seele und der Natur. Vielleicht zeigt es auch, dass ich schlicht und einfach auch ein Teil davon bin, wie ein Tier, ein Baum, ein Pilz. Aber ich glaube, da ist mehr. Da ist Beziehung, Verbindung, Liebe. Und ich kann mich mit der Quelle, mit dem Wesen der Liebe, verbinden.
Ich nenne es „Gott“, sage ich.
Das sind alles abstrakte Gedanken, über die man schön philosophieren kann. Aber wo es sich wirklich zeigt in meinem Leben, ist in den Beziehungen. Ich sehe Beziehungen als Kern meines Daseins als Mensch. Verbindungen zu leben, Liebe leben, Gemeinschaft. Und da erlebe ich Gott. Da erlebe ich manchmal eine Kraft, die übernatürlich ist.
Wenn ich jemanden gerne mag, der seltsam ist.
Wenn eine völlig unterschiedliche Gruppe von Menschen zu einer Gemeinschaft wird, in der eine wahrnehmbar positive, friedliche Atmosphäre herrscht.
Wenn Vergebung ausgesprochen wird und aus einer dunklen Gewitterwolke Friede wird.
In Situationen, Stimmungen, wo ich selber nicht könnte. Wo eine Kraft in mir wirkt, die nicht von mir kommt.
Da erlebe ich Gott. Diese Kraft, die Beziehung ist; Liebe; Frieden. Eine Kraft, aus der ich schöpfen kann, wenn ich mich mit der Quelle verbinde.
Das gibt mir Hoffnung, dass im Kleinen, im Zwischenmenschlichen immer wieder diese Art von Verbindung entstehen kann. Auch in dieser kaputten Welt, auch wenn es so gar nicht danach aussieht.
Donnerstag, 17. März 2016
"Let Bad Religion Die", oder wie Gungor Kunst voller Theologie machen #offtopic
Ich habe vor, wieder mehr off-topic zu bloggen. Nicht direkt über Frauen in der Kirche, sondern mehr über Leben und Glauben aus meiner Perspektive. Kurz, lose, random, nicht wirklich redigiert. #wasmitTheologie.
Zu christlicher Musik könnte man wunderbare Bullshit-Bingos machen. Oder so Songbücher wie die horizontal dreigeteilten Kinderbücher, wo Kopf, Rumpf und Beine verschiedener Tiere zusammen ein Fantasiewesen ergeben. "Holy", "Halleluja", drei Akkorde drunter, ein ätherisches Klangbett und voilà, fertig ist der 08/15-Worshipsong. Gotteslob in Ehren, aber Seele ist da ganz selten drin.
Und dann gibt es diese eine christliche Band, die ihren Songs Titel gibt wie "Magic" oder "Let Bad Religion Die": Gungor. Ihre Werke haben Sprengkraft, sind pure Theologie, in Kunst gepackt. Der Song "Beautiful Things" ist mittlerweile auch hier bekannt, er ist aber harmlos, verglichen mit anderen ihrer Titel. Ein Song von Gungor beginnt mit der Zeile "God is not a man", und der Chorus eines anderen lautet "If it's us or them, it's us for them". In "Light" verarbeiten sie ganz ehrlich die Erfahrung, ein Kind mit Down-Syndrom bekommen zu haben.
Gungor sind furchtlos. Sie machen mit ihrem Künstlerkollektiv "The Liturgists" ehrliche, tiefgründige, mutige Kunst. Theologiekunst, angewandte Theologie, welche mich tief berührt, zum Nachdenken bringt und mich spirituell prägt.
Zum Beispiel ihre modernen Liturgien, wie "Garden" für Karfreitag/Ostern: Spoken Word von den Theologen Rachel Held Evans und Rob Bell, eine zwanzigminütige, angeleitete Meditation ("Centering Prayer") vom exzentrischen Theologen/Wissenschaftsfreak "Science Mike" McHague. Songs von Gungor mit Texten wie "Oh my God, where are you?". Vor solchen Fragen haben sie keine Angst. "The Liturgists" machen Podcasts zu Themen wie "Pro-life, pro choice", "Sin" oder "Safe Church". (Und ja, auch zu "Genesis and Evolution" oder "LGBTQ".) Manchmal - oft! - werden Fragen gestellt, diskutiert, aber nicht abschliessend beantwortet. Es entsteht Raum fürs Denken, fürs Fühlen, für den Heiligen Geist.
Auch an ihren Events, bei denen ich wünschte, ich könnte dabeisein... "Lost & Found": "An interactive storytelling experience about the tension between science and religion, and why so many people leave faith behind." Oder "Belong": "Belong is a safe place to have honest discussions about doubts, hopes, fears, and faith. A place where no question is off limits, but you can find a burgeoning community of people who will welcome you with all your strangeness."
Ich bin mir völlig bewusst, wie schwärmerisch das alles klingt. Aber Gungor geben mir so viel Hoffnung! Sie schaffen Heimat für Menschen, die von der herkömmlichen Institution Kirche enttäuscht sind. Die mehr wollen, echtes wollen, nicht Rezeptglauben mit Manipulationsfaktor. Selber denken, aber auch selber fühlen. Zweifeln und fragen, aber auch wachsen und finden. "Seek and you shall find!"
Gungor haben soeben ihr neues Album "One Wild Life: Spirit" veröffentlicht, der zweite Teil einer Album-Trilogie. Es ist eine geballte Ladung Inspiration mit grossartiger Musik. Und hier kann man reinhören: In der neusten Folge ihres "The Liturgists"-Podcasts sprechen sie über das Album und die einzelnen Songs werden ansgespielt.
Sidenote: Gungor laufen auch im Programm von Radio Life Channel. Wir sind nämlich dort auch keine Fans von 08/15-Worship und Rezeptglauben.
Zu christlicher Musik könnte man wunderbare Bullshit-Bingos machen. Oder so Songbücher wie die horizontal dreigeteilten Kinderbücher, wo Kopf, Rumpf und Beine verschiedener Tiere zusammen ein Fantasiewesen ergeben. "Holy", "Halleluja", drei Akkorde drunter, ein ätherisches Klangbett und voilà, fertig ist der 08/15-Worshipsong. Gotteslob in Ehren, aber Seele ist da ganz selten drin.
Und dann gibt es diese eine christliche Band, die ihren Songs Titel gibt wie "Magic" oder "Let Bad Religion Die": Gungor. Ihre Werke haben Sprengkraft, sind pure Theologie, in Kunst gepackt. Der Song "Beautiful Things" ist mittlerweile auch hier bekannt, er ist aber harmlos, verglichen mit anderen ihrer Titel. Ein Song von Gungor beginnt mit der Zeile "God is not a man", und der Chorus eines anderen lautet "If it's us or them, it's us for them". In "Light" verarbeiten sie ganz ehrlich die Erfahrung, ein Kind mit Down-Syndrom bekommen zu haben.
Gungor sind furchtlos. Sie machen mit ihrem Künstlerkollektiv "The Liturgists" ehrliche, tiefgründige, mutige Kunst. Theologiekunst, angewandte Theologie, welche mich tief berührt, zum Nachdenken bringt und mich spirituell prägt.
Zum Beispiel ihre modernen Liturgien, wie "Garden" für Karfreitag/Ostern: Spoken Word von den Theologen Rachel Held Evans und Rob Bell, eine zwanzigminütige, angeleitete Meditation ("Centering Prayer") vom exzentrischen Theologen/Wissenschaftsfreak "Science Mike" McHague. Songs von Gungor mit Texten wie "Oh my God, where are you?". Vor solchen Fragen haben sie keine Angst. "The Liturgists" machen Podcasts zu Themen wie "Pro-life, pro choice", "Sin" oder "Safe Church". (Und ja, auch zu "Genesis and Evolution" oder "LGBTQ".) Manchmal - oft! - werden Fragen gestellt, diskutiert, aber nicht abschliessend beantwortet. Es entsteht Raum fürs Denken, fürs Fühlen, für den Heiligen Geist.
Auch an ihren Events, bei denen ich wünschte, ich könnte dabeisein... "Lost & Found": "An interactive storytelling experience about the tension between science and religion, and why so many people leave faith behind." Oder "Belong": "Belong is a safe place to have honest discussions about doubts, hopes, fears, and faith. A place where no question is off limits, but you can find a burgeoning community of people who will welcome you with all your strangeness."
Ich bin mir völlig bewusst, wie schwärmerisch das alles klingt. Aber Gungor geben mir so viel Hoffnung! Sie schaffen Heimat für Menschen, die von der herkömmlichen Institution Kirche enttäuscht sind. Die mehr wollen, echtes wollen, nicht Rezeptglauben mit Manipulationsfaktor. Selber denken, aber auch selber fühlen. Zweifeln und fragen, aber auch wachsen und finden. "Seek and you shall find!"
Gungor haben soeben ihr neues Album "One Wild Life: Spirit" veröffentlicht, der zweite Teil einer Album-Trilogie. Es ist eine geballte Ladung Inspiration mit grossartiger Musik. Und hier kann man reinhören: In der neusten Folge ihres "The Liturgists"-Podcasts sprechen sie über das Album und die einzelnen Songs werden ansgespielt.
Sidenote: Gungor laufen auch im Programm von Radio Life Channel. Wir sind nämlich dort auch keine Fans von 08/15-Worship und Rezeptglauben.
Dienstag, 14. April 2015
Lohnt es sich, für Veränderung zu kämpfen?
"Starke Frauen in der Kirche", heisst mein Blog. Doch momentan besuche ich selber gar nicht regelmässig eine Kirche.
Dies ist wahrscheinlich auch der Grund, warum ich länger keinen Blog-Eintrag veröffentlicht habe. Ich stelle mir die Fragen: Wenn so vieles meiner Ansicht nach falsch läuft in der Welt der Kirchen, warum überhaupt kämpfen? Wenn ich nicht an die Zukunft von Kirchen glaube, wie ich sie heute kenne, warum investieren? Dabei ist die ungleiche Machtverteilung von Männern und Frauen nur ein Aspekt. Dass ich überhaupt darauf komme, von "Macht" zu sprechen anstatt von Förderung und Potenzial, zeigt einen anderen Punkt auf, der mir an der Kirche missfällt. Dann die Frage nach Finanzen, nach Strukturen, die Ressourcen verschlingen, die man direkter für gute Zwecke einsetzen könnte. Strukturen im Allgemeinen - braucht es tatsächlich so viele Angebote, wie sie die Kirchen anbieten? Sie füllen die Agenda und gehören zum Werben um neue Besucherinnen und Besucher. Und das geschieht vielleicht nur unter dem Vorwand, sie mit dem liebenden Gott bekannt zu machen. Und manchmal auch vor allem, um Mitglieder zu gewinnen, um Erfolge feiern zu können, das Ego der Gemeinde zu streicheln.
Dies sind alles negative Beispiele, die gewiss so geschehen. Aber die mir oft auch den Blick auf die positive Seite von Kirche verdecken. Dass einsame Menschen Freunde finden, und Suchende Gott kennen lernen können. Dass Menschen durch die regelmässigen Impulse an sich und an der Gemeinschaft arbeiten. Dass sie immer wieder motiviert werden, sich für andere einzusetzen. Die sozialen, diakonischen Arbeiten der Kirchen etwa für Ausländer und alte, alleinstehende Menschen nicht zu vergessen.
Ich bin hin- und hergerissen zwischen diesen positiven, auch biblischen Seiten der Kirchen, und den Problemen, die ich beobachtet habe. Wahrscheinlich befinde ich mich "between churches". Ich suche, wie so viele meiner Freunde, geistliche Impulse in Podcasts und "Gemeinde" in den alltäglichen Freundschaften. Doch obwohl ich überzeugt bin, dass dies kein falscher Weg ist, fehlt mir etwas.
Ich wünsche mir eine Kirche, die gesund ist. Wo die Frage sich erübrigt, ob Frauen irgend etwas auch "dürfen". Aber auch die anderen Fragen. Und ich frage mich, ob es diese Kirche überhaupt gibt.
Im Gespräch mit Freunden kürzlich fiel der Vergleich mit einer Beziehung: Den perfekten Partner gibt es nicht. Wir sind Menschen, wir machen nicht nur Fehler, wir sind auch einfach grundsätzlich verschieden, und das macht das Zusammenleben schwierig. Trotzdem wollen wir Beziehungen. Wollen wir Gemeinschaft. Aber: Eine Beziehung baut auf einem grundsätzlichen "Ja" zueinander auf. Und wahrscheinlich braucht es das auch, um sich in einer Kirche als Mitglied einzubringen. Hat man kein grundsätzliches "Ja", stimmt zu vieles schon von Anfang an nicht, dann überwiegt schlussendlich der Krampf über den Gewinn von Gemeinschaft.
Diese Kirche habe ich noch nicht gefunden. Bis dahin suche ich mir Impulse aus anderen Quellen. Suche Gemeinschaft mit Menschen ausserhalb der Kirche. Mit starken Frauen und weniger starken Frauen, und mit ebensolchen Männern. Genau so, wie es eigentlich auch in der Kirche sein sollte.
Dies ist wahrscheinlich auch der Grund, warum ich länger keinen Blog-Eintrag veröffentlicht habe. Ich stelle mir die Fragen: Wenn so vieles meiner Ansicht nach falsch läuft in der Welt der Kirchen, warum überhaupt kämpfen? Wenn ich nicht an die Zukunft von Kirchen glaube, wie ich sie heute kenne, warum investieren? Dabei ist die ungleiche Machtverteilung von Männern und Frauen nur ein Aspekt. Dass ich überhaupt darauf komme, von "Macht" zu sprechen anstatt von Förderung und Potenzial, zeigt einen anderen Punkt auf, der mir an der Kirche missfällt. Dann die Frage nach Finanzen, nach Strukturen, die Ressourcen verschlingen, die man direkter für gute Zwecke einsetzen könnte. Strukturen im Allgemeinen - braucht es tatsächlich so viele Angebote, wie sie die Kirchen anbieten? Sie füllen die Agenda und gehören zum Werben um neue Besucherinnen und Besucher. Und das geschieht vielleicht nur unter dem Vorwand, sie mit dem liebenden Gott bekannt zu machen. Und manchmal auch vor allem, um Mitglieder zu gewinnen, um Erfolge feiern zu können, das Ego der Gemeinde zu streicheln.
Dies sind alles negative Beispiele, die gewiss so geschehen. Aber die mir oft auch den Blick auf die positive Seite von Kirche verdecken. Dass einsame Menschen Freunde finden, und Suchende Gott kennen lernen können. Dass Menschen durch die regelmässigen Impulse an sich und an der Gemeinschaft arbeiten. Dass sie immer wieder motiviert werden, sich für andere einzusetzen. Die sozialen, diakonischen Arbeiten der Kirchen etwa für Ausländer und alte, alleinstehende Menschen nicht zu vergessen.
Ich bin hin- und hergerissen zwischen diesen positiven, auch biblischen Seiten der Kirchen, und den Problemen, die ich beobachtet habe. Wahrscheinlich befinde ich mich "between churches". Ich suche, wie so viele meiner Freunde, geistliche Impulse in Podcasts und "Gemeinde" in den alltäglichen Freundschaften. Doch obwohl ich überzeugt bin, dass dies kein falscher Weg ist, fehlt mir etwas.
Ich wünsche mir eine Kirche, die gesund ist. Wo die Frage sich erübrigt, ob Frauen irgend etwas auch "dürfen". Aber auch die anderen Fragen. Und ich frage mich, ob es diese Kirche überhaupt gibt.
Im Gespräch mit Freunden kürzlich fiel der Vergleich mit einer Beziehung: Den perfekten Partner gibt es nicht. Wir sind Menschen, wir machen nicht nur Fehler, wir sind auch einfach grundsätzlich verschieden, und das macht das Zusammenleben schwierig. Trotzdem wollen wir Beziehungen. Wollen wir Gemeinschaft. Aber: Eine Beziehung baut auf einem grundsätzlichen "Ja" zueinander auf. Und wahrscheinlich braucht es das auch, um sich in einer Kirche als Mitglied einzubringen. Hat man kein grundsätzliches "Ja", stimmt zu vieles schon von Anfang an nicht, dann überwiegt schlussendlich der Krampf über den Gewinn von Gemeinschaft.
Diese Kirche habe ich noch nicht gefunden. Bis dahin suche ich mir Impulse aus anderen Quellen. Suche Gemeinschaft mit Menschen ausserhalb der Kirche. Mit starken Frauen und weniger starken Frauen, und mit ebensolchen Männern. Genau so, wie es eigentlich auch in der Kirche sein sollte.
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