Montag, 21. Juli 2014

Das "Haupt der Frau"

Momentan ackere ich mich gerade durch theologische Grundlagentexte über die Rolle von Frauen in der Kirche. Einer davon ist der Standpunkt der FEG (Freie Evangelische Gemeinden) Schweiz: "Geistliche Leitung der Gemeinde durch Männer und Frauen" (2007)

Die Autoren sind der Meinung, dass nur Männer eine Kirchgemeinde leiten sollen. Sie argumentieren ausführlich. Das Killerargument stammt von Paulus aus 1. Korinter 11,3:


Auch aus an vielen anderen Stellen der Bibel geht hervor, dass Gott offenbar dem Mann in der Familie die Rolle des Verantwortungsträgers zugedacht hat. Obwohl mir das einiges Kopfzerbrechen bereitet hat, kann ich es aus einem bestimmten Verständnis von "Verantwortung" und "Haupt" heraus akzeptieren. In der Ehe kommt die Verschiedenheit von Männern und Frauen maximal zur Wirkung - deswegen scheint es nicht unlogisch, dass es dort auch unterschiedliche Rollen geben soll.


Was mir jedoch nicht einleuchtet: Warum überträgt man dieses Modell 1:1 auf die Kirche? Warum sollen sich Frauen anderen Männern unterordnen, mit denen sie keine persönliche Beziehung haben, wo es also überhaupt nicht darauf ankommt, welchem Geschlecht sie angehören? Die Bibelstellen dazu sind dürftig und die Auslegung offen. Meiner Meinung nach zu wenig stichhaltig, um daraus abzuleiten, dass Frauen zwar leitende Funktionen in einzelnen Teams und Diensten der Kirche haben dürfen, die Hauptleitungsfunktion jedoch Männern vorbehalten ist. 

Thoughts?

Anmerkung: Trotz dem Standpunktpapier, und obwohl auf der FEG-Website und in den Ressourcen nur von "Pastoren" die Rede ist, ist Frauen in den FEG Schweiz das Pastorenamt offenbar nicht grundsätzlich verboten. Das entnehme ich einem Zitat aus dem Anhang des Standpunkt-Papiers: "Die grosse Mehrheit der FEG Gemeinden vertritt die so genannte 'komplementäre Sicht', die auch in dieser Hilfestellung – wie bereits im Grundlagenpapier von 1994 – gegenüber der 'egalitären Sicht' vertreten wird. Einige Gemeinden vertreten die egalitäre Sicht und leben sie in der Praxis."
"egalitäre Sicht": Frauen und Männer übernehmen die gleichen Rollen
"komplementäre Sicht": Männer und Frauen übernehmen "unterschiedliche" Rollen (sprich: Männer können jede beliebige Funktion in der Gemeinde wahrnehmen, Frauen dürfen aber ihrerseits keine Gemeinde leiten.)

Freitag, 18. Juli 2014

Bischöfinnen in der Church of England

In der anglikanischen Kirche ist historisch bedingt einiges etwas lockerer geregelt als in der katholischen Kirche, von der sie sich 1529 abspaltete. So gibt es als Priester Männer und Frauen. Ein weiterer Unterschied zur katholischen Kirche: Sie dürfen erst noch verheiratet sein. Bisher gab es aber im europäischen Raum (bei der Mutterkirche, der "Church of England") für Frauen eine Grenze, die sie nicht überschreiten konnten: Bischöfe durften nur Männer werden. Diese Woche wurde dies nun geändert, und wahrscheinlich wird Anfang 2014 die erste Bischöfin der Church of England gewählt. 

Darüber habe ich einen Kurzbeitrag gemacht. Bei einem der Interviews während der Recherche erzählte mir meine Gesprächspartnerin ein spannendes Detail aus ihrer Biografie. Ihre Familie besuchte die anglikanische Kirche, doch als junge Frau wechselte sie zu einer evangelikalen Freikirche. Als sie die Berufung zur Pastorin verspürte, durfte sie dieser in ihrer Kirche nicht nachgehen: Frauen durften dort keine leitenden Positionen einnehmen. Deshalb verliess sie diese Freikirche wieder - und wechselte zurück in die anglikanische Kirche. 

http://www.erf-medien.ch/de/Glauben-entdecken/Leben-im-Alltag/Kirche--Gesellschaft/Church-of-England-laesst-neu-Bischoefinnen-zu
--> Kurzbeitrag auf Radio Life Channel:
"Die anglikanische Kirche lässt neu Bischöfinnen zu"

Dienstag, 15. Juli 2014

Wo mein Herz schlägt.


Als Journalistin für einen christlichen Radiosender begegnet mir diese Situation immer wieder: Ich scrolle mich durch das Programm eines Kongresses und es fällt mir unweigerlich auf, dass wenig bis keine Frauen als Rednerinnen eingeladen wurden. Das selbe, wenn ich AnsprechpartnerInnen in freikirchlichen Verbänden suche: fast nur Männer in den leitenden Positionen. Und privat besuche ich seit einem halben Jahr eine modern ausgerichtete Freikirche, habe aber dort noch nie eine Frau predigen gehört. Ok, einmal: in einer "Ladies' celebration".
Auf den christlichen Bühnen fehlen die Frauen. 

Vor ein paar Monaten sprach ich einen der Organisatoren eines Kongresses für Jugendleiterinnen und –Leiter darauf an, dass von über einem Dutzend (!) Vorträgen und Workshops kein einziger von einer Frau geleitet wurde. Er reagierte mit Erstaunen. Das sei ihm gar nicht aufgefallen. 

Als Frau in der Kirche brauche ich Pastorinnen, als Vorbilder und Identifikationsfiguren. Als Journalistin will ich kompetente und interessante Ansprechpartnerinnen - und zwar auch im (frei-)kirchlichen Bereich. Beides fehlt mir oft, und diese Situation frustriert mich immer stärker. 
Und dann gibt es die inspirierenden Begegnungen, die mein Herz stärker schlagen lassen: Gespräche mit Frauen, die ihren Weg in der Kirche gehen. Starke Frauen, die mir Vorbilder sind. Weil sie sich in ihrer Berufung nicht einschränken lassen von Leuten, die finden, Frauen dürften dies und das nicht. Jedenfalls nicht in der Kirche. 
Mit diesem Blog will ich konstruktive Gedanken, Links, Texte und Videos zum Thema sammeln. Gedanken, die Frauen ermutigen, ihre Berufung innerhalb der Kirche zu verfolgen und wahrzunehmen. Es geht nicht um Selbstverwirklichung. Sondern darum, unseren Platz als Frauen einzunehmen - auch wenn er am Rednerpult ist.
Frauen sollen im Gottesdienst predigen – nicht „nur“ Musik machen. Frauen sollen Bibelstunden leiten und nicht „nur“ Kindergottesdienst. Studiengänge mit dem Berufsziel Pastor müssen für Frauen attraktiv angepriesen werden. Es braucht mehr Dozentinnen an den theologischen Ausbildungsstätten. Und Frauen müssen in Vorständen von Kirchen und christlichen Institutionen vertreten sein. 


Eine Fussnote: Mit meinen Beobachtungen bewege ich mich im freikirchlichen Bereich. Die evangelisch-reformierte Landeskirche ist in Punkto Gleichberechtigung bereits viel weiter, während in der katholischen Kirche die Situation brodelt, aber festgefahren ist.